Die christliche Gemeinschaft ist dazu berufen, ein Leuchtturm der Liebe, der Einheit und der Wahrheit in einer zerrissenen Welt zu sein. Doch wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass die Realität oft anders aussieht. Christen streiten über Lehrmeinungen, über Auslegungen, über Formen des Gottesdienstes und über Fragen der Lebensführung. Diese Auseinandersetzungen werden manchmal mit einer solchen Schärfe geführt, dass Außenstehende kopfschüttelnd zusehen und sich fragen, wo denn die Liebe geblieben ist, von der Jesus so eindringlich gesprochen hat. Paulus warnt die Gemeinde in Galatien mit deutlichen Worten: “Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet” (Galater 5,15). Diese drastische Bildsprache zeigt, wie zerstörerisch innergemeindliche Konflikte sein können.
Wenn Christen sich gegenseitig bekämpfen, geschieht etwas Tragisches. Die Wahrheit, die wir doch alle suchen und verteidigen wollen, tritt in den Hintergrund. Stattdessen gewinnt das, was die Bibel das Fleisch nennt, also unsere eigensüchtige, gefallene Natur. Es geht dann nicht mehr darum, gemeinsam der Wahrheit Gottes näherzukommen, sondern darum, recht zu behalten, die eigene Position durchzusetzen und den anderen als Verlierer dastehen zu lassen. Der Fokus verschiebt sich von der Herrlichkeit Gottes auf die eigene Ehre, von der Liebe auf den Sieg, von der Demut auf den Stolz. In solchen Momenten offenbart sich, wie tief die sündige Natur auch in wiedergeborenen Christen noch verwurzelt ist.
Die Werke des Fleisches sind offenbar, wie Paulus im Galaterbrief schreibt. Unter ihnen nennt er ausdrücklich “Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen” (Galater 5,20). All diese Dinge können in christlichen Auseinandersetzungen zum Vorschein kommen, und sie haben nichts mit dem Reich Gottes zu tun. Wenn wir uns in Diskussionen verlieren, die von diesen fleischlichen Motiven getrieben sind, dann mag es sein, dass wir am Ende des Tages vermeintlich eine Debatte gewonnen haben, aber wir haben dabei etwas viel Wichtigeres verloren. Wir haben die Einheit im Geist verloren, die durch das Band des Friedens zusammengehalten wird (Epheser 4,3). Wir haben das Zeugnis vor der Welt beschädigt, denn Jesus selbst betete, dass seine Jünger eins sein mögen, damit die Welt glaubt (Johannes 17,21): “Ich bete, dass sie alle eins sind, und zwar so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen sie in uns eins sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.”
Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jede Auseinandersetzung unter Christen automatisch fleischlich ist. Es gibt Situationen, in denen wir für die Wahrheit einstehen müssen, in denen wir Irrlehren widersprechen und falsche Wege korrigieren müssen. Die Apostel selbst haben dies getan, und die Kirchengeschichte zeigt, dass manchmal Konflikte notwendig waren, um die Reinheit der Lehre zu bewahren. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art und Weise, wie wir diese Auseinandersetzungen führen, und in den Motiven, die uns antreiben. Paulus schreibt an Timotheus: “Ein Diener des Herrn soll aber nicht streiten, sondern allen freundlich begegnen. Er sollte lehrfähig sein und sich nicht provozieren lassen, Widerspenstige aber mit Güte und Geduld zurechtweisen. Vielleicht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Änderung ihrer Einstellung. Dann erkennen sie die Wahrheit” (2. Timotheus 2,24–25). Hier sehen wir, dass auch die Zurechtweisung in Sanftmut geschehen soll, nicht in Arroganz oder Selbstgerechtigkeit.
Wenn wir aber in unseren Auseinandersetzungen die Sanftmut verlieren, wenn wir den anderen nicht mehr als Bruder oder Schwester sehen, sondern als Feind, wenn wir nicht mehr zuhören, sondern nur noch reden wollen, dann hat das Fleisch bereits gesiegt. In solchen Momenten geht es nicht mehr um die Wahrheit Gottes, sondern um unsere eigene Wahrheit, um unser eigenes Verständnis, das wir absolut setzen. Wir vergessen, dass auch wir nur Stückwerk erkennen, wie Paulus schreibt (1. Korinther 13,9). Wir vergessen, dass Demut die Grundhaltung eines Jüngers Jesu sein sollte, denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade (Jakobus 4,6).
“Die Frucht des Geistes hingegen ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit” (Galater 5,22–23). Wenn diese Eigenschaften unsere Gespräche und Auseinandersetzungen prägen, dann kann auch in der Meinungsverschiedenheit die Wahrheit wachsen. Dann können wir gemeinsam lernen, einander korrigieren und trotzdem in Liebe verbunden bleiben. Dann wird deutlich, dass wir nicht gegeneinander, sondern miteinander auf dem Weg sind, die Fülle der Wahrheit Christi zu erfassen.
Die Geschichte der Kirche ist voll von tragischen Beispielen, bei denen Christen sich gegenseitig bekämpft haben, oft mit verheerenden Folgen. Spaltungen sind entstanden, Gemeinden wurden zerrissen, und das Zeugnis des Evangeliums wurde beschädigt. Dabei waren oft beide Seiten davon überzeugt, für die Wahrheit zu kämpfen.
Doch wenn der Kampf selbst von Hass, Verleumdung und Lieblosigkeit geprägt ist, dann kann die Wahrheit nicht siegen, denn die Wahrheit ist in Jesus, und Jesus ist die Liebe.
Eine Wahrheit, die ohne Liebe vertreten wird, ist keine biblische Wahrheit mehr, sondern eine verzerrte, kalte Orthodoxie, die mehr zerstört als aufbaut.
Jesus selbst hat uns ein Vorbild gegeben, wie wir mit Widerspruch und Ablehnung umgehen sollen. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder. Als er litt, drohte er nicht, sondern stellte es dem anheim, der gerecht richtet (1. Petrus 2,23). Seine Liebe zu den Menschen, selbst zu denen, die ihn ablehnten, war bedingungslos. Er suchte nicht seinen eigenen Vorteil, sondern das Heil der anderen. Wenn wir uns als seine Nachfolger verstehen, dann müssen wir auch in unseren Auseinandersetzungen diese Haltung einnehmen. Es geht nicht darum, den anderen zu besiegen, sondern darum, ihn zu gewinnen, ihm zu dienen und gemeinsam zu wachsen.
Die Frage, die wir uns in jeder Diskussion und in jedem Konflikt stellen sollten, lautet: Was ist mein wahres Motiv? Geht es mir wirklich um die Ehre Gottes und die Wahrheit seines Wortes, oder geht es mir darum, recht zu behalten, meine Position zu stärken und mein Ego zu befriedigen? Diese Selbstprüfung ist schmerzhaft, aber notwendig. Sie erfordert, dass wir ehrlich vor Gott treten und uns von seinem Geist erforschen lassen. Der Psalmist betet: “Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine” (Psalm 139,23). Diese Haltung der Selbstreflexion bewahrt uns davor, blind in fleischliche Kämpfe zu stolpern.
Wenn wir erkennen, dass wir in der Gefahr stehen, aus fleischlichen Motiven zu kämpfen, dann ist Umkehr gefordert. Wir müssen innehalten, vor Gott treten und um Vergebung bitten. Wir müssen bereit sein, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun, auch wenn wir uns im Recht fühlen. Jesus sagt: “Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder” (Matthäus 5,23–24). Die Versöhnung hat Vorrang vor dem Gottesdienst, denn ohne Versöhnung ist unser Gottesdienst nicht wohlgefällig.
Die Einheit der Gläubigen ist kein nebensächliches Thema, sondern ein zentrales Anliegen des Neuen Testaments. Paulus ermahnt die Philipper: “So macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid” (Philipper 2,2). Diese Einheit ist nicht eine oberflächliche Harmonie, bei der Konflikte vermieden werden, sondern eine tiefe Verbundenheit in Christus, die auch Meinungsverschiedenheiten aushalten kann. Sie ist möglich, wenn wir bereit sind, einander in Liebe zu ertragen und die Verschiedenheit als Bereicherung zu sehen, nicht als Bedrohung.
Letztlich müssen wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir alle unter der Gnade stehen. Keiner von uns hat die vollkommene Erkenntnis, keiner von uns ist ohne Fehler, und keiner von uns hat das Recht, sich über den anderen zu erheben. Wenn wir dies im Herzen tragen, dann können wir auch in schwierigen Auseinandersetzungen die Liebe bewahren. Dann können wir die Wahrheit in Liebe sagen (Epheser 4,15) und gleichzeitig bereit sein, selbst korrigiert zu werden. Dann wird nicht das Fleisch siegen, sondern der Geist Gottes, und die Wahrheit wird in einer Atmosphäre der Liebe und der Demut aufleuchten.
Die Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Konfessionen
Ein besonders schmerzliches Kapitel im gegenseitigen Bekämpfen unter Christen ist die Feindschaft zwischen verschiedenen Konfessionen. Wie oft erleben wir, dass Christen nicht die gemeinsame Grundlage in Jesus Christus betonen, sondern dass sie sich auf die Unterschiede in Tradition, Gottesdienstformen und Lehrfeinheiten konzentrieren und diese Unterschiede als Waffen gegeneinander einsetzen. Das ständige Lästern gegen andere Konfessionen ist zu einer traurigen Gewohnheit geworden, die in manchen christlichen Kreisen geradezu kultiviert wird. Da werden die Katholiken von den Evangelikalen als Götzendiener bezeichnet, die Evangelikalen von den Katholiken als Spalter, die Pfingstler als Schwärmer, die traditionellen Kirchen als tot und liberal. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, und jede dieser Zuschreibungen trägt Gift in sich, das den Leib Christi vergiftet.
Wenn wir über andere Konfessionen lästern, vergessen wir eine grundlegende Wahrheit:
In jeder dieser Gemeinschaften gibt es Menschen, die Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser angenommen haben, die aus Gnade errettet sind und die genauso zum Leib Christi gehören wie wir selbst.
Paulus stellt die Frage: “Wer bist du, dass du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden; denn Gott vermag ihn aufrecht zu halten” (Römer 14,4). Diese Mahnung gilt besonders, wenn wir über unsere Geschwister in anderen konfessionellen Zusammenhängen sprechen. Wir sind nicht ihre Richter, sondern ihre Mitknechte unter dem einen Herrn Jesus Christus. Wenn wir uns anmaßen, über sie zu urteilen und sie pauschal zu verurteilen, dann überschreiten wir eine Grenze, die uns nicht zusteht.
Das ständige Lästern gegen andere Konfessionen offenbart oft eine gefährliche geistliche Haltung. Es zeigt, dass wir unsere eigene Position absolut setzen und uns in einer Art geistlichem Hochmut über andere erheben. Wir meinen, die einzig wahre Auslegung der Schrift zu besitzen, die einzig richtige Form des Gottesdienstes zu praktizieren und die einzig legitime Nachfolge der Apostel zu repräsentieren. Diese Haltung widerspricht fundamental dem Geist der Demut, zu dem uns die Schrift aufruft. Paulus ermahnt die Philipper: “Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst” (Philipper 2,3). Wenn wir andere Konfessionen ständig herabsetzen, dann achten wir sie gerade nicht höher als uns selbst, sondern demonstrieren unseren eigenen Hochmut.
Dabei ist es durchaus legitim und sogar notwendig, theologische Unterschiede zu benennen und darüber in einen ehrlichen Dialog zu treten. Es gibt tatsächlich Lehrfragen, die wichtig sind und die nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden sollten. Die Frage nach der Rechtfertigung, nach der Autorität der Schrift, nach dem Verständnis der Sakramente und nach der Rolle der Kirche sind bedeutsame Themen, über die Christen unterschiedlicher Traditionen seit Jahrhunderten ringen. Doch es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir diese Fragen in einem Geist der Wahrheitssuche und der gegenseitigen Achtung diskutieren oder ob wir sie als Munition verwenden, um den anderen niederzumachen. Es macht einen Unterschied, ob wir versuchen, den anderen zu verstehen und von ihm zu lernen, oder ob wir von vornherein feststehen in unserem Urteil und nur nach Bestätigung unserer Vorurteile suchen.
Das Lästern über andere Konfessionen geschieht oft in einer Weise, die biblisch nicht zu rechtfertigen ist. Da werden Gerüchte weitergegeben, ohne sie zu prüfen. Da werden einzelne negative Beispiele verallgemeinert und auf die gesamte Konfession übertragen. Da werden historische Fehler und Verfehlungen immer wieder hervorgekramt, ohne die eigenen Fehler zu bedenken. Da wird mit Halbwahrheiten und Verzerrungen gearbeitet, um das eigene Bild zu bestätigen. Diese Art des Redens entspricht nicht der Wahrhaftigkeit, zu der Christen berufen sind. Paulus schreibt: “Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten” (Epheser 4,25). Wenn wir über andere Konfessionen sprechen, sind wir verpflichtet, dies in Wahrheit und Fairness zu tun, nicht in verleumderischer Weise.
Besonders schmerzhaft ist, wenn diese Lästerungen und Anfeindungen zwischen Konfessionen von den Kanzeln gepredigt werden oder in christlichen Medien verbreitet werden. Wenn geistliche Leiter, die eigentlich Vorbilder sein sollten, ihre Plattform nutzen, um gegen andere christliche Traditionen zu wettern, dann tragen sie eine schwere Verantwortung. Sie prägen die Haltung ihrer Gemeindeglieder, sie säen Misstrauen und Ablehnung, und sie verhindern, dass echte Begegnungen und Gespräche stattfinden können. Jesus warnt: “Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer” (Matthäus 18,6). Diese drastischen Worte gelten auch für diejenigen, die durch ihr Lästern und ihre Anfeindungen Gläubige gegen ihre Geschwister in anderen Konfessionen aufhetzen.
Die Folgen dieses konfessionellen Gegeneinanders sind verheerend. In Regionen, wo Christen eine Minderheit sind und unter Verfolgung leiden, ist es besonders tragisch, wenn sie sich untereinander bekämpfen, statt gemeinsam für ihren Glauben einzustehen. In der westlichen Welt, wo das Christentum zunehmend an Einfluss verliert, ist das Zeugnis einer zerstrittenen Christenheit ein Hindernis für das Evangelium. Menschen, die nach Wahrheit suchen, sehen die Uneinigkeit und fragen sich, wie eine Religion, deren Anhänger sich gegenseitig bekämpfen, die Wahrheit sein kann. Jesus selbst hat gebetet: “Auf dass sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast” (Johannes 17,21). Die Einheit der Christen ist also nicht nur eine interne Angelegenheit, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit des Evangeliums in der Welt.
Was können wir tun, um diesem destruktiven Muster zu entkommen? Zunächst müssen wir bereit sein, unsere eigenen Vorurteile zu hinterfragen. Viele von uns haben bestimmte Bilder von anderen Konfessionen übernommen, ohne sie jemals wirklich kennengelernt zu haben. Wir haben gehört, was andere über sie sagen, aber wir haben nicht mit ihnen gesprochen, ihre Gottesdienste besucht oder ihre theologischen Werke gelesen. Wahre Demut zeigt sich darin, dass wir bereit sind zuzugeben, dass wir vielleicht nicht alles wissen und dass unsere Sichtweise begrenzt sein könnte. Sie zeigt sich darin, dass wir bereit sind, den anderen wirklich kennenzulernen, bevor wir über ihn urteilen.
Darüber hinaus sollten wir aktiv nach Gemeinschaft mit Christen anderer Konfessionen suchen. Nicht um die Unterschiede zu verwischen oder einen faulen Kompromiss einzugehen, sondern um einander als Geschwister in Christus zu begegnen. Wenn wir gemeinsam beten, wenn wir gemeinsam in der Schrift forschen, wenn wir voneinander hören, wie der Herr in unserem Leben gewirkt hat, dann können wir die Einheit erleben, die bereits in Christus vorhanden ist. Wir werden entdecken, dass uns mehr verbindet als uns trennt, und dass die Liebe Christi stärker ist als alle konfessionellen Grenzen.
Schließlich müssen wir uns darin üben, auch bei echten Meinungsverschiedenheiten in Liebe verbunden zu bleiben. Es wird Punkte geben, in denen wir nicht übereinstimmen, und das ist in Ordnung. Wir müssen nicht in allen Lehrfragen einer Meinung sein, um einander als Geschwister anzuerkennen und zu respektieren. Paulus schreibt den Römern über solche Unterschiede: “Wie kommst du denn dazu, den Diener eines anderen zur Rechenschaft zu ziehen? Ob er mit seinem Tun bestehen kann oder nicht, geht nur seinen Herrn etwas an. Und er wird bestehen, denn sein Herr ist in der Lage, dafür zu sorgen” (Römer 14,4). Diese Haltung erlaubt uns, unsere eigene Überzeugung treu zu bleiben und gleichzeitig den anderen in seiner Überzeugung zu respektieren, solange es um Fragen geht, die nicht das Fundament des Glaubens betreffen.
Wenn wir aufhören, gegen andere Konfessionen zu lästern, wenn wir stattdessen beginnen, füreinander zu beten und einander zu dienen, dann wird etwas Wunderbares geschehen. Die Welt wird sehen, dass die Liebe Christi real ist. Die Wahrheit des Evangeliums wird in einer Weise sichtbar werden, die keine Predigt allein erreichen kann. Und wir selbst werden reicher werden, denn wir werden von der Weite und Tiefe der christlichen Tradition lernen, die sich in all ihren verschiedenen Ausdrucksformen manifestiert. Dann wird nicht das Fleisch siegen, das sich in konfessionellem Hochmut und Streitsucht zeigt, sondern der Geist der Einheit, der Liebe und der Wahrheit.
