Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Was die Christen nicht gerne hören wollen!

Beckblogger (1)

Es gehört zu den schmer­zlich­sten Erfahrun­gen im Leben, wenn Men­schen, die sich Chris­ten nen­nen, nicht Licht und Liebe ausstrahlen, son­dern Falschheit, Heuchelei, Lügen und Tratsch ver­bre­it­en. Für viele ist es ein bit­teres Erwachen: die Begeg­nung mit soge­nan­nten Gläu­bi­gen, die nicht heilen, son­dern ver­let­zen. Ger­ade in christlichen Kreisen geschieht manch­es, was Gott zutief­st miss­bil­ligt – und doch wird darüber oft geschwiegen. Viele wollen nicht hören, dass auch in ihren Rei­hen Dunkel­heit wirkt. Doch Heilung und Erneuerung begin­nen dort, wo die Wahrheit aus­ge­sprochen wird – ehrlich, mutig und in Liebe.

Die Wurzel des Problems: Eine fromme Maske

Die Bibel warnt ein­dringlich und immer wieder vor Heuchelei. Jesus selb­st nen­nt die Phar­isäer – die religiösen Führer sein­er Zeit – als war­nen­des Beispiel dafür, wie gefährlich es ist, äußer­lich fromm zu erscheinen, während das Herz fern von Gott bleibt. „Dieses Volk ehrt mich mit den Lip­pen, aber ihr Herz ist fern von mir.“ (Matthäus 15,8)

Viele nen­nen sich Chris­ten, besuchen Gottes­di­en­ste, sin­gen Lieder, posten Bibel­verse in sozialen Medi­en – und leben doch im All­t­ag oft so, als gäbe es Gott nicht. Sie richt­en andere, tratschen über deren Schwächen, lügen aus Bequem­lichkeit und begeg­nen nicht mit Liebe und Demut, son­dern mit Urteil und Stolz. Dabei ist die Kirche – die Gemein­schaft der Glauben­den – berufen, ein Ort der Wahrheit und Heilung zu sein. Doch allzu oft wird sie zum Spiegel der Selb­st­gerechtigkeit, statt zum Raum der Gnade.

Wo Liebe und Demut fehlen, wächst das Urteil: Man richtet, tratscht, lügt – und nen­nt es Glauben.

Fröm­migkeit zeigt sich oft nicht dort, wo sie wahrhaftig gelebt wird, son­dern dort, wo sie gese­hen wer­den will. Die „fromme Maske“ ist kein Zeichen des Guten, son­dern ein Schutzschild vor der eige­nen Leere – eine Rolle, gespielt, um Anerken­nung zu gewin­nen oder Schuld zu ver­mei­den. Hin­ter dieser Maske ver­birgt sich nicht sel­ten Angst: Angst, unvol­lkom­men zu sein. Angst, sich zu zeigen, wie man wirk­lich ist. Doch genau in dieser Angst liegt die Wurzel des Prob­lems. Wer Tugend nur darstellt, ohne sie zu leben, führt ein Dop­pelleben zwis­chen Schein und Sein. Wenn der Men­sch Tugend nur zur Schau trägt, ohne ihr Wesen im Herzen zu tra­gen, lebt er im Zwies­palt von Schein und Wahrheit.

Die Maske beruhigt, sie schafft Ord­nung und ern­tet Applaus – doch sie isoliert. Denn dort, wo Glaube oder Moral zum bloßen Schaus­piel wer­den, vertrock­net das innere Leben. Was bleibt, ist ein stummes Pflicht­ge­fühl, das wed­er trägt noch befre­it.

Echte bib­lis­che Fröm­migkeit – echte Integrität – begin­nt mit Ehrlichkeit gegenüber sich selb­st. Sie braucht keine Bühne, keine sorgfältig gewählten Worte, keine star­ren Rit­uale als Beweis der Rein­heit. Sie wächst im Zweifel, im Rin­gen, in der leisen Demut vor dem eige­nen Ver­sagen. Nur wer die Maske ablegt, kann sich selb­st erken­nen – und dadurch auch den anderen ver­ste­hen.

Vielle­icht sollte die Frage nicht laut­en: Wie kann ich fromm erscheinen? Son­dern vielmehr: Wovor schützt mich meine Fröm­migkeit eigentlich? Erst wenn diese Frage ehrlich beant­wortet wird, fällt die Maske – und mit ihr die Fas­sade, hin­ter der das wahre Men­sch­sein wieder zu atmen begin­nt.

Die zerstörerische Kraft der Üblen Nachrede

Nichts zer­stört Beziehun­gen und Ver­trauen schneller als das Wort, das im Geheimen weit­ergegeben wird – das Tratschen hin­ter dem Rück­en. Die Bibel warnt glasklar: „Ein lästern­der Men­sch tren­nt ver­traute Fre­unde, und der Ver­leumder macht Stre­it unter Brüdern.“ (Sprüche 16,28)

Und wie oft geschieht genau das – mit­ten unter Chris­ten! Gerede über den Pas­tor, über Gemein­demit­glieder, über „die Ehep­rob­leme von Frau X“ oder „die Schwächen von Brud­er Y“. Man nen­nt es Gebet­san­liegen – doch in Wahrheit ist es oft nichts anderes als getarnte Neugi­er und Lieblosigkeit. Wer mit dem Mund andere ver­let­zt, ver­rät den Geist Christi – jenen Geist, der uns zur Liebe und Verge­bung ruft.

Wer mit Worten ver­let­zt, statt zu heilen, stellt sich gegen den Geist Christi, der zur Liebe ruft.

Das Wort ist niemals neu­tral – es kann aufricht­en oder nieder­reißen, trösten oder ver­let­zen, Licht brin­gen oder Dunkel schaf­fen. In unseren Worten spiegelt sich, was in unserem Herzen wohnt. Wenn Bit­terkeit, Stolz oder Unbarmherzigkeit aus uns sprechen, offen­bart sich ein inneres Missver­hält­nis zwis­chen Beken­nt­nis und Leben. Denn Chris­tus hat uns nicht berufen, um mit Worten zu richt­en, son­dern um mit Liebe zu dienen.

Seine Sprache war durch­drun­gen von Gnade, Wahrheit und San­ft­mut. Er sprach den Men­schen nicht ihre Würde ab – er stellte sie wieder her. Darum zeigt sich ger­ade dort, wo wir über andere reden, wie ernst wir seine Botschaft wirk­lich nehmen. Wenn unsere Worte ver­let­zen, statt zu heilen, dann haben wir den Ruf Christi zur Liebe ver­fehlt.

Wahre Nach­folge zeigt sich darin, dass wir ler­nen, unsere Zunge zu zügeln – nicht aus Angst, son­dern aus Liebe. Manch­es Schweigen ist heiliger als ein vorschnelles Urteil. Und wenn wir reden, soll­ten unsere Worte den Geschmack der Gnade tra­gen: ehrlich, aber barmherzig; klar, aber liebevoll. So wird das, was wir sagen, nicht zur Waffe der Ver­let­zung, son­dern zum Werkzeug des Friedens. In jedem guten Wort, das aus Liebe gesprochen ist, klingt etwas vom Herzen Christi selb­st.

Falschheit im Gewand der Frömmigkeit

Viele Chris­ten leben in ein­er Illu­sion: Sie glauben, geistlich reif zu sein, weil sie Glauben­sregeln ken­nen oder religiöse Worte sprechen. Doch die Bibel set­zt eine andere Mess­lat­te. „An ihren Frücht­en werdet ihr sie erken­nen.“ (Matthäus 7,16) Fröm­migkeit ohne gelebte Liebe ist wert­los. Paulus schreibt: „Wenn ich mit Men­schen- und Engel­szun­gen rede, aber keine Liebe habe, bin ich ein tönen­des Erz und eine klin­gende Schelle.“ (1. Korinther 13,1)

Worte, Predigten, Lieder, Bibelz­i­tate – all das nützt nichts, wenn das Herz kalt bleibt. Gott sieht nicht die äußere Form, son­dern die innere Wahrheit. Er lässt sich nicht täuschen durch schöne Gesten oder wohlge­set­zte Worte. Während wir damit beschäftigt sind, ein frommes Bild zu zeigen, blickt Er in die ver­bor­ge­nen Räume unser­er Seele. Jede Heuchelei, jedes Ver­stellen wird offen­bar wer­den – denn vor Gott bleibt nichts ver­bor­gen.

Auch wenn wir die Maske der Fröm­migkeit tra­gen, erken­nt Gott, was im Ver­bor­ge­nen unseres Herzens lebt.

Wahrer Glaube entzün­det sich nicht an Laut­stärke oder Sicht­barkeit, son­dern an einem Herzen, das ehrlich sucht, das bereut und liebt. Fröm­migkeit, die sich nur in der äußeren Form zeigt, bleibt leer. Sie mag nach außen ein­drucksvoll wirken – doch sie ver­wan­delt nichts im Innern.

Gott aber sucht Wahrheit – nicht als Begriff, son­dern als Hal­tung. Wer sich Ihm mit einem offe­nen, unver­stell­ten Herzen nähert, wird eher gehört als der, der mit wohlk­lin­gen­den Phrasen Ein­druck machen will. Das, was in uns ver­bor­gen ist, wird offen­bar wer­den. Vor dem Licht Gottes kann sich kein Herz ver­ber­gen, und jede fromme Fas­sade fällt, wenn Er uns anschaut.

Darum begin­nt echter Glaube dort, wo wir aufhören, uns selb­st zu insze­nieren. Wo wir gel­ernt haben, das eigene Herz zu prüfen, da kann Gottes Liebe wieder lebendig wer­den – warm, echt und frei von Schein.

Selbsterkenntnis statt Selbstgerechtigkeit

Die Bibel ruft uns zur ehrlichen Selb­st­prü­fung auf: „Prüft euch selb­st, ob ihr im Glauben seid.“ (2. Korinther 13,5) Es ist leicht, die Fehler ander­er zu erken­nen – doch schw­er­er, das eigene Herz unter die Lupe zu nehmen. Wie schnell ver­wan­delt sich Glaube in Selb­st­gerechtigkeit, in das stille Gefühl, bess­er zu sein als andere. Doch Chris­tus kam nicht, um die Gerecht­en zu rufen, son­dern die Sün­der. Wer ver­gisst, dass er selb­st täglich Gnade braucht, macht sein Zeug­nis zur Karikatur.

Wo Glaube nicht vom Erbar­men getra­gen ist, wächst leise das Gefühl, bess­er zu sein als andere.

Wie schnell ver­wan­delt sich der Glaube in Selb­st­gerechtigkeit – in das stille Gefühl, bess­er zu sein als andere, weil man die „richti­gen“ Überzeu­gun­gen ver­tritt, die „wahren“ Worte ken­nt oder die „besseren“ Entschei­dun­gen trifft. Was einst aus dem aufrichti­gen Wun­sch ent­stand, Gott zu dienen, kann unbe­merkt zu einem Mit­tel wer­den, sich selb­st zu erhöhen.

Viel zu viele Chris­ten – und wohl jed­er von uns in Momenten der Blind­heit – ger­at­en in diese Falle. Man ver­gle­icht sich mit anderen, sucht Trost im eige­nen moralis­chen Maßstab und ver­liert dabei die Demut, aus der echter Glaube lebt. Selb­st­gerechtigkeit ist trügerisch: Sie verklei­det sich als Eifer, als Treue zum Wort, als Vertei­di­gung der Wahrheit. Doch in Wirk­lichkeit tren­nt sie von der Wahrheit, weil sie das Herz ver­härtet.

Christliche Nach­folge begin­nt dort, wo der Men­sch erken­nt, dass er nichts vorzuweisen hat außer Gnade. „Gott, sei mir Sün­der gnädig“ (Lukas 18,13) – dieser Satz stammt von einem Zöll­ner im Gle­ich­nis Jesu, der seine Schuld vor Gott beken­nt. Wer sich sein­er eige­nen Bedürftigkeit bewusst bleibt, kann nicht auf andere her­ab­schauen. Nur der, der weiß, wie sehr er selb­st Verge­bung braucht, kann barmherzig sein. Wer seinen Glauben zur Selb­stüber­höhung nutzt, hat vergessen, dass Chris­tus allein aus Gnade ret­tet.

Darum zeigt sich wahrer Glaube nicht in moralis­ch­er Über­legen­heit, son­dern in San­ft­mut. Er urteilt nicht, son­dern trägt. Er sucht nicht die Fehler, son­dern Wege der Ver­söh­nung. Und vielle­icht liegt ger­ade darin die tief­ste Form der Chris­tus­nach­folge – in der Demut, sich selb­st loszu­lassen und die Liebe größer wer­den zu lassen als den eige­nen Stolz.

Die Kraft der Wahrheit und Aufrichtigkeit

Gott liebt keine from­men Fas­saden. Er sucht Herzen, die ehrlich sind – selb­st wenn sie schwach, zweifel­nd oder gescheit­ert sind. Ein wahrhaftiger Christ ist kein fehler­los­er Men­sch, son­dern jemand, der seine Schuld vor Gott beken­nt und in Demut lebt. „Wer seine Sün­den ver­heim­licht, dem geht es nicht gut. Doch wer sie beken­nt und von ihnen lässt, über den erbarmt sich Gott.“ (Sprüche 28,13)

Wahre Glaub­würdigkeit begin­nt dort, wo Men­schen ihre Maske fall­en lassen. Wo Chris­ten ler­nen zu sagen: „Ich habe mich geir­rt. Ich habe gel­o­gen. Ich habe jeman­den ver­let­zt. Ich habe Unrecht getan. Ich habe gesündigt.“ – dort begin­nt Heilung. Für sie selb­st und für die, die sie ver­let­zt haben.

Wer den Mut hat, seine Schuld zu beken­nen, zeigt mehr geistliche Reife als der, der sich hin­ter Fröm­migkeit ver­steckt.

Gott sucht nicht die per­fek­ten Worte oder ein makel­los­es Auftreten, son­dern Wahrheit – jene stille, unschein­bare Echtheit, die aus einem demüti­gen Herzen kommt. Wo der Men­sch sich hin­ter religiös­er Fas­sade ver­birgt, ver­liert der Glaube seine Leben­skraft. Äußere For­men mögen beein­druck­en, doch sie berühren Gott nicht, wenn das Herz kalt bleibt. Wenn Fröm­migkeit zur Fas­sade wird, ver­liert sie ihre Kraft – denn Gott sieht das Herz, nicht den Auftritt.

Manche Men­schlichkeit geht ver­loren, wenn Glaube zum Schaus­piel wird. Man betet, um gese­hen zu wer­den; man spricht von Liebe, aber trägt keinen Frieden im Herzen. Doch Gott durch­schaut jedes Spiel. Sein Blick geht durch die Schicht­en der Worte und Gesten hin­durch bis auf den Grund der Seele. Was ver­bor­gen scheint, ist vor Ihm längst offen­bar. Auch wenn wir uns fromm insze­nieren, erken­nt Gott, ob unser Herz wirk­lich bei Ihm ist. Er liebt den, der ehrlich ist – nicht trotz sein­er Schwäche, son­dern ger­ade darin. Denn Gott hat nie nach makel­los­er Fas­sade gesucht, son­dern nach aufrichtiger Hingabe. Die Maske mag Men­schen beein­druck­en, aber Gott sucht das ungeschmink­te Herz.

Gott ehrt nicht die Maske der Fröm­migkeit, son­dern das Herz, das sich in Wahrheit beugt.

Darum ist es bess­er, vor Ihm unvol­lkom­men, aber echt zu ste­hen, als makel­los zu wirken und inner­lich leer zu sein. Wo die Maske fällt, kann Gnade begin­nen – und dort, wo Wahrheit wohnt, wird Gott wirk­lich ange­betet. Echter Glaube begin­nt nicht mit Per­fek­tion, son­dern mit der Demut, sich selb­st loszu­lassen.

Wahre Gnade erkennt sich selbst

Wahre Demut wiegt vor Gott mehr als religiöse Rou­tine – denn… Gott liebt den größten Sün­der mehr, der seine Sünde erken­nt, als jenen, der mit der Bibel ins Bett geht und meint, gerecht zu sein.

Denn Gott sieht nicht auf äußere Rit­uale, son­dern auf das Herz, das sich nach Wahrheit sehnt. Wer seine Schuld erken­nt und sie beken­nt, öffnet sich der Gnade. Doch wer sich in sein­er eige­nen Fröm­migkeit selb­st genügt, ver­schließt die Tür zu dieser Gnade. Selb­sterken­nt­nis ist der Anfang jedes echt­en Glaubens. Der Sün­der, der zer­brochen vor Gott ste­ht, ist Ihm näher als der, der meint, nichts mehr nötig zu haben. In der Armut des Herzens liegt der Raum, in dem Gott wirken kann. Wo Stolz und Selb­st­gerechtigkeit das Herz füllen, bleibt kein Platz für Liebe und Erbar­men.

Gott sucht nicht Per­fek­tion, son­dern Wahrheit. Er will nicht, dass wir tadel­los erscheinen, son­dern dass wir ehrlich sind – mit all unser­er Schwäche, unseren Schat­ten und unserem Bedürf­nis nach Verge­bung. Glaube wächst nicht aus makel­los­er Leis­tung, son­dern aus der Erfahrung, trotz allem geliebt zu sein. Darum ist aufrichtige Umkehr wertvoller als das stolze Zur-Schau-Stellen von Fröm­migkeit. Der Sün­der, der niederkni­et, ist dem Him­mel oft näher als der Fromme, der sich über andere erhebt. Wer seine Armut vor Gott beken­nt, wird reich an Gnade.

Ein Ruf zur Umkehr

Die Zeit­en wer­den dun­kler, und die Welt beobachtet die Chris­ten mehr denn je. Was sie sieht, soll ein Zeug­nis der Liebe und Aufrichtigkeit sein – nicht der Dop­pelzüngigkeit. Wenn der Leib Christi wieder glaub­würdig wer­den soll, muss er sich zuerst in Demut reini­gen. „Denn das ist immer eine Zeit zum Beginn des Gerichts an Gottes Fam­i­lie. Wenn aber zuerst bei uns, was wird dann das Ende bei denen sein, die nichts von Gottes guter Botschaft wis­sen wollen?“ (1. Petrus 4,17)

Dieser Vers ist eine ern­ste Mah­nung: Gott prüft zuerst sein eigenes Volk – seine Gemeinde, seine Kirche, seine Kinder. Nicht, um zu ver­dammen, son­dern um zu reini­gen. Das Gericht Gottes ist kein Aus­druck kalter Strenge, son­dern ein Akt der Wahrheit. Es offen­bart, was echt ist – und was nur Fas­sade. Bevor Gott über die Welt richtet, schaut Er in das Haus, das seinen Namen trägt.

Viele fürcht­en dieses Gericht, doch in Wahrheit ist es ein Zeichen der Liebe. Gott züchtigt, um zu läutern – nicht um zu zer­stören oder zu ver­dammen. Wo Men­schen sich auf äußere Fröm­migkeit ver­lassen, deckt Er die ver­bor­ge­nen Motive auf. Wo Selb­st­gerechtigkeit gewach­sen ist, bricht Er sie nieder, damit Raum entste­ht für Demut, Gnade und Erneuerung.

Das Gericht im Hause Gottes begin­nt dort, wo Herzen still wer­den – wo der Men­sch aufhört, sich zu recht­fer­ti­gen, und anfängt, sich prüfen zu lassen. Es ruft uns, echte Nach­fol­ger Christi zu sein, nicht bloße Bewahrer religiös­er For­men. Die Stunde des Gerichts ist die Stunde der Wahrheit: Alles wird offen­bar – nicht, um uns zu beschä­men, son­dern um uns zurück­zuführen zu einem lebendi­gen Glauben, der nicht spielt, son­dern liebt. Bevor Gott durch uns in der Welt wirken kann, prüft Er unser Herz – denn Heiligkeit begin­nt im Ver­bor­ge­nen, nicht im öffentlichen Bild.

Denn bevor Gott durch uns in der Welt wirken kann, muss Er in uns wirken. Das Gericht, das jet­zt begin­nt, ist eine schöpferische Reini­gung – ein Werk der Gnade, durch das Er sein Haus wieder zu einem Ort macht, an dem Sein Geist wirk­lich wohnt. Gott will seine Gemeinde rein und aufrichtig sehen. Er sucht Chris­ten, die ihre Mit­men­schen nicht mit Worten ver­let­zen, son­dern mit Liebe erbauen.

Die Wahrheit befreit

Christ­sein ist keine Fas­sade, kein Label und keine Bühne. Es ist ein Ruf zur Wahrheit – auch dann, wenn sie schmerzt. Wer sich „Christ“ nen­nt, ist berufen, im Licht zu leben, nicht im Schat­ten der Heuchelei. Chris­tus ruft uns nicht in eine Reli­gion der Masken, son­dern in eine Gemein­schaft der Wahrheit. „Ihr werdet die Wahrheit erken­nen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8, 32)

Diese Frei­heit ist kein beque­mer Zus­tand – sie fordert uns her­aus. Denn im Licht zu leben bedeutet, nichts mehr ver­ber­gen zu kön­nen, keine Fas­sade mehr aufzubauen, kein frommes Spiel mehr zu spie­len. Doch ger­ade darin liegt die echte Frei­heit: die Frei­heit, sich selb­st zu ken­nen und den­noch geliebt zu wis­sen. Die Frei­heit, Schwäche zuzu­lassen – ohne Scham. Die Frei­heit, aufzuhören, Gott etwas vorzu­machen, und ein­fach ehrlich zu sein – vor Ihm und vor den Men­schen.

Wer das Licht Christi beken­nt, aber im Schat­ten der Heuchelei lebt, ver­rät mehr durch sein Leben als durch seine Worte.

Das Licht Christi deckt nicht bloß auf, es heilt. Es bren­nt nicht zer­störend, son­dern reini­gend. Wer sich diesem Licht öffnet, erfährt, dass Wahrheit und Liebe untrennbar sind. Wahrheit ohne Liebe wird hart – Liebe ohne Wahrheit wird leer. Doch wo bei­des zusam­menkommt, entste­ht Leben in Fülle. Christ­sein bedeutet darum, durch­sichtig zu wer­den – nicht per­fekt, son­dern echt. Wer so lebt, trägt das Licht Christi glaub­würdig in die Welt. Und dieses Licht ist stärk­er als jede fromme Fas­sade, stärk­er als die Angst, ent­larvt zu wer­den. Es ist das Licht, das jedes Dunkel besiegt.

Das gelebte Evangelium

Die größte Predigt ist nicht das gesproch­ene Wort, son­dern das gelebte Leben. Worte kön­nen beein­druck­en – doch nur ein authen­tis­ches Leben überzeugt. Heuchelei macht die Botschaft des Evan­geli­ums unglaub­würdig; sie erstickt das Licht des Glaubens unter dem Gewicht des Scheins.

Wer mit Worten von Liebe spricht, aber im All­t­ag Härte lebt, ver­rät das Evan­geli­um, das er verkün­det. Denn ein Glaube, der nicht im Leben sicht­bar wird, bleibt hohl – und ver­liert seine Kraft. Aufrichtigkeit dage­gen öffnet Herzen. Sie lässt sicht­bar wer­den, was viele nur hören: die wahre Kraft Gottes. Ein Leben in Wahrheit predigt lauter als jede Kanzel.

Wer das Evan­geli­um verkün­det, aber nicht lebt, macht sich selb­st zur Wider­legung sein­er Botschaft.

„Seid Täter des Wortes und nicht nur Hör­er.“ (Jakobus 1,22) – dieser Aufruf erin­nert uns daran, dass Glaube mehr ist als Zus­tim­mung zu ein­er Lehre. Er ist ein Lebensstil, geprägt von Barmherzigkeit, Demut und Wahrheit. Worte über die Liebe Gottes ver­lieren ihren Glanz, wenn sie nicht durch unser Han­deln bestätigt wer­den. Aber wo Güte, Geduld und Verge­bung Gestalt annehmen, dort wird das Evan­geli­um lebendig. Das gelebte Leben ist die Sprache, die alle ver­ste­hen. Es berührt mehr als jede Predigt, weil es sicht­bar macht, was son­st unsicht­bar bliebe.

Wer ehrlich lebt, predigt – oft ohne ein Wort zu sagen. Doch wer nur redet, ohne zu han­deln, macht das Evan­geli­um unglaub­würdig. Ein Glaube, der nicht gelebt wird, wird gehört – aber nicht geglaubt. Darum begin­nt wahre Verkündi­gung im Ver­bor­ge­nen: im All­t­ag, wo nie­mand zuschaut; in der stillen Entschei­dung, recht zu han­deln, auch wenn es nie­mand merkt. So wird das Herz selb­st zur Kanzel – und unser Leben zum Zeug­nis jen­er Liebe, die Worte allein nie vol­lkom­men aus­drück­en kön­nen.