Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Straft Gott heute noch? Gericht, Gnade und Gottes liebevolle Erziehung!

Beckblogger (4)

Viele Men­schen tra­gen die stille Frage in sich, ob Gott sie heute noch straft. Und oft hängt an dieser Frage weit mehr als ein einzel­ner Gedanke: ein bes­timmtes Gottes­bild, eine innere Erwartung, manch­mal auch Angst. Wer durch schwere Zeit­en geht, sucht nach ein­er Deu­tung. Wer Schuld empfind­et, sucht nach einem Ausweg. Ger­ade deshalb ist es so wichtig, sorgfältig zu unter­schei­den, was die Bibel unter „Strafe“ ver­ste­ht – und was sie unter Gottes Han­deln an seinen Kindern beschreibt. Die Heilige Schrift bezeugt klar, dass Gott gerecht ist und das Böse nicht über­sieht. Eben­so klar bezeugt sie aber, dass für den, der in Chris­tus ist, die ver­dammende Strafe nicht mehr gilt, weil Chris­tus sie voll­ständig getra­gen hat. Wenn diese bei­den Lin­ien nicht sauber auseinan­derge­hal­ten wer­den, entste­ht ein verz­er­rtes Gottes­bild: entwed­er ein Gott, dessen Gerechtigkeit ver­wässert wird, oder ein Gott, dessen Vater­liebe ver­dunkelt erscheint. Bei­des entspricht nicht dem bib­lis­chen Zeug­nis. Nur wer Gerechtigkeit und Gnade zusam­men sieht, erken­nt Gottes Herz so, wie die Heilige Schrift es offen­bart.

Zuerst muss gesagt wer­den, dass die Bibel ein endgültiges Gericht ken­nt. Gott ist nicht gle­ichgültig gegenüber dem Bösen, und er wird das Unrecht nicht für immer ste­hen lassen. Dieses Gericht ist wed­er ein bloßes inneres Gefühl noch eine unper­sön­liche Wel­tord­nung, son­dern Gottes bewusstes, gerecht­es Han­deln als Richter.

Paulus schreibt, dass Men­schen sich durch Unbußfer­tigkeit „Zorn ansam­meln für den Tag des Zorns“, an dem Gottes gerecht­es Gericht offen­bar wird. Und er fügt hinzu, dass Gott „einem jeden vergel­ten wird nach seinen Werken“ (Römer 2,5–6). In Apos­telgeschichte 17,31 wird es noch deut­lich­er: “Er hat näm­lich einen Tag fest­ge­set­zt, an dem er über die ganze Men­schheit Gericht hal­ten und ein gerecht­es Urteil sprechen wird. Und zum Richter hat er einen Mann bes­timmt, den er für alle dadurch beglaubigte, dass er ihn von den Toten aufer­weckt hat.“ Das Gericht ist also untrennbar mit der Aufer­ste­hung Jesu ver­bun­den. Gott bleibt der Richter, und Jesus ist der von Gott einge­set­zte Richter. Auch Hebräer 10,30–31 spricht mit ern­ster Klarheit: „Mir gehört die Rache, ich will vergel­ten“ – und weit­er: „Es ist schreck­lich, in die Hände des lebendi­gen Gottes zu fall­en.“ Diese Aus­sagen sprechen vom Gericht, das Men­schen erwartet, die ihre Sünde nicht bereuen und Gottes Ein­ladung zur Umkehr dauer­haft zurück­weisen.

Ger­ade weil es dieses Gericht gibt, leuchtet die Botschaft des Evan­geli­ums umso heller. Denn das Evan­geli­um redet das Böse nicht klein, es verkün­det, dass Gott selb­st es trägt und besiegt. Darum ist der zweite Punkt entschei­dend: Wer in Chris­tus ist, ste­ht nicht mehr unter vergel­tender Strafe. Das ist keine weiche Mei­n­ung, son­dern der Kern des Neuen Tes­ta­ments. Paulus sagt es Römer 8,1 knapp und kraftvoll: „ So gibt es nun keine Ver­damm­nis für die, die in Chris­tus Jesus sind.“ Ver­damm­nis meint hier nicht ein bedrück­tes Gewis­sen, son­dern ein endgültiges Urteil. Dieses Gericht trifft den Glauben­den nicht mehr, weil Chris­tus es an sein­er Stelle getra­gen hat. Jesus selb­st bekräftigt das in Johannes 5,24: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, son­dern er ist vom Tode zum Leben hin­durchge­drun­gen.“ Diese Zusage hängt nicht an unser­er Tages­form, son­dern an Chris­tus und an dem Glauben an ihn.

Darum ist der Gedanke, Gott müsse seine Kinder noch durch vergel­tende Schläge bezahlen lassen, nicht nur seel­sorg­er­lich zer­störend – er wider­spricht dem Wesen des Kreuzes. Wenn Chris­tus die Strafe trägt, dann ist diese Strafe getra­gen und endgültig bezahlt. Gott fordert nicht dop­pelt. Er rech­net nicht zuerst mit Chris­tus ab und dann noch ein­mal mit dem, den Chris­tus erlöst hat.

Auch 1. Johannes 4,18 trifft hier einen empfind­lichen Punkt: “Furcht ist nicht in der Liebe, son­dern die vol­lkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rech­net mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vol­lkom­men in der Liebe.” Wer sich ständig fragt, ob jedes Leid eine Strafe Gottes sei, lebt leicht in ein­er Form von Furcht, die das Herz eng macht und die Liebe Gottes nur noch als Gefahr wahrn­immt. Johannes verbindet Furcht aus­drück­lich mit dem Rech­nen mit Strafe. Wo ein Men­sch gel­ernt hat, Gottes Liebe in Chris­tus als tra­gen­den Grund zu sehen, muss diese Art von Furcht weichen. Das bedeutet nicht, dass ein Christ nie Ehrfurcht hat. Ehrfurcht bleibt, denn Gott ist heilig. Ehrfurcht ist nicht das­selbe wie die Angst vor Gottes Vergel­tung. Ehrfurcht führt den Men­schen zu Gott hin; die Erwartung von Strafe stößt ihn von Gott weg.

Damit ist aber noch nicht alles gesagt, denn die Bibel spricht sehr wohl davon, dass Gott seine Kinder erzieht. Erziehung ist nicht Vergel­tung, son­dern Liebe, die formt. Hebräer 12,5–6 erin­nert uns daran: „Mein Sohn, achte nicht ger­ing die Züch­ti­gung des Her­rn und verzage nicht, wenn du von ihm zurecht­gewiesen wirst. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt.“

Der Zusam­men­hang macht deut­lich, dass hier das Bild eines Vaters vor Augen ste­ht, der sein Kind nicht ein­fach laufen lässt, wenn es auf einen Weg zus­teuert, der ihm schadet. Es geht nicht um Strafe im Sinne von Vergel­tung, son­dern um Zurechtweisung, um Train­ing, um ein Ler­nen, das manch­mal weh tut, weil es uns von alten Mustern löst. Gott erzieht nicht, um Dampf abzu­lassen oder seinen Ärg­er loszuw­er­den. Er erzieht, um zu heilen, zu bewahren und zu stärken.

Offen­barung 3,19 drückt das­selbe aus: „Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!“ Das Ziel ist nicht, dass der Men­sch sich klein­er oder wert­los fühlt, son­dern dass er umkehrt und neu lebt. Darum ste­ht im sel­ben Vers auch der Ruf zur Umkehr. Gottes Zurechtweisung ist also immer mit sein­er Liebe ver­bun­den. Sie dient dazu, uns zurück ins Licht zu führen – dor­thin, wo Leben, Frei­heit und Nähe zu ihm zu find­en sind.

Hier ist eine nüchterne Sprache nötig, weil viele diese Aus­sage leicht missver­ste­hen. Erziehung kann harte Fol­gen ein­schließen – denn Sünde hat Fol­gen. Wer lügt, zer­stört Ver­trauen. Wer im Unrecht lebt, ern­tet Unfrieden. Wer sich an Gier bindet, wird inner­lich leer. Ein Teil dieser Fol­gen entste­ht ganz natür­lich aus der Tat selb­st. Ein ander­er Teil kann Gottes Han­deln sein: wenn er einen Men­schen stoppt, ihn an Gren­zen führt oder ihn über­führt. Doch selb­st dann han­delt es sich nicht um Vergel­tung, son­dern um Heilung. Manch­mal nimmt Gott einem Chris­ten Dinge weg, auf die er sich zu sehr ver­lassen hat; Dinge, die ihm wichtiger gewor­den sind als Gott selb­st. Manch­mal lässt er Wege scheit­ern, die in die Irre führen. Manch­mal deckt er etwas auf, das ver­bor­gen war, damit es ans Licht kommt und gere­inigt wer­den kann. Das tut weh – aber dieser Schmerz ist nicht der­selbe wie Strafe. Es ist ein Schmerz wie beim Arzt, der krankes Gewebe ent­fer­nt, um das Leben zu ret­ten.

Gle­ichzeit­ig warnt die Bibel aus­drück­lich davor, Leid automa­tisch als Strafe zu deuten. Jesus wider­spricht dieser schnellen Deu­tung, die so men­schlich ist und doch so gefährlich. In Johannes 9,1–3 begeg­net Jesus einem Mann, der von Geburt an blind war: “Im Vor­beige­hen sah Jesus einen Mann, der von Geburt blind war. Die Jünger fragten Jesus: »Rab­bi, wer ist schuld, dass er blind geboren wurde? Wer hat hier gesündigt, er selb­st oder seine Eltern?« Jesus antwortete: »Wed­er er ist schuld noch seine Eltern. Er ist blind, damit Gottes Macht an ihm sicht­bar wird.”

Jesus durch­bricht die ein­fache Vorstel­lung, jedes Leid sei eine direk­te Strafe Gottes. Er bestre­it­et wed­er, dass es Sünde gibt, noch dass Gott heilen und han­deln kann. Aber er tren­nt Leid von vorschnellen Schuldzuweisun­gen. Das zeigt er auch in Lukas 13,1–5: “Um diese Zeit kamen einige Leute zu Jesus und erzählten ihm von den Män­nern aus Galiläa, die Pila­tus töten ließ, als sie ger­ade im Tem­pel Opfer dar­bracht­en; ihr Blut ver­mis­chte sich mit dem Blut ihrer Opfertiere. Jesus sagte zu ihnen: »Meint ihr etwa, dass sie einen so schreck­lichen Tod fan­den, weil sie schlim­mere Sün­der waren als die anderen Leute in Galiläa? Nein, ich sage euch: Wenn ihr euch nicht ändert, werdet ihr alle genau­so umkom­men! Oder denkt an die achtzehn, die der Turm am Teich Schiloach unter sich begrub! Meint ihr, dass sie schlechter waren als die übri­gen Ein­wohn­er Jerusalems? Nein, ich sage euch: Ihr werdet alle genau­so umkom­men, wenn ihr euch nicht ändert!«”

Jesus fragt, ob diese Opfer schuldiger gewe­sen seien als andere – und er sagt klar, dass das nicht stimmt. Leid trifft nicht nur die beson­ders Schuldigen. Die Welt ist zer­brochen, und in dieser Zer­brochen­heit geschieht vieles, das nicht als unmit­tel­bare Strafe Gottes gedeutet wer­den darf. Wer Leid den­noch so erk­lärt, legt den Betrof­fe­nen eine Last auf, die Jesus ihnen ger­ade abn­immt.

Was wir – auch als Chris­ten – ver­ste­hen müssen: Leid gehört zu diesem Leben. Wir leben in ein­er gefal­l­enen, sündi­gen Welt, in der Zer­bruch, Krankheit und Unglück Teil der Real­ität sind. Nicht jedes Leid ist eine direk­te Antwort Gottes. Wer jedes Ereig­nis vorschnell als Strafe deutet und damit über andere richtet, miss­braucht Gottes Wort – und ver­fehlt Gottes Wesen. Denn so macht man Gott zum Urhe­ber jed­er Härte und legt Men­schen eine Schuld auf, die Gott ihnen nicht zuschreibt.

Das führt zu ein­er wichti­gen seel­sorg­er­lichen Hal­tung. Wenn ein Men­sch Leid erlebt, ist die erste Auf­gabe nicht, eine Ursache zu suchen, son­dern ihm beizuste­hen, zu trösten, zu beten und die Nähe Gottes zu bezeu­gen. Gott kann im Leid reden, ja. Er kann im Leid prüfen, ja. Er kann im Leid zur Umkehr rufen, ja. Aber der Men­sch ist nicht berufen, jedes Ereig­nis wie einen geheimen Strafzettel zu lesen. Oft führt das in Angst, in falsche Schuldge­füh­le oder in ein mis­strauis­ches Ver­hält­nis zu Gott. Darum ist es bess­er, im Leid zuerst die Psalmen zu ler­nen, die Gott die Klage hin­hal­ten und trotz­dem an ihm fes­thal­ten. Psalm 23,4 sagt: “Und ob ich schon wan­derte im fin­steren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Steck­en und Stab trösten mich.” Hier wird nicht geleugnet, dass es fin­stere Täler gibt. Aber das Zen­trum ist Gottes Gegen­wart und sein Trost. Der Hirte führt und schützt. Er schlägt nicht aus Willkür, son­dern er bewahrt das Leben sein­er Schafe.

Wenn man alles zusam­men­fasst, entste­ht ein Bild, das zugle­ich ernst und tröstlich ist. Gott richtet das Böse, und es wird einen Tag geben, an dem er die Welt in vol­lkommen­er Gerechtigkeit richtet. Nie­mand, der die Wahrheit ablehnt und das Unrecht liebt, wird diesem Gericht entkom­men. Doch wer Chris­tus ver­traut, ist bere­its „vom Tod zum Leben hin­durchge­drun­gen“ und kommt nicht ins Gericht. Die vergel­tende Strafe ist am Kreuz geschehen und voll­bracht! Jesus hat sie getra­gen, und der Vater hat das Opfer des Sohnes voll­ständig angenom­men. Darum lebt der Christ nicht unter Dro­hung, son­dern unter Gnade. Diese Gnade macht jedoch nicht gle­ichgültig. Der Vater erzieht seine Kinder. Er formt ihren Charak­ter, deckt Sünde auf, ruft zur Umkehr und führt in Heili­gung. Diese Erziehung kann schmerzhaft sein, aber sie dient immer dem Leben. Sie ist nicht Gottes Abrech­nung, son­dern Gottes ret­ten­des Han­deln – ein Wirken, das heilt, bewahrt und erneuert.

Wer das ver­ste­ht, kann auch neu beten. Er kann in Zeit­en von Schuld nicht mehr in Panik fliehen, son­dern er kann beken­nen, weil er weiß, dass Gott vergibt. 1. Johannes 1,9 sagt: “Wenn wir unsere Sün­den beken­nen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sün­den vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.” Gottes Treue und Gottes Gerechtigkeit ste­hen nicht im Wider­spruch zur Verge­bung – sie sind ihre Grund­lage. Gott vergibt nicht, weil ihm Sünde gle­ichgültig wäre, son­dern weil er in Chris­tus die recht­mäßige Grund­lage geschaf­fen hat, wirk­lich vergeben zu kön­nen. Seine Verge­bung ist nicht bil­lig, son­dern getra­gen vom Kreuz. Wer in schw­eren Umstän­den steckt, darf Gott um Weisheit bit­ten: Weisheit, zu unter­schei­den, was ein­fach zum Leben in ein­er gefal­l­enen Welt gehört, was die Folge eigen­er Entschei­dun­gen ist und wo Gott tat­säch­lich etwas kor­rigiert oder zurechtweist. Eine solche Bitte ist ein Zeichen von Reife und Demut. Jakobus 1,5 macht Mut: „Wenn es aber jeman­dem unter euch an Weisheit man­gelt, so bitte er Gott, der jed­er­mann gern und ohne Vor­wurf gibt; so wird sie ihm gegeben wer­den.“ Gott gibt gern – und er gibt ohne Vor­wurf.

Am Ende entste­ht kein weich­es und auch kein hartes Gottes­bild, son­dern ein bib­lis­ches. Gott ist heilig und gerecht. Er ist zugle­ich Vater und Ret­ter. Er richtet das Böse im let­zten Gericht – und er trägt die Strafe für Sün­der im Sohn, damit sie frei wer­den. Seine Kinder aber erzieht er. Nicht, um sie zu zer­brechen, son­dern um sie zu stärken und aufzubauen. Und er ver­bi­etet uns, das Leid ander­er vorschnell als Urteil Gottes zu deuten. Wer so glaubt, kann klar denken und zugle­ich zur Ruhe kom­men. Denn er weiß: Gottes Ziel ist nicht Vergel­tung an seinen Kindern, son­dern Heil, Wahrheit und ein Leben, das im Licht wächst.

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