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"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Jesus war kein Christ! Jesus war Jude!

Beckblogger (8)

Jesus der Jude: Ein mahnender Blick auf Geschichte, Glauben und Verantwortung

Die Gestalt Jesu von Nazareth ist zen­tral für den christlichen Glauben. Doch in der Geschichte und bis in die heutige Zeit gibt es immer wieder Ver­suche, Jesus von sein­er jüdis­chen Iden­tität zu tren­nen. Diese Ver­suche sind nicht nur the­ol­o­gisch falsch, son­dern bergen auch gefährliche Kon­se­quen­zen, die sich in der Geschichte gezeigt haben und bis heute spür­bar sind. Jesus war Jude, er lebte als Jude, er betete wie ein Jude, und er ver­stand sich vol­lkom­men in den Tra­di­tio­nen und der Offen­barung des Juden­tums. Wer Jesus das Jüdis­che abspricht oder leugnet, spielt mit Feuer – geistlich und his­torisch.

In diesem Artikel wollen wir uns mit der jüdis­chen Iden­tität Jesu, der Bedeu­tung des Alten Tes­ta­ments für die christliche The­olo­gie und den gefährlichen Miss­bräuchen von Gottes Wort für poli­tis­che Agen­den auseinan­der­set­zen. Möge dieser Text uns als Ermah­nung dienen, Gott und sein Wort in Wahrheit zu ehren, ohne es für men­schliche Zwecke zu verz­er­ren.

1. Jesus der Jude: Seine Herkunft und sein Leben

Um Jesus und seine Botschaft zu ver­ste­hen, dür­fen wir nicht außer Acht lassen, dass er ein Jude war. Er wurde in eine jüdis­che Fam­i­lie geboren, lebte nach den jüdis­chen Geboten und Tra­di­tio­nen und ver­stand sich selb­st als Teil des erwählten Volkes Gottes. Seine gesamte Lehre und sein Han­deln sind tief in der jüdis­chen Heili­gen Schrift, dem Alten Tes­ta­ment, ver­wurzelt.

Zugle­ich aber sprengt Jesus den engen Rah­men eines rein eth­nis­chen oder kul­turellen Ver­ständ­niss­es des Juden­tums. Er erfüllt die Ver­heißun­gen Israels, indem er sie auf ihre eigentliche Tiefe zurück­führt: auf die Herrschaft Gottes, die alle Men­schen ruft. Seine Worte und Tat­en ste­hen nie im Wider­spruch zur Tora, son­dern enthüllen ihren inner­sten Sinn. Wenn er lehrt, tut er es als jüdis­ch­er Rab­bi; wenn er heilt, han­delt er als der ver­heißene Mes­sias; wenn er ruft: „Folge mir nach“, spricht er mit der Autorität dessen, der die Schrift nicht nur ken­nt, son­dern in sich selb­st erfüllt. Wer Jesus ver­ste­hen will, muss daher sowohl seine jüdis­che Ver­wurzelung ernst nehmen als auch die einzi­gar­tige Voll­macht, mit der er die Geschichte Israels zu ihrem Ziel führt.

Schon bei sein­er Geburt wird deut­lich, dass Jesus in das jüdis­che Volk hineinge­boren wurde. In Lukas 2,21 lesen wir: “Und als acht Tage vol­len­det waren, dass man ihn beschnei­den sollte, da wurde sein Name Jesus genan­nt, der von dem Engel genan­nt wor­den war, ehe er im Mut­ter­leib emp­fan­gen wurde.” Jesus wurde gemäß dem Gesetz Mose beschnit­ten – ein klares Zeichen sein­er Zuge­hörigkeit zum jüdis­chen Volk und sein­er Treue zum Bund Gottes.

Auch die weit­eren Ereignisse sein­er frühen Kind­heit bestäti­gen diese tiefe Ver­wurzelung im jüdis­chen Glauben. Maria und Josef brin­gen Jesus nach Jerusalem, „um ihn dem Her­rn darzustellen“, wie es im Gesetz vorgeschrieben war. Sie brin­gen das Opfer dar, das für ein­fache Leute vorge­se­hen ist — ein Hin­weis darauf, dass der Mes­sias nicht in Reich­tum, son­dern in die schlichte Fröm­migkeit Israels hinein geboren wurde. Alles geschieht „nach dem Gesetz des Her­rn“: die Beschnei­dung, die Reini­gung, die Darstel­lung im Tem­pel. Damit wird sicht­bar, dass Jesus nicht außer­halb der Geschichte Israels erscheint, son­dern mit­ten in ihr. Er kommt nicht als Fremder, son­dern als der ver­heißene Sohn Davids, der die Geschichte des Bun­des von innen her erfüllt und zu ihrem Ziel führt.

Auch sein gesamtes Leben lang hielt sich Jesus an die jüdis­chen Gebote. Er feierte die jüdis­chen Feste, lehrte in den Syn­a­gogen und betonte die Wichtigkeit des Geset­zes. In Matthäus 5,17 sagt er: “Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekom­men bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekom­men aufzulösen, son­dern zu erfüllen.” Jesus sah sich nicht als jeman­den, der das Juden­tum ver­lassen oder erset­zen wollte, son­dern als die Erfül­lung der Ver­heißun­gen, die Gott seinem Volk gegeben hat­te.

Ger­ade in dieser Treue zum Gesetz wird sicht­bar, dass Jesu Ver­hält­nis zur Tora nicht äußer­lich, son­dern zutief­st inner­lich war. Er lebte die Gebote nicht als Last, son­dern als Aus­druck des Wil­lens seines Vaters. Wenn er das Gesetz auslegt, dann nicht, um es zu rel­a­tivieren, son­dern um es zu seinem ursprünglichen Sinn zurück­zuführen: zur Liebe zu Gott und zum Näch­sten. Seine Kri­tik richtet sich nie gegen die Tora selb­st, son­dern gegen men­schliche Tra­di­tio­nen, die den Zugang zum lebendi­gen Gott ver­stellen. So zeigt Jesus, dass wahre Geset­zestreue nicht in äußer­lich­er Erfül­lung beste­ht, son­dern in einem Herzen, das Gott gehört. In ihm begeg­net uns der, der das Gesetz vol­lkom­men erfüllt und ger­ade dadurch offen­bart, dass er der ver­heißene Mes­sias Israels ist

2. Das Alte Testament: Fundament des Glaubens und Schlüssel zu Jesu Botschaft

Es gibt keinen Jesus ohne das Alte Tes­ta­ment. Wer ver­sucht, das Neue Tes­ta­ment vom Alten Tes­ta­ment zu tren­nen, missver­ste­ht die Bibel und ver­fälscht die Botschaft Jesu. Das Alte Tes­ta­ment ist nicht nur eine Samm­lung von Geschicht­en oder Geset­zen, son­dern die Grund­lage der gesamten Heils­geschichte, die in Jesus Chris­tus ihre Erfül­lung find­et.

Das Neue Tes­ta­ment set­zt das Alte nicht außer Kraft, son­dern ent­fal­tet dessen tief­ste Lin­ie: Gottes treues Han­deln mit seinem Volk, das auf den Mes­sias hin­führt. Ohne die Ver­heißun­gen an Abra­ham, ohne den Bund am Sinai, ohne die Propheten, die das Kom­men des Ret­ters ankündi­gen, bleibt das Evan­geli­um unver­ständlich. Jesus selb­st liest sein Leben im Licht dieser Schriften; er zitiert sie, erfüllt sie und öffnet seinen Jüngern die Augen dafür, dass alles, was geschrieben ste­ht, auf ihn hin­weist. Wer Chris­tus erken­nen will, muss daher die heilige Geschichte Israels ernst nehmen, denn in ihr hat Gott den Boden bere­it­et, auf dem das Heil der Welt sicht­bar wird.

Jesus selb­st hat immer wieder auf das Alte Tes­ta­ment ver­wiesen, um seine Iden­tität und seine Mis­sion zu erk­lären. In Lukas 24,27 heißt es: “Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.” Nach sein­er Aufer­ste­hung zeigte Jesus seinen Jüngern, dass das Alte Tes­ta­ment auf ihn hin­weist – von den Büch­ern Mose über die Propheten bis zu den Psalmen.

Damit macht Jesus deut­lich, dass seine Sendung nicht im Ver­bor­ge­nen begin­nt, son­dern im Licht der bere­its gegebe­nen Offen­barung Gottes. Die Schrift ist für ihn nicht ein Hin­ter­grund­doku­ment, son­dern der göt­tliche Rah­men, in dem sein Leben, sein Lei­den und seine Aufer­ste­hung ver­standen wer­den müssen. Indem er den Jüngern die Augen für die Schrift öffnet, führt er sie zugle­ich in das Herz des Evan­geli­ums: dass Gottes Heil­s­plan von Anfang an auf den Mes­sias aus­gerichtet war. Wer die Bibel liest, ent­deckt daher keinen Bruch zwis­chen den Tes­ta­menten, son­dern eine durchge­hende Lin­ie der Ver­heißung, die in Chris­tus ihr Ja und Amen find­et

Die Prophezeiun­gen des Alten Tes­ta­ments, wie Jesa­ja 53 über den lei­den­den Gottesknecht oder Micha 5,1 über die Geburt des Mes­sias in Beth­le­hem, sind zen­tral für das Ver­ständ­nis der Per­son und des Wirkens Jesu. Ohne das Alte Tes­ta­ment bleibt das Evan­geli­um unvoll­ständig. Es ist ein gefährlich­er Irrtum, das Alte Tes­ta­ment abzulehnen oder seine Bedeu­tung zu min­imieren, denn dadurch ver­lieren wir den Zusam­men­hang der göt­tlichen Offen­barung.

Wer die alttes­ta­mentlichen Ver­heißun­gen aus­blendet, tren­nt Jesus von dem Weg, den Gott selb­st bere­it­et hat. Die Schrift zeigt uns, dass Gottes Heil nicht plöt­zlich und unver­mit­telt erscheint, son­dern in ein­er lan­gen Geschichte der Treue, der Ver­heißung und der Erwartung her­an­reift. Die Propheten sprechen nicht zufäl­lig von einem kom­menden König, einem lei­den­den Knecht, einem neuen Bund und einem Licht für die Natio­nen. All diese Lin­ien laufen in Chris­tus zusam­men. Das Alte Tes­ta­ment ist daher nicht ein über­holter Teil der Bibel, son­dern der Schlüs­sel, der uns die Tiefe des Evan­geli­ums erschließt. Wer es bei­seiteschiebt, ver­liert den roten Faden der Offen­barung und verken­nt, wie groß und wie kon­se­quent Gottes Heil­s­plan wirk­lich ist

3. Die Trennung von Jesus und seiner jüdischen Identität: Eine gefährliche Verzerrung

In der Geschichte gab es immer wieder Ver­suche, Jesus von sein­er jüdis­chen Iden­tität zu tren­nen. Beson­ders in der Zeit des Nation­al­sozial­is­mus wurde diese Idee propagiert, um eine anti­semi­tis­che The­olo­gie zu recht­fer­ti­gen. Man ver­suchte, Jesus als “arischen” Hei­land darzustellen und das Juden­tum als etwas Min­der­w­er­tiges zu dif­famieren. Diese fatale Verz­er­rung führte zu uner­messlichem Leid und ein­er schreck­lichen Ent­frem­dung von den bib­lis­chen Wurzeln.

Doch auch heute gibt es Ten­den­zen, Jesus von sein­er jüdis­chen Iden­tität zu lösen. Manche wollen ein “uni­verselles” Bild von Jesus schaf­fen, das ihn aus seinem his­torischen und kul­turellen Kon­text her­aus­reißt. Andere ver­suchen, das Evan­geli­um von sein­er Verbindung zum Alten Tes­ta­ment zu tren­nen, um eine the­ol­o­gisch oder poli­tisch motivierte Agen­da zu ver­fol­gen. Heute begeg­net man unter Chris­ten, The­olo­gen und beson­ders in Teilen der evan­ge­lis­chen Kirchen zunehmend der Behaup­tung, Jesus sei kein Jude gewe­sen, son­dern ein ‚Palästi­nenser‘. Eine solche Umdeu­tung ist nicht nur his­torisch unhalt­bar, son­dern ein gefährlich­es Spiel: Sie dient poli­tis­ch­er Vere­in­nah­mung und führt zur Entk­er­nung der bib­lis­chen Botschaft selb­st. Solche Ansätze sind nicht nur the­ol­o­gisch falsch, son­dern führen auch zu ein­er gefährlichen Instru­men­tal­isierung Gottes und seines Wortes.

In Römer 11 warnt der Apos­tel Paulus die Hei­denchris­ten ein­dringlich davor, sich über das jüdis­che Volk zu erheben oder ihre Wurzeln zu vergessen. Er schreibt: “Wenn aber nun einige Zweige aus­ge­brochen wur­den und du, der du ein wilder Ölzweig warst, unter sie eingepfropft wor­den bist und teil­hast an der Wurzel und am Saft des Ölbaums, so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen! Rühmst du dich aber, so bedenke: Nicht du trägst die Wurzel, son­dern die Wurzel trägt dich” (Römer 11,17–18).

Paulus macht damit unmissver­ständlich deut­lich, dass die Gemeinde Jesu nicht an Israel vor­beigewach­sen ist, son­dern aus Israels Wurzel lebt. Die Hei­denchris­ten sind nicht der neue Baum, son­dern eingepfropfte Zweige, die aus der Gnade Gottes Anteil an den Ver­heißun­gen Israels erhal­ten haben. Jede Form von Über­he­blichkeit gegenüber dem jüdis­chen Volk wider­spricht daher dem Wesen des Evan­geli­ums. Wer die Wurzel ver­achtet, aus der er lebt, tren­nt sich selb­st von der Geschichte Gottes. Paulus ruft die Gemeinde dazu auf, in Demut zu bleiben, die Treue Gottes zu Israel zu acht­en und zu erken­nen, dass Gottes Heils­geschichte größer ist als men­schliche Kat­e­gorien.

4. Israel, Palästina und unsere Verantwortung als Christen

Die heutige Sit­u­a­tion im Nahen Osten, ins­beson­dere der Kon­flikt zwis­chen Israel und Palästi­na, ist kom­plex und schmerzhaft. Doch als Chris­ten dür­fen wir uns nicht der Illu­sion hingeben, dass diese The­men nichts mit uns zu tun haben. Die Wurzeln unseres Glaubens liegen in dieser Region, und die Geschichte des christlichen Anti­semitismus hat dazu beige­tra­gen, Span­nun­gen und Lei­den zu ver­stärken.

Ger­ade deshalb sind wir als Chris­ten gerufen, mit Demut und geistlich­er Wach­samkeit auf diese Entwick­lun­gen zu schauen. Wir dür­fen nicht vergessen, dass Gottes Bun­de­streue zu Israel fortbeste­ht und dass unser eigen­er Glaube aus dieser Geschichte her­vorge­gan­gen ist. Zugle­ich mah­nt uns die Ver­gan­gen­heit, jede Form von Feind­schaft, Ver­ach­tung oder the­ol­o­gis­ch­er Über­he­blichkeit entsch­ieden zurück­zuweisen. Der Blick auf den Nahen Osten fordert uns her­aus, für Frieden zu beten, für Gerechtigkeit einzuste­hen und uns bewusst zu machen, dass Gottes Heils­geschichte größer ist als poli­tis­che Kon­flik­te. Wer Chris­tus nach­fol­gt, kann sich nicht von dem Leid dieser Region abwen­den, son­dern ist ein­ge­laden, es im Licht der Ver­heißun­gen Gottes zu betra­cht­en und in Liebe und Wahrheit zu antworten.

Es ist unsere Ver­ant­wor­tung, uns für Gerechtigkeit, Frieden und Ver­söh­nung einzuset­zen. Dabei dür­fen wir jedoch nicht vergessen, dass Gottes Ver­heißun­gen für sein Volk Bestand haben. In 1. Mose 12,3 sagt Gott zu Abra­ham: “Ich will seg­nen, die dich seg­nen, und ver­fluchen, die dich ver­fluchen; und in dir sollen geseg­net wer­den alle Geschlechter auf Erden.” Dieses Ver­sprechen hat nicht an Gültigkeit ver­loren.

Gottes Zusage an Abra­ham bleibt der feste Grund, auf dem wir die Geschichte Israels und die Sendung der Gemeinde ver­ste­hen. Der Segen, den Gott ver­heißen hat, ist nicht an poli­tis­che Sys­teme oder men­schliche Ver­di­en­ste gebun­den, son­dern an seine unwan­del­bare Treue. Wer Israel seg­net, stellt sich auf die Seite dessen, der seine Ver­heißun­gen nicht bereut; wer es ver­achtet, stellt sich gegen den Gott, der seinen Bund nicht aufkündigt. Zugle­ich zeigt die Schrift, dass dieser Segen nicht exk­lu­siv bleibt, son­dern durch Israel zu allen Völk­ern fließt. In Chris­tus wird sicht­bar, wie Gott seinen Heil­s­plan ausweit­et, ohne seine ursprünglichen Zusagen zu rel­a­tivieren. Darum ist es für Chris­ten entschei­dend, sowohl die bleibende Erwäh­lung Israels zu acht­en als auch die weltweite Dimen­sion des Evan­geli­ums zu erken­nen, das in Abra­ham seinen Anfang nahm und in Chris­tus seine Erfül­lung find­et.

Wir müssen uns auch davor hüten, Gottes Wort für poli­tis­che Zwecke zu miss­brauchen. Die Bibel ist keine Waffe, die wir ein­set­zen kön­nen, um unsere eige­nen Agen­den zu recht­fer­ti­gen. Wer Gottes Wort ver­dreht, um Hass, Gewalt oder Ungerechtigkeit zu recht­fer­ti­gen, bege­ht eine schwere Sünde. In 2. Tim­o­theus 3,16–17 heißt es: “Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Über­führung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Men­sch Gottes vol­lkom­men sei, zu jedem guten Werk völ­lig aus­gerüstet.”

Darum ist es entschei­dend, dass wir die Heilige Schrift mit einem demüti­gen Herzen lesen und uns von ihr kor­rigieren lassen, statt sie für unsere Zwecke zu ver­biegen. Gottes Wort richtet zuerst uns selb­st, bevor es anderen gilt. Es ruft uns zur Umkehr, zur Liebe, zur Gerechtigkeit und zur Heiligkeit. Wer die Bibel ernst nimmt, wird sen­si­bel dafür, wie leicht men­schliche Motive, poli­tis­che Ide­olo­gien oder kul­turelle Strö­mungen den Blick auf Gottes Wahrheit trüben kön­nen. Die Heilige Schrift ist kein Werkzeug zur Mach­tausübung, son­dern ein Licht, das uns den Weg weist. Sie formt Men­schen, die in der Wahrheit ste­hen und in der Liebe han­deln, damit Gottes Charak­ter in ihrem Leben sicht­bar wird.

5. Darf man Israel auf Grund Gaza kritisieren?

Die Frage, ob Kri­tik an Israels Vorge­hen im Gaza­kon­flikt legit­im ist, lässt sich nur ver­ant­wor­tungsvoll beant­worten, wenn wir die bib­lis­chen Grund­la­gen ernst nehmen, aus denen unser Glaube lebt. Die Heilige Schrift zeigt uns, dass Israel das erwählte Volk Gottes ist und bleibt. Gottes Bund mit Abra­ham ist unwider­ru­flich, wie Paulus schreibt: „Denn Gottes Gaben und Beru­fung kön­nen ihn nicht gereuen“ (Römer 11,29). Diese Erwäh­lung bedeutet jedoch nicht, dass jede poli­tis­che Entschei­dung des mod­er­nen Staates Israel automa­tisch gut oder gerecht wäre. Die Bibel unter­schei­det klar zwis­chen Gottes heils­geschichtlich­er Erwäh­lung und dem Han­deln men­schlich­er Regierun­gen. Darum ist es möglich, Israel zu lieben, seine Erwäh­lung zu acht­en und den­noch konkrete poli­tis­che Maß­nah­men kri­tisch zu prüfen.

Die Schrift ruft uns dazu auf, Gerechtigkeit zu suchen und das Recht zu schützen. Der Prophet Micha fasst Gottes Willen zusam­men: „Es ist dir gesagt, Men­sch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort hal­ten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8). Diese Worte gel­ten für alle Völk­er und Regierun­gen. Wo Unrecht geschieht, wo Men­schen lei­den, wo Gewalt unschuldige Leben zer­stört, dür­fen Chris­ten nicht schweigen. Kri­tik, die aus dem Geist der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Liebe kommt, wider­spricht nicht der Treue zu Israel, son­dern entspricht dem Wesen Gottes, der „den Schwachen Recht ver­schafft“ (Psalm 82,3).

Gle­ichzeit­ig warnt uns die Bibel davor, über­he­blich zu wer­den oder Israel zu ver­acht­en. Paulus schreibt: „Nicht du trägst die Wurzel, son­dern die Wurzel trägt dich“ (Römer 11,18). Jede Kri­tik, die aus Arro­ganz, Feind­seligkeit oder aus alten anti­jüdis­chen Mustern gespeist wird, wider­spricht dem Evan­geli­um. Chris­ten dür­fen niemals in die Hal­tung ver­fall­en, Israel moralisch zu belehren oder sich über das jüdis­che Volk zu erheben. Unsere Worte müssen von Demut geprägt sein, denn wir ste­hen selb­st unter dem Urteil Gottes und leben allein aus Gnade.

Jesus Chris­tus selb­st zeigt uns, wie wir über Kon­flik­te und Gewalt sprechen sollen. Er ruft zur Wahrheit, aber auch zur Barmherzigkeit. Er weint über Jerusalem und spricht zugle­ich prophetisch in seine Verir­run­gen hinein (Lukas 19,41–44): “Und als er nahe hinzukam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erken­ntest an diesem Tag, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen ver­bor­gen. Denn es wird eine Zeit über dich kom­men, da wer­den deine Feinde um dich einen Wall aufw­er­fen, dich belagern und von allen Seit­en bedrän­gen und wer­den dich dem Erd­bo­den gle­ich­machen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkan­nt hast, in der du besucht wor­den bist.”

Seine Liebe ist nie blind, aber immer heilig. Wer Chris­tus nach­fol­gt, wird wed­er Hass noch Gle­ichgültigkeit dulden. Er wird das Leid aller Men­schen sehen, der Israelis wie der Palästi­nenser, und sich von Jesu Worten leit­en lassen: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie wer­den Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9).

Ver­ant­wor­tungsvoll über Israels Poli­tik im Gaza­s­treifen zu sprechen bedeutet daher, mehrere bib­lis­che Lin­ien zusam­men­zuhal­ten. Erstens die bleibende Erwäh­lung Israels, die uns zur Achtung und zum Segen verpflichtet. Zweit­ens Gottes Ruf zur Gerechtigkeit, der uns befähigt, auch schwierige Fra­gen anzus­prechen. Drit­tens die War­nung vor Hochmut und Feind­schaft, die uns zur Demut führt. Und viertens die Nach­folge Jesu, die uns zu Men­schen des Friedens macht, die das Leid nicht ignori­eren, son­dern im Licht der Wahrheit benen­nen.

Christliche Kri­tik darf niemals zer­stören, son­dern soll zur Wahrheit führen. Sie darf nicht aus poli­tis­chen Ide­olo­gien entste­hen, son­dern aus der Schrift. Sie darf nicht spal­ten, son­dern soll zur Ver­söh­nung beitra­gen. Denn Gott hat ver­heißen: „In dir sollen geseg­net wer­den alle Geschlechter auf Erden“ (1. Mose 12,3). Dieser Segen bleibt der Maßstab, an dem wir unser Reden und Han­deln messen müssen.

6. Ein abschließender Appell

Die jüdis­che Iden­tität Jesu, die Verbindung zwis­chen Altem und Neuem Tes­ta­ment und die Ver­ant­wor­tung der Chris­ten gegenüber Israel und der Welt sind The­men, die wir nicht ignori­eren dür­fen. Sie erfordern Demut, Ehrfurcht vor Gottes Wort und den Mut, für die Wahrheit einzutreten.

Wir dür­fen Jesus nicht von seinen jüdis­chen Wurzeln tren­nen, denn dadurch ver­lieren wir die Tiefe sein­er Botschaft und die Schön­heit der göt­tlichen Heils­geschichte. Wir dür­fen das Alte Tes­ta­ment nicht ver­w­er­fen, denn es ist das Fun­da­ment, auf dem das Evan­geli­um ruht. Und wir dür­fen Gottes Wort nicht für poli­tis­che Zwecke miss­brauchen, denn es ist heilig und von Gott inspiri­ert.

Möge uns dieser Text dazu ermuti­gen, unseren Glauben in Wahrheit und Demut zu leben, die jüdis­chen Wurzeln unseres Glaubens zu ehren und uns für Gerechtigkeit und Frieden einzuset­zen. Denn wie es in Micha 6,8 heißt: “Es ist dir gesagt, Men­sch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: näm­lich Gottes Wort hal­ten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.”

Darum dür­fen wir uns nicht der Ver­suchung hingeben, die Wahrheit Gottes an die Stim­mungen unser­er Zeit anzu­passen. Wo die Schrift spricht, haben wir zu hören; wo sie mah­nt, haben wir uns prüfen zu lassen; wo sie tröstet, dür­fen wir uns bergen. Der Glaube ver­liert seine Kraft, wenn wir ihn nach men­schlichen Maßstäben for­men. Er gewin­nt seine Tiefe, wenn wir uns unter Gottes Wort beu­gen und es in seinem ganzen Zeug­nis ernst nehmen. Die Geschichte Israels, die Sendung Jesu und die Beru­fung der Gemeinde gehören untrennbar zusam­men. Wer eines davon ver­nach­läs­sigt, ver­fehlt das Ganze. Deshalb ist es unsere Auf­gabe, wach­sam zu bleiben, die Heilige Schrift treu zu bewahren und unser Leben so zu führen, dass Gottes Wahrheit sicht­bar wird. Nur so kön­nen wir in ein­er ver­wirrten Welt ein Zeug­nis des Lichts sein, das Gott durch sein Volk Israel begonnen und in Chris­tus vol­len­det hat.

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