Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Jesus hatte einen Absolutheitsanspruch!

Beckblogger (5)

Die Frage nach dem Abso­lutheit­sanspruch Jesu Christi berührt das Herzstück des christlichen Glaubens und stellt zugle­ich eine der größten Her­aus­forderun­gen für die mod­erne The­olo­gie dar, die zunehmend von einem plu­ral­is­tis­chen Welt­bild geprägt ist, in dem absolute Wahrheit­sansprüche als prob­lema­tisch oder gar anmaßend emp­fun­den wer­den.

Wenn wir die neutes­ta­mentlichen Schriften unbe­fan­gen und mit exegetis­ch­er Sorgfalt betra­cht­en, wird jedoch unüberse­hbar deut­lich, dass Jesus von Nazareth einen Anspruch ver­trat, der sich fun­da­men­tal von allen men­schlichen Autorität­sansprüchen unter­schei­det und der nicht rel­a­tiviert oder in ein religiös­es Gle­ich­heit­sprinzip ein­ge­ord­net wer­den kann, ohne dabei die Sub­stanz sein­er Botschaft zu ver­fälschen. Im Johan­ne­se­van­geli­um begeg­net uns eine Fülle von Selb­stof­fen­barun­gen Jesu, die in ihrer Radikalität erschüt­tern und provozieren, beson­ders wenn Jesus erk­lärt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; nie­mand kommt zum Vater denn durch mich” (Johannes 14,6). Diese Aus­sage ist keineswegs eine von vie­len religiösen Weisheit­en, son­dern ein exk­lu­siv­er Anspruch, der jede andere religiöse Ver­mit­tlung zwis­chen Gott und Men­sch kat­e­gorisch auss­chließt und gle­ichzeit­ig die einzi­gar­tige Stel­lung Christi als Mit­tler proklamiert. Die wieder­holte Ver­wen­dung der „Ich bin”-Worte, wie etwa „Ich bin das Brot des Lebens” (Johannes 6,35), „Ich bin das Licht der Welt” (Johannes 8,12) oder „Ich bin die Aufer­ste­hung und das Leben” (Johannes 11,25), erin­nert unmit­tel­bar an die Selb­stof­fen­barung Gottes gegenüber Mose im bren­nen­den Dorn­busch: „Ich werde sein, der ich sein werde” (2.Mose 3,14).

Jesus bedi­ent sich damit bewusst der göt­tlichen Selb­st­beze­ich­nung und beansprucht impliz­it wie expliz­it göt­tliche Autorität für sich selb­st, was von seinen jüdis­chen Zeitgenossen auch sofort als Gottes­lästerung ver­standen wurde, wie die zahlre­ichen Steini­gungsver­suche bele­gen.

In der Berg­predigt man­i­festiert sich dieser Abso­lutheit­sanspruch auf eine Weise, die die gesamte bish­erige religiöse Ord­nung rev­o­lu­tion­iert, indem Jesus wieder­holt for­muliert: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist… Ich aber sage euch” (Matthäus 5,21–22 und fol­gende).

Diese Gegenüber­stel­lun­gen stellen keine bloße Inter­pre­ta­tion oder Aktu­al­isierung des mosais­chen Geset­zes dar, son­dern offen­baren eine Autorität, die sich über die gesamte bish­erige Offen­barungs­geschichte erhebt und diese in sich selb­st zur Vol­len­dung bringt, wobei Jesus nicht als ein Prophet unter anderen auftritt, son­dern als der­jenige, der in eigen­er Voll­macht das Gesetz erfüllt und neu auslegt.

Die Zuhör­er erkan­nten diese außergewöhn­liche Dimen­sion sein­er Verkündi­gung, denn es heißt: „Und es begab sich, als Jesus diese Rede vol­len­det hat­te, dass sich das Volk entset­zte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Voll­macht und nicht wie ihre Schrift­gelehrten” (Matthäus 7,28–29). Diese Voll­macht entspringt nicht men­schlich­er Weisheit oder the­ol­o­gis­ch­er Bil­dung, son­dern sein­er göt­tlichen Iden­tität als Sohn Gottes, was er selb­st im Gebet zum Vater bestätigt: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und nie­mand ken­nt den Sohn als nur der Vater; und nie­mand ken­nt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offen­baren will” (Matthäus 11,27). Die exk­lu­sive Beziehung zwis­chen Vater und Sohn und die auss­chließliche Ver­mit­tler­rolle des Sohnes wer­den hier in ein­er Klarheit for­muliert, die keinen Raum für eine plu­ral­is­tis­che Deu­tung lässt, in der Jesus lediglich ein­er unter vie­len Reli­gion­ss­tiftern wäre.

Der entschei­dende Unter­schied zwis­chen dem Abso­lutheit­sanspruch Jesu und allen men­schlichen Mach­tansprüchen liegt in sein­er Natur und seinem Ursprung begrün­det, denn während men­schliche Autorität stets mit der Gefahr des Miss­brauchs ver­bun­den ist und Geschichte wie Gegen­wart zahllose Beispiele dafür liefern, wie Men­schen ihre Macht zu eigen­nützi­gen Zweck­en, zur Unter­drück­ung und Aus­beu­tung ein­set­zen, wurzelt die Autorität Jesu auss­chließlich in der göt­tlichen Liebe und Heiligkeit.

Gott selb­st kann seine Macht nicht miss­brauchen, weil sein Wesen Liebe ist, wie Johannes fes­thält: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm” (1. Johannes 4,16). Die Ausübung göt­tlich­er Autorität geschieht nicht zur Selb­stver­her­rlichung oder Unter­drück­ung, son­dern zur Erlö­sung und Befreiung des Men­schen aus der Knechtschaft der Sünde, weshalb Jesus selb­st erk­lärt: „Der Men­schen­sohn ist nicht gekom­men, dass er sich dienen lasse, son­dern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele” (Markus 10,45). Diese dienende Hal­tung, die in der Fußwaschung der Jünger ihren sym­bol­is­chen Höhep­unkt find­et und am Kreuz ihre vol­lkommene Ver­wirk­lichung erfährt, unter­schei­det den göt­tlichen Abso­lutheit­sanspruch kat­e­go­r­i­al von allen men­schlichen Herrschaftsstruk­turen, die auf Dom­i­nanz und Eigen­nutz auf­bauen.

Wenn mod­erne The­olo­gie und Teile der insti­tu­tion­al­isierten Kirche diesen Abso­lutheit­sanspruch Jesu rel­a­tivieren oder in einen inter­re­ligiösen Dia­log eineb­nen wollen, geschieht dies häu­fig aus einem gut gemein­ten, aber the­ol­o­gisch prob­lema­tis­chen Motiv her­aus, näm­lich dem Wun­sch nach gesellschaftlich­er Akzep­tanz und religiös­er Tol­er­anz, die jedoch nur dann authen­tisch sein kann, wenn sie die Wahrheit­sansprüche der jew­eili­gen Reli­gio­nen ernst nimmt und nicht niv­el­liert.

Paulus warnt ein­dringlich vor ein­er Verkündi­gung, die dem Zeit­geist gefall­en will: „Predi­ge das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, dro­he, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit kom­men, da sie die heil­same Lehre nicht ertra­gen wer­den; son­dern nach ihren eige­nen Gelüsten wer­den sie sich selb­st Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren juck­en, und wer­den die Ohren von der Wahrheit abwen­den und sich den Fabeln zukehren” (2. Tim­o­theus 4,2–4).

Die Ver­suchung, das Evan­geli­um so zu for­mulieren, dass es den kul­turellen Erwartun­gen entspricht und nie­man­den vor den Kopf stößt, ist alt und führt zwangsläu­fig zu ein­er Ver­wässerung der bib­lis­chen Botschaft, die ihren prophetis­chen Charak­ter ver­liert und zu ein­er unverbindlichen Morallehre verkommt. Der Apos­tel Petrus hinge­gen beken­nt vor dem Hohen Rat mutig und kom­pro­miss­los: „Es ist in keinem andern Heil, auch ist kein andr­er Name unter dem Him­mel den Men­schen gegeben, durch den wir sollen selig wer­den” (Apos­telgeschichte 4,12).

Diese Exk­lu­siv­ität des Heils in Chris­tus allein bildet das Fun­da­ment der apos­tolis­chen Verkündi­gung und kann nicht aufgegeben wer­den, ohne das Evan­geli­um selb­st zu ver­rat­en.

Die Her­rlichkeit und Einzi­gar­tigkeit Jesu Christi offen­baren sich beson­ders in sein­er Aufer­ste­hung von den Toten, die nicht nur ein his­torisches Ereig­nis darstellt, son­dern die defin­i­tive Bestä­ti­gung seines göt­tlichen Anspruchs ist, denn durch die Aufer­ste­hung hat Gott der Vater das Zeug­nis seines Sohnes besiegelt und allen Men­schen vor Augen geführt, dass Jesus tat­säch­lich ist, wer er zu sein behauptete. Paulus schreibt: „Er ist einge­set­zt als Sohn Gottes in Kraft durch die Aufer­ste­hung von den Toten” (Römer 1,4), und an ander­er Stelle betont er die zen­trale Bedeu­tung dieses Ereigniss­es für den gesamten christlichen Glauben: „Ist aber Chris­tus nicht aufer­standen, so ist unsre Predigt verge­blich, so ist auch euer Glaube verge­blich” (1. Korinther 15,14).

Die Aufer­ste­hung unter­schei­det Jesus von allen anderen religiösen Lehrern und Propheten der Welt­geschichte, denn während diese im Tod blieben und ihre Gräber bis heute existieren, ist das Grab Jesu leer, und er selb­st erschien nach sein­er Aufer­ste­hung zahlre­ichen Zeu­gen, wie Paulus detail­liert auflis­tet: „Danach ist er gese­hen wor­den von mehr als fünfhun­dert Brüdern auf ein­mal, von denen die meis­ten noch heute leben, einige aber sind entschlafen” (1. Korinther 15,6). Diese empirische Bezeu­gung durch eine Vielzahl glaub­würdi­ger Zeu­gen bildet die his­torische Grund­lage des christlichen Glaubens und unter­stre­icht die Einzi­gar­tigkeit Christi.

Der Abso­lutheit­sanspruch Jesu ist somit nicht Aus­druck men­schlich­er Hybris oder religiös­er Intol­er­anz, son­dern die logis­che Kon­se­quenz sein­er göt­tlichen Iden­tität und sein­er heils­geschichtlichen Mis­sion, die darin beste­ht, die durch die Sünde zer­broch­ene Gemein­schaft zwis­chen Gott und Men­sch wieder­herzustellen, was allein durch sein stel­lvertre­tendes Süh­neopfer am Kreuz möglich wurde.

Das Kreuz selb­st wird zum Para­dox göt­tlich­er Macht, denn hier offen­bart sich die Stärke Gottes ger­ade in der schein­baren Schwäche und Nieder­lage: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die ver­loren wer­den; uns aber, die wir selig wer­den, ist es Gottes Kraft” (1. Korinther 1,18). Die Weisheit dieser Welt kann die Logik des Kreuzes nicht erfassen, weil sie nach men­schlichen Maßstäben urteilt, doch Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken, und seine Wege sind höher als unsere Wege (Jesa­ja 55,9). In dieser göt­tlichen Per­spek­tive wird deut­lich, dass der Anspruch Jesu nicht auf Macht­demon­stra­tion und Unter­w­er­fung abzielt, son­dern auf Ver­söh­nung und Erlö­sung, auf die Wieder­her­stel­lung der ursprünglichen Bes­tim­mung des Men­schen zur Gemein­schaft mit seinem Schöpfer.

Wer diesen Abso­lutheit­sanspruch Jesu ablehnt oder rel­a­tiviert, ste­ht vor der unver­mei­dlichen Frage, ob Jesus dann ein Betrüger, ein Wahnsin­niger oder tat­säch­lich der Sohn Gottes war, denn seine Aus­sagen lassen keine neu­trale Mit­tel­po­si­tion zu, wie C.S. Lewis tre­f­fend argu­men­tiert hat. Jesus selb­st stellt seine Zeitgenossen vor diese radikale Entschei­dung, wenn er fragt: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?” (Matthäus 16,15), woraufhin Petrus das chris­tol­o­gis­che Beken­nt­nis for­muliert: „Du bist Chris­tus, des lebendi­gen Gottes Sohn!” (Matthäus 16,16). Diese Antwort ist nicht das Ergeb­nis men­schlich­er Ein­sicht, son­dern göt­tlich­er Offen­barung, wie Jesus selb­st bestätigt: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offen­bart, son­dern mein Vater im Him­mel” (Matthäus 16,17). Der Glaube an die göt­tliche Iden­tität Jesu und die Annahme seines Abso­lutheit­sanspruchs sind somit nicht Pro­duk­te men­schlich­er Über­legung oder religiös­er Kon­struk­tion, son­dern Geschenke der göt­tlichen Gnade, die dem Men­schen die Augen öffnet für die Wahrheit, die in Chris­tus erschienen ist.

In ein­er Zeit, die von Rel­a­tivis­mus und der Ablehnung objek­tiv­er Wahrheit­sansprüche geprägt ist, mag die Verkündi­gung des exk­lu­siv­en Heil­swegs in Chris­tus als anstößig oder gar fun­da­men­tal­is­tisch erscheinen, doch die Treue zur bib­lis­chen Botschaft erfordert den Mut, auch unbe­queme Wahrheit­en auszus­prechen und gegen den Strom kul­tureller Mei­n­un­gen zu schwim­men. Jesus selb­st warnt: „Wehe euch, wenn euch jed­er­mann wohlre­det! Eben­so haben ihre Väter den falschen Propheten getan” (Lukas 6,26), und er kündigt seinen Nach­fol­gern an, dass sie um seinetwillen Ver­fol­gung und Ablehnung erfahren wer­den: „Haben sie mich ver­fol­gt, so wer­den sie euch auch ver­fol­gen” (Johannes 15,20).

Die Kirche ist nicht dazu berufen, der Welt nach dem Mund zu reden, son­dern prophetis­ches Zeug­nis abzule­gen von der Wahrheit, die befre­it und erlöst, auch wenn dies mit gesellschaftlich­er Mar­gin­al­isierung und Wider­stand ein­herge­ht.

Paulus ermutigt: „Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, son­dern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestal­ten, sodass ihr prüfen kön­nt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefall­en würde und ob es zum Ziel führt!” (Römer 12,2)

Die Unter­schei­dung zwis­chen göt­tlich­er und men­schlich­er Autorität wird nir­gend­wo deut­lich­er als in der Per­son Jesu Christi selb­st, der in vol­lkommen­er Ein­heit mit dem Willen des Vaters lebte und dessen gesamtes Wirken von bedin­gungslos­er Liebe zu den Men­schen geprägt war, selb­st zu jenen, die ihn ablehn­ten und ans Kreuz bracht­en, für die er betete: „Vater, vergib ihnen; denn sie wis­sen nicht, was sie tun!” (Lukas 23,34).

Diese radikale Fein­desliebe und Selb­sthingabe unter­schei­det die Herrschaft Christi fun­da­men­tal von allen irdis­chen Macht­struk­turen und zeigt, dass sein Kön­i­gre­ich nicht von dieser Welt ist (Johannes 18,36), son­dern ein­er völ­lig anderen Ord­nung ange­hört, in der nicht Macht und Gewalt regieren, son­dern Gnade und Wahrheit.

Der Abso­lutheit­sanspruch Jesu ist deshalb kein Instru­ment der Unter­drück­ung, son­dern die Ein­ladung in die vol­lkommene Frei­heit der Kinder Gottes, denn „wen der Sohn frei macht, der ist wirk­lich frei” (Johannes 8,36).

Diese Frei­heit bedeutet Befreiung von der Tyran­nei der Sünde, von der Angst vor dem Tod und von der Bindung an vergängliche Werte, und sie führt hinein in die unendliche Weite der Gemein­schaft mit dem lebendi­gen Gott, der jeden Men­schen zu ein­er per­sön­lichen Beziehung mit sich ein­lädt durch seinen Sohn Jesus Chris­tus, den einzi­gen Mit­tler zwis­chen Gott und den Men­schen (1. Tim­o­theus 2,5).

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