Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

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Hörer und Bewahrer – Der Weg zur biblischen Seligkeit!

Beckblogger (6)

Lukas 11,28

Jesus aber sprach: “Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.”

Die Aus­sage Jesu in Lukas 11,28 erfol­gt in einem bemerkenswerten Kon­text, der die Radikalität sein­er Botschaft verdeut­licht: Eine Frau aus der Volks­menge preist laut die Mut­ter Jesu selig mit den Worten „Selig ist der Leib, der dich getra­gen hat, und die Brüste, an denen du geso­gen hast” (Lukas 11,27). Diese spon­tane Äußerung entspricht dem ori­en­tal­is­chen Brauch, eine Mut­ter durch ihren außergewöhn­lichen Sohn zu ehren, und zeugt von der tiefen Beein­druck­ung, die Jesu Lehre und Wirken bei den Men­schen hin­ter­ließ. Doch Jesus nutzt diesen Moment nicht, um biol­o­gis­che oder famil­iäre Bande zu erheben, son­dern kor­rigiert die Per­spek­tive der Frau mit ein­er Aus­sage, die das Wesen wahrer Seligkeit definiert und gle­ichzeit­ig eine uni­verselle Ein­ladung ausspricht, die über jede natür­liche Ver­wandtschaft hin­aus­ge­ht.

Das griechis­che Wort „makar­i­oi” (selig) beze­ich­net nicht ein ober­fläch­lich­es Glücks­ge­fühl, son­dern einen Zus­tand tiefer, gottgeschenk­ter Erfül­lung und Freude, der unab­hängig von äußeren Umstän­den beste­ht. Jesus ver­wen­det diesen Begriff bewusst, um klarzustellen, dass wahre Seligkeit nicht durch Geburt, soziale Stel­lung oder men­schliche Beziehun­gen erlangt wird, son­dern durch eine spez­i­fis­che geistliche Hal­tung: das Hören und Bewahren des Wortes Gottes. Diese bei­den Aspek­te bilden eine untrennbare Ein­heit und dür­fen nicht voneinan­der getren­nt wer­den, denn das bloße Hören ohne entsprechen­des Han­deln bleibt wirkungs­los, wie Jesus selb­st im Gle­ich­nis vom Haus­bau verdeut­licht: „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gle­icht einem klu­gen Mann, der sein Haus auf Fels baute” (Matthäus 7,24).

Das Hören des Wortes Gottes meint im bib­lis­chen Ver­ständ­nis weit mehr als akustis­che Wahrnehmung; es beze­ich­net eine aktive, aufmerk­same und gehor­same Rezep­tion, bei der das Herz für die göt­tliche Wahrheit geöffnet wird. Der Prophet Jesa­ja mah­nt: „Höret, so werdet ihr leben!” (Jesa­ja 55,3), und Mose ruft dem Volk Israel zu: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein” (5. Mose 6,4). Dieses Hören impliziert eine grundle­gende Bere­itschaft, Gottes Autorität anzuerken­nen und sein Wort als maßge­bliche Richtschnur für das eigene Leben zu akzep­tieren. In ein­er Zeit medi­aler Reizüber­flu­tung und per­ma­nen­ter Ablenkung gewin­nt diese Fähigkeit zum konzen­tri­erten, geistlichen Hören beson­dere Bedeu­tung und erfordert bewusste Entschei­dung und Diszi­plin.

Das Bewahren des Wortes Gottes bedeutet nicht bloß auswendig ler­nen oder reines Kopfwis­sen, son­dern das Tun im täglichen Leben – das treue Fes­thal­ten an Gottes Geboten, auch wenn Anfech­tun­gen und Ver­suchun­gen uns bedrän­gen. Der Psalmist for­muliert: „Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündi­ge” (Psalm 119,11). Dieses Bewahren geschieht im Herzen, dem Zen­trum der men­schlichen Per­son, von wo aus Denken, Fühlen und Han­deln ges­teuert wer­den. Jesus selb­st ist das fleis­chge­wor­dene Wort Gottes (Johannes 1,14), weshalb das Bewahren seines Wortes let­ztlich bedeutet, in ein­er lebendi­gen Beziehung mit ihm zu bleiben und seinen Willen zu tun: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt” (Johannes 14,21).

Die tief­ere Bedeu­tung von Lukas 11,28 liegt darin, dass Jesus eine neue Fam­i­lie kon­sti­tu­iert, die nicht auf biol­o­gis­ch­er Abstam­mung, son­dern auf geistlich­er Gemein­schaft basiert. An ander­er Stelle macht er dies noch deut­lich­er, als er auf die Frage, wer seine Mut­ter und seine Brüder seien, antwortet: „Wer Gottes Willen tut, der ist mir Brud­er und Schwest­er und Mut­ter” (Markus 3,35). Diese radikale Neuori­en­tierung öffnet die Tür zur Gotte­skind­schaft für alle Men­schen, unab­hängig von Herkun­ft, Geschlecht oder sozialem Sta­tus, und sie rel­a­tiviert gle­ichzeit­ig alle men­schlichen Priv­i­legien und Vor­rechte. Selb­st Maria, die Mut­ter Jesu, wird nicht auf­grund ihrer biol­o­gis­chen Mut­ter­schaft geehrt, son­dern weil sie als erste das Wort Gottes im Glauben annahm und bewahrte, wie ihr „Mag­ni­fi­cat” ein­drucksvoll bezeugt: „Siehe, ich bin des Her­rn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast” (Lukas 1,38).

Die prak­tis­che Kon­se­quenz dieser Ausle­gung für das christliche Leben ist ein­deutig: Wahre Jünger­schaft und echte Seligkeit erwach­sen nicht aus äußer­lichen religiösen Prak­tiken, kirch­lich­er Zuge­hörigkeit oder the­ol­o­gis­chem Wis­sen, son­dern aus der per­sön­lichen, gehor­samen Beziehung zum lebendi­gen Wort Gottes. Jakobus warnt ein­dringlich: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hör­er allein; son­st betrügt ihr euch selb­st” (Jakobus 1,22). Der Glaube, der allein auf Wis­sen oder Emo­tion beruht, bleibt unfrucht­bar und ver­fehlt sein Ziel, während der Glaube, der sich im prak­tis­chen Gehor­sam bewährt, zum Segen wird für den Glauben­den selb­st und für seine Umge­bung.

Lukas 11,28 ist somit eine Ein­ladung zur Nach­folge und gle­ichzeit­ig ein Kri­teri­um echter Spir­i­tu­al­ität: Nicht spek­takuläre Erfahrun­gen oder religiöse Leis­tun­gen machen den wahren Chris­ten aus, son­dern die demütige, beständi­ge Treue zum Wort Gottes in allen Lebensla­gen. Diese Treue schenkt jene tiefe Seligkeit, die Jesus seinen Jüngern ver­heißt und die unab­hängig von äußeren Umstän­den Bestand hat, weil sie in der unverän­der­lichen Wahrheit Gottes gegrün­det ist: „Him­mel und Erde wer­den verge­hen; aber meine Worte wer­den nicht verge­hen” (Lukas 21,33).

Praktisches Christsein

Kennst du das Gefühl, nach einem richtig guten Gottes­di­enst oder ein­er bewe­gen­den Andacht nach Hause zu gehen, inner­lich berührt und motiviert, nur um dann festzustellen, dass schon am Mon­tag­mor­gen alles wieder beim Alten ist? Die Erken­nt­nisse vom Son­ntag verblassen zwis­chen Ter­min­druck, All­t­agsstress und den hun­dert kleinen Entschei­dun­gen, die jed­er Tag mit sich bringt. Wenn wir ehrlich sind, ken­nen wir das alle. Und genau an diesem Punkt trifft uns Jesus mit ein­er Aus­sage, die eben­so ein­fach wie radikal ist: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren” (Lukas 11,28).

Hören ist mehr als Zuhören

Aber was heißt das eigentlich konkret – das Wort Gottes „hören”? Wir leben in ein­er Zeit per­ma­nen­ter Infor­ma­tions­flut. Pod­casts, Predigten, christliche Büch­er, Andachts-Apps – noch nie hat­ten wir so viel Zugang zu bib­lis­chen Inhal­ten. Und trotz­dem, oder vielle­icht ger­ade deshalb, fällt es uns schw­er, wirk­lich zu hören. Echt­es Hören im bib­lis­chen Sinne meint nicht ein­fach akustis­ches Wahrnehmen, son­dern aufmerk­sames, offenes, gehor­sames Aufnehmen. Es bedeutet, den Lärm abzuschal­ten, inner­lich zur Ruhe zu kom­men und dem Wort Raum zu geben, in unser Herz vorzu­drin­gen.

Ich habe gemerkt, dass ich manch­mal ganze Bibelab­schnitte lesen kann, ohne wirk­lich etwas davon mitzunehmen. Mein Kopf ist bei der To-Do-Liste, beim let­zten Kon­flikt, bei den Sor­gen des Tages. Echt­es Hören erfordert Inten­tion­al­ität – die bewusste Entschei­dung, präsent zu sein und Gott wirk­lich sprechen zu lassen. Das kann bedeuten, dass ich mor­gens das Handy auss­chalte, bevor ich die Bibel auf­schlage, oder dass ich nach dem Lesen einen Moment stille sitze und frage: „Was willst du mir heute sagen?”

Bewahren – der entschei­dende Schritt

Aber Jesus bleibt nicht beim Hören ste­hen. Er fügt etwas hinzu, das den entschei­den­den Unter­schied macht: das Bewahren. Und hier wird es prak­tisch, konkret und manch­mal unbe­quem. Bewahren bedeutet, das Gehörte nicht ein­fach als inter­es­sante Infor­ma­tion abzus­pe­ich­ern, son­dern es zur Grund­lage meines Han­delns zu machen. Es bedeutet, das Wort Gottes gegen die tausend Ein­flüsse zu vertei­di­gen, die täglich auf mich ein­wirken und andere Pri­or­itäten set­zen wollen.

Lass mich ein Beispiel geben: Ich lese in der Bibel über Verge­bung, über die Auf­forderung, nicht nach­tra­gend zu sein und meinem Näch­sten von Herzen zu vergeben. Schön und gut – aber dann kommt der Moment, wo mich jemand ver­let­zt, wo ich gekränkt bin, wo ich das Recht hätte, belei­digt zu sein. Genau hier zeigt sich, ob ich das Wort nur gehört oder auch bewahrt habe. Bewahren bedeutet in diesem Moment, mich bewusst für Verge­bung zu entschei­den, auch wenn meine Gefüh­le etwas anderes wollen, auch wenn die Kul­tur um mich herum sagt: „Du musst dir das nicht gefall­en lassen!”

Oder nehmen wir das The­ma Großzügigkeit. Die Bibel spricht immer wieder davon, dass wir großzügig geben, teilen und anderen helfen sollen. Aber dann kommt die Gehaltsabrech­nung, die Rech­nun­gen stapeln sich, und plöt­zlich scheint es unmöglich, an andere zu denken. Das Wort zu bewahren heißt, trotz­dem zu geben, zu ver­trauen, dass Gott ver­sorgt, auch wenn die Tabel­lenkalku­la­tio­nen etwas anderes sagen.

Der All­t­ag als Übungs­feld

Das Bewahren des Wortes Gottes geschieht nicht in spek­takulären Momenten oder bei großen geistlichen Kon­feren­zen, son­dern in den kleinen, unschein­baren Entschei­dun­gen des All­t­ags. Es zeigt sich darin, wie ich mit meinem Part­ner spreche, wenn ich müde und gen­ervt bin. Es zeigt sich in mein­er Integrität bei der Arbeit, wenn nie­mand hin­schaut. Es zeigt sich in meinem Umgang mit Geld, mit Zeit, mit meinem Kör­p­er, mit dig­i­tal­en Medi­en. Jede dieser Entschei­dun­gen ist eine Gele­gen­heit, das Wort Gottes zu bewahren oder es zu ver­nach­läs­si­gen.

Ich habe für mich gemerkt, dass es hil­ft, konkret zu wer­den. Statt mir vorzunehmen, „ein besser­er Christ zu sein”, frage ich mich: Welch­er Bibelvers, welche Wahrheit hat mich diese Woche beson­ders getrof­fen? Und wie sieht es ganz prak­tisch aus, diese Wahrheit heute zu leben? Manch­mal ist es so etwas Ein­fach­es wie: „Seid fre­undlich untere­inan­der” (Eph­eser 4,32). Klingt banal, aber wenn ich das bewusst in den Super­markt, ins Büro, in die Fam­i­lie mit­nehme, verän­dert es meinen ganzen Tag.

Die Ver­heißung: echte Seligkeit

Und jet­zt kommt das Beste: Jesus ver­spricht denen, die das Wort hören und bewahren, echte Seligkeit. Nicht ober­fläch­lich­es Glück, das von Umstän­den abhängt, son­dern tiefe, beständi­ge Freude, die aus der Gemein­schaft mit Gott erwächst. Diese Seligkeit ist unab­hängig davon, ob ger­ade alles glatt läuft oder ob ich durch schwierige Zeit­en gehe. Sie grün­det darauf, dass ich auf dem richti­gen Fun­da­ment ste­he, dass mein Leben in Übere­in­stim­mung mit Gottes gutem Willen ist, dass ich nicht ziel­los treibe, son­dern einen klaren Kurs habe.

Ich habe das selb­st erlebt: Die Zeit­en, in denen ich am zufrieden­sten war, waren nicht die, in denen äußer­lich alles per­fekt lief, son­dern die, in denen ich in engem Kon­takt mit Gottes Wort lebte und danach han­delte. Selb­st in Krisen gab es dann eine innere Sta­bil­ität, ein Wis­sen: Ich bin auf dem richti­gen Weg, ich gehöre zu Gottes Fam­i­lie, ich bin nicht allein.

Prak­tis­che Schritte

Wie kannst du also heute anfan­gen, das Wort Gottes nicht nur zu hören, son­dern zu bewahren? Hier ein paar Gedanken, die mir geholfen haben:

Erstens: Schaffe dir bewusst Raum für echt­es Hören. Das kann eine feste Zeit am Mor­gen sein, ein Spazier­gang mit Gott, ein Moment der Stille vor dem Schlafenge­hen. Wichtig ist, dass es regelmäßig geschieht und dass du wirk­lich präsent bist.

Zweit­ens: Werde konkret. Statt ganze Kapi­tel durchzuhet­zen, nimm dir einen Vers, eine Geschichte und frage: Was sagt mir das? Was will Gott mir zeigen? Wie kann ich das heute leben?

Drit­tens: Schreib es auf. Ein Tage­buch, eine Notiz-App, ein Merkzettel am Spiegel – wenn du auf­schreib­st, was Gott dir zeigt und wie du es umset­zen willst, bleibt es präsent.

Viertens: Suche Gemein­schaft. Es ist viel leichter, das Wort zu bewahren, wenn wir uns gegen­seit­ig ermuti­gen, her­aus­fordern und unter­stützen. Teile mit anderen, was du lernst, bitte um Rechen­schaft.

Fün­ftens: Sei geduldig mit dir selb­st. Das Bewahren des Wortes ist ein lebenslanger Prozess, kein Sprint. Du wirst scheit­ern, stolpern, vergessen. Aber Gottes Gnade ist jeden Mor­gen neu, und jed­er Tag ist eine neue Chance anz­u­fan­gen.

Zum Schluss

Lukas 11,28 ist eine Ein­ladung an jeden von uns – unab­hängig von Herkun­ft, Ver­gan­gen­heit oder Leis­tung. Jesus sagt: Wahres, tiefes, beständi­ges Glück find­est du, wenn du mein Wort hörst und bewahrst. Nicht nur kon­sum­ierst, nicht nur the­o­retisch zur Ken­nt­nis nimmst, son­dern wirk­lich in dein Leben inte­gri­erst und danach leb­st.

Die Frage ist: Bist du bere­it, diesen Weg zu gehen? Nicht den Weg des religiösen Kon­sums, son­dern den Weg der radikalen Nach­folge, bei dem das Wort Gottes dein Leben von innen her­aus verän­dert?

Es lohnt sich. Jesus ver­spricht es. Und Mil­lio­nen von Men­schen durch die Jahrhun­derte kön­nen es bezeu­gen: Wer das Wort Gottes hört und bewahrt, der find­et wahre Seligkeit.

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