Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

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Gnade und Friede vom Ewigen Gott und seinem Geist!

Beckblogger (1)

Offen­barung 1,4

“Johannes an die sieben Gemein­den in der Prov­inz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geis­tern, die vor seinem Thron sind.….” (LUTH 1984)

In Offen­barung 1,4 richtet sich Johannes an die sieben Gemein­den in Asien. Für die dama­li­gen Empfänger war sofort erkennbar, wer hier spricht: Johannes, der Jünger Jesu, Sohn des Zebedäus und Brud­er des Jakobus. Johannes gehört zu den prä­gen­den Gestal­ten des Neuen Tes­ta­ments. Er gilt als Ver­fass­er des Johan­ne­se­van­geli­ums, der drei Johan­nes­briefe und der Offen­barung. Aus der Apos­telgeschichte (12,2) wis­sen wir, dass sein Brud­er Jakobus der erste der Zwölf war, der als Mär­tyr­er starb. Für die Gemein­den war diese Verbindung von großer Bedeu­tung. Sie hörten die Worte eines Mannes, der Jesus per­sön­lich begeg­net war und dessen Leben tief im Glauben ver­wurzelt war.

Die sieben Gemein­den, an die Johannes in der Offen­barung schreibt, ste­hen nicht nur für konkrete Orte in der dama­li­gen Land­schaft Asien. Sie sind zugle­ich ein Bild für das ganze Volk Gottes – für die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen zu allen Zeit­en und an allen Orten. Die Zahl Sieben ist in der Bibel ein Zeichen für Voll­ständigkeit und göt­tliche Ord­nung. Deshalb geht es in der Offen­barung nicht allein um die his­torischen Gemein­den, son­dern um alle, die Jesus durch die Jahrhun­derte hin­durch zu sich ruft.

Wie Paulus im ersten Korinther­brief (6,20) schreibt, hat Chris­tus seine Gemeinde teuer erkauft: “Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe” (LUTH 1984). Er sam­melt sie und stellt sie in seinen Dienst. Gemeinde ist daher kein abstrak­ter Begriff, son­dern eine lebendi­ge Gemein­schaft von Men­schen, die mit­ten in der Welt leben und doch nicht von der Welt sind. Dieses Span­nungs­feld beschreibt Jesus ein­drück­lich in Johannes 17,14–18: Seine Jünger sind in der Welt, aber sie gehören nicht der Welt. Sie haben einen Auf­trag – den Dienst an Gott und den Men­schen.

Auch unsere heuti­gen Gemein­den sind Teil dieser großen, lebendi­gen Gemein­schaft. Sie wer­den immer wieder neu geformt, damit Gottes Gegen­wart und Liebe erfahrbar wer­den und Men­schen darin Heimat und Auf­trag find­en.

Die Botschaft der Offen­barung richtet sich auch heute unmit­tel­bar an uns. Wer sich zur Gemeinde Jesu zählt, gehört zu ein­er jahrtausendeal­ten Gemein­schaft, die durch Chris­tus selb­st ver­bun­den ist. Ob wir uns im kleinen Kreis oder in ein­er großen Ver­samm­lung tre­f­fen – wir alle sind ange­sprochen durch die Zusage von Gnade und Frieden, die Johannes im Namen Gottes den Gemein­den über­mit­telt. Dieser Gruß macht deut­lich: Friede und Gnade sind nicht bloß men­schliche Wün­sche. Sie kom­men von dem „der da ist und der da war und der da kommt“ – vom ewigen Gott, der alle Zeit­en umfasst und uns in sein­er Treue begleit­et.

Darum dür­fen wir jeden Tag mit Zuver­sicht leben. Gottes Gegen­wart und seine Ver­heißun­gen sind nicht ver­al­tet oder fern, son­dern lebendig und wirk­sam mit­ten in unserem Leben.

Von beson­der­er Bedeu­tung ist die Erwäh­nung der „sieben Geis­ter vor seinem Thron“. Sie ste­hen für die Fülle und Rein­heit des Heili­gen Geistes, der von Gott aus­ge­ht und seine Gemeinde leit­et. Damit wird deut­lich: Die Gemeinde lebt nicht aus eigen­er Kraft, son­dern wird durch Gottes Wirken getra­gen und geführt. Es ist die Kraft Gottes, die in uns und durch uns wirkt, wenn wir ihm ver­trauen und uns seinem Wort anver­trauen. Dieses Wis­sen schenkt uns Hoff­nung – und zugle­ich Ver­ant­wor­tung. Denn wir sind Teil eines göt­tlichen Plans, der niemals endet und in dem jedes einzelne Leben seinen fes­ten Platz hat.

Wer sich dieser Wirk­lichkeit bewusst wird, gewin­nt eine neue Per­spek­tive für das eigene Leben im Glauben. Es wird deut­lich, wie eng Ver­bun­den­heit und Gemein­schaft sind – nicht nur inner­halb zeitlich­er oder räum­lich­er Gren­zen, son­dern in ein­er geistlichen Real­ität, die alle Zeit­en und Orte umfasst. Unsere heutige Gemeinde ist daher nicht getren­nt von den sieben Gemein­den der Offen­barung, son­dern mit ihnen unmit­tel­bar ver­bun­den.

Diese Erken­nt­nis ruft uns dazu auf, die Sendung Jesu an seine Gemeinde ernst zu nehmen und aktiv am Dienst in der Welt mitzuwirken. Der Friede, den Chris­tus schenkt, ist zugle­ich Auf­trag und Kraftquelle. Er befähigt uns, inmit­ten der Her­aus­forderun­gen unser­er Zeit standzuhal­ten und zu han­deln.

Die Offen­barung lädt uns ein, nicht nur die his­torischen Hin­ter­gründe wahrzunehmen, son­dern die lebensverän­dernde Bedeu­tung dieser Worte für unser per­sön­lich­es und gemein­sames Glaubensleben zu ent­deck­en. Johannes spricht aus ein­er tiefen Gemein­schaft mit dem lebendi­gen Gott – eine Gemein­schaft, die auch uns heute offen­ste­ht. Die Gnade und der Friede, die er zusagt, sind ein kost­bares Geschenk. Im Glauben dür­fen wir sie annehmen, damit wir im All­t­ag gestärkt und ermutigt leben – getra­gen von dem Geist, der bei Gott wohnt und zugle­ich in uns wirkt. So wer­den wir selb­st ange­sprochen: Glauben zu leben, Gespräche zu führen und das Licht Jesu in die Welt zu tra­gen. Denn wir gehören zur großen Fam­i­lie Gottes, die niemals endet.

Weit­er heißt es: „Gnade sei mit euch und Friede.“ Bei­de Worte waren zur Zeit des Neuen Tes­ta­ments ver­traute Gruß­formeln. „‚Gnade‘ greift den im Griechen­tum üblichen Gruß auf, während ‚Friede‘ – ‚Schalom‘ – das tra­di­tionelle Gruß­wort Israels war.“ Johannes verbindet diese bei­den Worte miteinan­der, so wie es auch Paulus regelmäßig in seinen Briefen tut (vgl. Römer 1,7; 1. Korinther 1,3; 2. Korinther 1,2 u.a.). Damit wird deut­lich: Die Botschaft richtet sich an Men­schen aus unter­schiedlichen kul­turellen Hin­ter­grün­den und vere­int sie in der Zusage von Gottes Gnade und Frieden.

Die Worte „Gnade sei mit euch und Friede“ sind im Mund eines Zeu­gen Jesu keine leeren Floskeln, son­dern wer­den mit Leben gefüllt. Sie sind Aus­druck ein­er Wirk­lichkeit, die von Gott selb­st aus­ge­ht. Jed­er Glaubende, jed­er, der im Gebet für andere ein­tritt, jed­er, der sein Leben aus dem Opfer Jesu empfängt, darf im Auf­trag des Her­rn so grüßen und seg­nen. Schon im Alten Tes­ta­ment war der Segen an das Opfer gebun­den. Aaron erhob seine Hände und seg­nete das Volk, nach­dem das Opfer vol­l­zo­gen war (3. Mose 9,22–23). Eben­so sprach Gott selb­st den Aaroni­tis­chen Segen über Israel aus: „Der Herr seg­ne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leucht­en über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (4. Mose 6,24–26).

Wenn dies schon im Alten Bund galt, wie viel mehr gilt es nun im Neuen Bund, der durch das endgültige Opfer Jesu Christi besiegelt ist. Jed­er, der an Jesus glaubt, darf seg­nen, weil er selb­st geseg­net ist. Jed­er Glaubende ist berufen zu einem priester­lichen Dienst, wie es im ersten Petrus­brief heißt: „Ihr aber seid das auser­wählte Geschlecht, die königliche Priester­schaft, das heilige Volk, das Volk des Eigen­tums, dass ihr verkündi­gen sollt die Wohltat­en dessen, der euch berufen hat von der Fin­ster­n­is zu seinem wun­der­baren Licht” (1. Petrus 2,9 LUTH 1984). Auch die Offen­barung bezeugt, dass Chris­tus uns „zu Köni­gen und Priestern gemacht hat für Gott, seinen Vater“ (Offen­barung 1,6).

Darum gehören „Gnade“ und „Friede“ im Neuen Tes­ta­ment untrennbar zusam­men. Weil wir von Gott beg­nadigt sind, ste­hen wir nun in seinem Frieden. Paulus fasst es im Römer­brief so: „Da wir nun gerecht gewor­den sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Her­rn Jesus Chris­tus“ (Römer 5,1 LUTH 1984). Dieser Friede ist nicht nur ein inneres Gefühl, son­dern eine objek­tive Wirk­lichkeit, die auf dem Opfer Jesu grün­det. Wer diesen Frieden emp­fan­gen hat, kann mit Zuver­sicht weit­er­lesen in der Offen­barung und die Wege, die Gott durch sein prophetis­ches Wort eröffnet, hoff­nungsvoll weit­ergeben.

Das bedeutet für unser Leben heute: Wir sind nicht Zuschauer, son­dern Teil­haber an Gottes Geschichte. Wir dür­fen seg­nen, weil wir geseg­net sind. Wir dür­fen Frieden weit­ergeben, weil wir selb­st Frieden emp­fan­gen haben. Wir dür­fen Gnade bezeu­gen, weil wir selb­st beg­nadigt sind. Diese Hal­tung verän­dert unseren All­t­ag. Sie macht uns zu Men­schen, die nicht nur reden, son­dern han­deln, die nicht nur hören, son­dern leben. Jesus selb­st hat uns zuge­sagt: „Bit­tet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr find­en; klopfet an, so wird euch aufge­tan“ (Matthäus 7,7 LUTH 1984).

Wer diese Zusage ernst nimmt, erfährt, dass Gnade und Friede nicht nur Worte sind, son­dern eine Kraft, die trägt. Sie befähigt uns, inmit­ten der Her­aus­forderun­gen unser­er Zeit standzuhal­ten, Hoff­nung zu bewahren und Licht in die Dunkel­heit zu brin­gen. So wird die Gemeinde Jesu zu ein­er lebendi­gen Gemein­schaft, die Gottes Gegen­wart sicht­bar macht und sein Wort in die Welt trägt.

„Von dem, der da ist und der da war und der da kommt“ – so beschreibt Johannes den ewigen Gott. Es heißt nicht ein­fach: „Der sein wird“, son­dern aus­drück­lich: „Der kommt“. Das bedeutet, Gott ist nicht nur ein fern­er Gedanke an die Zukun­ft, son­dern er ist selb­st die Zukun­ft. Er ist immer im Kom­men, in Bewe­gung hinein in das, was vor uns liegt. Und zugle­ich bewegt er sich auf uns zu: Er ist schon zu uns gekom­men, er kommt heute, und er wird kom­men.

Diese Dynamik durchzieht die ganze Bibel. Wie eine dun­kle Lin­ie zieht sich die ern­ste Botschaft hin­durch, dass Gott sich wegen der Sünde von den Men­schen abwen­det. Das bedeutet Tren­nung, Gericht und Tod. Schon im Paradies wurde der Men­sch aus der Gegen­wart Gottes ver­stoßen (1. Mose 3,24). Der Prophet Hes­ekiel beschreibt, wie die Her­rlichkeit des Her­rn den Tem­pel ver­lässt (Hes­ekiel 11,23). Jesus selb­st spricht davon, dass Gott sein Volk ver­ließ, als er aus dem Tem­pel hin­aus­ging (Matthäus 21,17), und er warnt vor der endgülti­gen Tren­nung: „Geht weg von mir, ihr Ver­flucht­en, in das ewige Feuer“ (Matthäus 25,41 LUTH 1984). Auch die Offen­barung spricht davon, dass die Got­t­losen draußen bleiben müssen (Offen­barung 22,15).

Doch neben dieser dun­klen Lin­ie gibt es eine helle, leuch­t­ende Lin­ie, die das Evan­geli­um ist. Sie erzählt davon, dass Gott trotz unser­er Schuld und ger­ade um uns von der Macht der Sünde und ihren Fol­gen zu befreien, zu uns kommt. Er wen­det sich uns in seinem Erbar­men zu. Das ist die gute Nachricht: Gott kommt, um Leben zu schenken. Diese Span­nung zwis­chen Gericht und Gnade macht die Größe des Evan­geli­ums aus. Gott ist gerecht und heilig, er kann die Sünde nicht überse­hen. Aber er ist zugle­ich voller Erbar­men und Liebe, und darum kommt er selb­st in Jesus Chris­tus zu uns. Er trägt unsere Schuld, damit wir leben kön­nen. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einge­bore­nen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht ver­loren wer­den, son­dern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16 LUTH 1984).

So dür­fen wir die Worte der Offen­barung nicht nur als eine ferne Botschaft lesen, son­dern als eine unmit­tel­bare Zusage: Gott ist da, er war da, und er kommt. Er ist in Bewe­gung auf uns zu, und er will uns begeg­nen. Wer sich ihm öffnet, erfährt, dass diese Bewe­gung Leben bringt – heute, mor­gen und in Ewigkeit.

„Von den sieben Geis­tern, die vor seinem Thron sind“ – so beschreibt die Offen­barung den Heili­gen Geist. Die Kirchen­väter haben die Zahl Sieben als zusam­menge­set­zte Zahl ver­standen: Drei ste­ht für den dreieini­gen Gott, vier für die Welt mit ihren vier Him­mel­srich­tun­gen. In dieser Sym­bo­l­ik wird sicht­bar, dass der Heilige Geist in sein­er Sieben­faltigkeit dargestellt wird. Er ist der Geist, der vom Thron Gottes aus­ge­ht und in die ganze Welt gesandt wird, um Men­schen für Gott zu öff­nen und sie heimzubrin­gen.

Der Heilige Geist wirkt nicht nur äußer­lich, son­dern von innen her. Er schafft uns neu, er verän­dert unser Herz und bere­it­et uns auf die endgültige Heimkehr zu Gott vor. Sein Ziel ist es, uns zu Men­schen zu machen, die bere­it sind für die Gemein­schaft mit dem heili­gen Gott, mit den Engeln und mit den vol­len­de­ten Gerecht­en in Ewigkeit. Darum ist der Heilige Geist der heilende Geist. Er heilt die Tren­nung zwis­chen Gott und Men­sch, er heilt die Wun­den der Sünde, er heilt die innere Zer­ris­senheit. Er macht uns „hof­fähig“ für die Gegen­wart Gottes, damit wir nicht nur in der Ewigkeit, son­dern schon heute in der Gemein­schaft mit ihm leben kön­nen.

Die Bibel bezeugt diese heilende Kraft des Geistes immer wieder. Paulus schreibt: „Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Her­rn ist, da ist Frei­heit” (2. Korinther 3,17 LUTH 1984). Und Jesus selb­st ver­heißt: „Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erin­nern, was ich euch gesagt habe” (Johannes 14,26 LUTH 1984). So zeigt die Offen­barung: Der Heilige Geist ist nicht nur eine Kraft, son­dern die lebendi­ge Gegen­wart Gottes, die uns ver­wan­delt und heil macht. Er führt uns Schritt für Schritt auf dem Weg, der zur endgülti­gen Gemein­schaft mit Gott führt. Wer sich ihm öffnet, erfährt schon jet­zt, dass er nicht allein geht, son­dern von Gottes Geist getra­gen wird – bis hinein in die Vol­len­dung.

Dieses Wis­sen schenkt uns Hoff­nung und Ver­ant­wor­tung zugle­ich. Hoff­nung, weil wir wis­sen, dass wir nicht allein sind, son­dern von Gottes Geist erfüllt und geleit­et wer­den. Ver­ant­wor­tung, weil wir berufen sind, uns diesem Geist zu öff­nen und ihn nicht zu dämpfen, wie Paulus mah­nt: „Den Geist dämpft nicht“ (1. Thes­sa­lonich­er 5,19). Die Gemeinde Jesu lebt aus der Fülle des Heili­gen Geistes. Er ist die Kraft, die uns trägt, die Wahrheit, die uns leit­et, und die Gegen­wart, die uns mit Gott verbindet. Wer sich ihm anver­traut, erfährt, dass Gottes Geist nicht nur vor dem Thron ist, son­dern mit­ten unter uns wirkt – heute, mor­gen und bis in Ewigkeit.

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