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Wenn Macht sich in Glaubensgewänder hüllt: Warum Christen Unterscheidungskraft brauchen

In Zei­ten poli­ti­scher Unru­he und gesell­schaft­li­cher Spal­tung ste­hen Chris­ten vor einer der schwie­rigs­ten Auf­ga­ben über­haupt: die Fähig­keit zu bewah­ren, zwi­schen ech­tem Glau­ben und poli­ti­scher Instru­men­ta­li­sie­rung zu unter­schei­den. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, die nicht neu ist, denn schon die frü­hen Chris­ten muss­ten ler­nen, welt­li­che Macht von geist­li­cher Wahr­heit zu tren­nen. Doch heu­te, in einer Welt, in der Medi­en, Rhe­to­rik und Sym­bo­lik geschickt ein­ge­setzt wer­den, um Emo­tio­nen zu len­ken und Loya­li­tä­ten zu for­men, ist die­se Unter­schei­dungs­kraft wich­ti­ger denn je. Wenn poli­ti­sche Füh­rer wie Donald Trump und Wla­di­mir Putin christ­li­che Sym­bo­le nut­zen, sich mit Gläu­bi­gen umge­ben und reli­giö­se Spra­che ver­wen­den, ohne dass ihr Han­deln die Frucht des Geis­tes wider­spie­gelt, dann sind Chris­ten auf­ge­ru­fen, genau hin­zu­se­hen und zu prü­fen, ob das, was sie sehen, wirk­lich dem ent­spricht, was Jesus gelehrt und vor­ge­lebt hat.

Donald Trump ist ein Bei­spiel für eine Figur, die in den letz­ten Jah­ren vie­le Chris­ten fas­zi­niert und pola­ri­siert hat. Für man­che erscheint er als Ver­tei­di­ger tra­di­tio­nel­ler Wer­te, als jemand, der sich gegen Abtrei­bung aus­spricht, reli­giö­se Frei­heit betont und sich öffent­lich mit evan­ge­li­ka­len Lei­tern zeigt. Doch bei genaue­rem Hin­se­hen offen­bart sich ein Bild, das weit ent­fernt ist von dem, was die Bibel als christ­li­ches Leben beschreibt. Es ist nicht die Fra­ge, ob jemand per­fekt sein muss, um als Christ zu gel­ten, denn nie­mand ist ohne Sün­de. Viel­mehr geht es dar­um, ob jemand die grund­le­gen­den Prin­zi­pi­en des Evan­ge­li­ums in sei­nem Han­deln wider­spie­gelt: Demut, Barm­her­zig­keit, Wahr­heit, Gerech­tig­keit und Lie­be zum Nächs­ten. Wenn ein Mensch die­se Wer­te nicht nur gele­gent­lich ver­fehlt, son­dern sys­te­ma­tisch miss­ach­tet und sogar für eige­ne Zwe­cke miss­braucht, dann ist es die Pflicht der Gläu­bi­gen, dies zu benen­nen und sich nicht blen­den zu las­sen.

Die Bibel warnt uns ein­dring­lich davor, uns von äuße­rem Schein täu­schen zu las­sen. Jesus selbst sag­te in Mat­thä­us 7, 15: “Hütet euch vor den fal­schen Pro­phe­ten, die in Schaf­s­klei­dern zu euch kom­men, inwen­dig aber rei­ßen­de Wöl­fe sind. An ihren Früch­ten wer­det ihr sie erken­nen.

Die­se Wor­te sind zeit­los und gel­ten nicht nur für reli­giö­se Lei­ter, son­dern für jeden, der vor­gibt, im Namen Got­tes oder christ­li­cher Wer­te zu han­deln. Die Früch­te, von denen Jesus spricht, sind nicht poli­ti­sche Sie­ge oder wirt­schaft­li­cher Erfolg, son­dern die Früch­te des Geis­tes, die Pau­lus in Gala­ter 5,22 beschreibt: “Die Frucht des Geis­tes aber ist Lie­be, Freu­de, Frie­de, Lang­mut, Freund­lich­keit, Güte, Treue, Sanft­mut, Selbst­be­herr­schung” Wenn die­se Früch­te feh­len und statt­des­sen Spal­tung, Hass, Lügen und Grau­sam­keit sicht­bar wer­den, dann soll­ten Chris­ten inne­hal­ten und fra­gen, ob sie wirk­lich einem Men­schen fol­gen, der Chris­tus reprä­sen­tiert, oder ob sie einer poli­ti­schen Agen­da auf den Leim gegan­gen sind, die sich ledig­lich reli­giö­ser Spra­che bedient.

Es ist eine bit­te­re Rea­li­tät, dass vie­le Chris­ten in den letz­ten Jah­ren ihre kri­ti­sche Urteils­kraft ver­lo­ren haben. Sie haben sich von cha­ris­ma­ti­schen Reden, von Ver­spre­chun­gen und von der Angst vor gesell­schaft­li­chem Wan­del so sehr ver­ein­nah­men las­sen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, das Han­deln eines Men­schen mit den Leh­ren Jesu abzu­glei­chen. Sie sehen einen Poli­ti­ker, der behaup­tet, für sie zu kämp­fen, und über­se­hen dabei, dass die­ser Mensch gleich­zei­tig Flücht­lin­ge jagt, Fami­li­en aus­ein­an­der­reißt, Gewalt schürt und demo­kra­ti­sche Prin­zi­pi­en unter­gräbt. Sie hören Wor­te über Gesetz und Ord­nung und über­se­hen, dass auf Men­schen geschos­sen wird, die ver­zwei­felt sind, die Schutz suchen, die in ihrer Not auf Barm­her­zig­keit hof­fen. Sie sehen Bil­der von Bibeln, die in die Höhe gehal­ten wer­den, und über­se­hen, dass die­se Ges­te leer ist, wenn sie nicht von einem Leben beglei­tet wird, das die Bot­schaft die­ser Bibel ernst nimmt.

Die Ero­si­on der Demo­kra­tie geschieht sel­ten in einem dra­ma­ti­schen Moment, son­dern in klei­nen, schlei­chen­den Schrit­ten. Ein Angriff auf die Pres­se­frei­heit hier, eine Ver­un­glimp­fung von Rich­tern dort, eine Ermu­ti­gung zu Gewalt in einer Rede, eine Wei­ge­rung, Wahl­er­geb­nis­se anzu­er­ken­nen. Jeder die­ser Schrit­te mag für sich genom­men klein erschei­nen, doch zusam­men bil­den sie ein Mus­ter, das erschre­ckend ist. Für Chris­ten soll­te dies beson­ders alar­mie­rend sein, denn die Bibel ruft uns dazu auf, Gerech­tig­keit zu lie­ben und für die Schwa­chen ein­zu­ste­hen. In Sprü­che 31,8–9 heißt es: “Dei­ne Sache aber ist es, für Recht zu sor­gen. Sprich für alle, die sich selbst nicht hel­fen kön­nen. Sprich für die Armen und Schwa­chen, nimm sie in Schutz und ver­hilf ihnen zu ihrem Recht!” Wenn ein poli­ti­scher Füh­rer sys­te­ma­tisch gegen die­se Prin­zi­pi­en ver­stößt, wenn er Schwa­che aus­grenzt, Arme ver­ach­tet und Macht miss­braucht, dann kön­nen Chris­ten nicht schwei­gen oder ihn ver­tei­di­gen, nur weil er vor­gibt, auf ihrer Sei­te zu ste­hen.

Es ist wich­tig zu ver­ste­hen, dass die Bewun­de­rung, die vie­le Chris­ten für Figu­ren wie Donald Trump emp­fin­den, nicht aus dem Nichts kommt. Sie wur­zelt in ech­ter Angst, in dem Gefühl, dass tra­di­tio­nel­le Wer­te bedroht sind, dass die Gesell­schaft sich in eine Rich­tung bewegt, die ihnen fremd ist. Die­se Ängs­te sind real und ver­die­nen Mit­ge­fühl. Doch die Ant­wort auf Angst darf nie­mals sein, sich einem Men­schen anzu­schlie­ßen, der Hass sät, Lügen ver­brei­tet und Gewalt legi­ti­miert.

Jesus hat nie ver­spro­chen, dass das Leben ein­fach sein wird oder dass Chris­ten immer die Mehr­heit bil­den wer­den. Im Gegen­teil, er sag­te in Johan­nes 16,33: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt über­wun­den.” Die­se Zuver­sicht ist nicht poli­tisch, son­dern geist­lich, und sie befreit Chris­ten davon, ihre Hoff­nung auf mensch­li­che Macht­ha­ber zu set­zen.

Die Ver­blen­dung, die vie­le Gläu­bi­ge erfasst hat, zeigt sich auch dar­in, dass sie bereit sind, mora­li­sche Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen, die sie bei ande­ren nie­mals akzep­tie­ren wür­den. Wenn ein Poli­ti­ker lügt, wird es als Stra­te­gie ver­harm­lost. Wenn er belei­digt, wird es als Stär­ke gedeu­tet. Wenn er Gewalt androht, wird es als not­wen­di­ge Här­te gerecht­fer­tigt. Doch die Bibel kennt sol­che dop­pel­ten Maß­stä­be nicht. In Jako­bus 3,10 steht: “Aus ein und dem­sel­ben Mund kom­men Segen und Fluch. Das soll nicht so sein, mei­ne Brü­der.” Chris­ten sind auf­ge­ru­fen, inte­ger zu sein, Wahr­heit zu spre­chen und Unge­rech­tig­keit zu benen­nen, unab­hän­gig davon, wer sie begeht. Wenn sie dies nicht tun, ver­lie­ren sie nicht nur ihre mora­li­sche Glaub­wür­dig­keit, son­dern auch ihr Zeug­nis in der Welt.

Es ist auch not­wen­dig, über die kon­kre­ten Sze­nen zu spre­chen, die sich in den letz­ten Jah­ren abge­spielt haben. Bil­der von Kin­dern, die von ihren Eltern getrennt wer­den, von Men­schen, die in über­füll­ten Lagern fest­ge­hal­ten wer­den, von Gewalt gegen fried­li­che Demons­tran­ten. Die­se Bil­der sind nicht abs­trakt, sie sind mensch­li­che Tra­gö­di­en, und sie for­dern eine Ant­wort von denen, die behaup­ten, Chris­tus nach­zu­fol­gen. Jesus iden­ti­fi­zier­te sich zutiefst mit den Aus­ge­grenz­ten und Ver­folg­ten. In Mat­thä­us 25,40 sagt er: “Was ihr einem von die­sen mei­nen gerings­ten Brü­dern getan habt, das habt ihr mir getan.”

Die Wie­der­ge­win­nung der Unter­schei­dungs­kraft beginnt mit der Bereit­schaft, ehr­lich zu sein. Ehr­lich über die eige­nen Ängs­te, ehr­lich über die eige­nen Vor­ur­tei­le, ehr­lich über die Ver­su­chung, Macht über Wahr­heit zu stel­len. Sie erfor­dert auch die Demut, zuzu­ge­ben, dass man sich viel­leicht geirrt hat, dass man sich hat blen­den las­sen, dass man poli­ti­sche Loya­li­tät über geist­li­che Treue gestellt hat. Die­se Demut ist kei­ne Schwä­che, son­dern eine Stär­ke, denn sie öff­net den Weg zur Umkehr und zur Erneue­rung. In Sprü­che 3, 5–7 heißt es: “Ver­traue auf den Herrn von gan­zem Her­zen und ver­lass dich nicht auf dei­nen Ver­stand. Erken­ne ihn auf allen dei­nen Wegen, so wird er dei­ne Pfa­de ebnen. Hal­te dich nicht selbst für wei­se, fürch­te den Herrn und wei­che vom Bösen.” Die­se Wor­te erin­nern dar­an, dass ech­te Weis­heit nicht aus poli­ti­scher Klug­heit oder mensch­li­cher Stär­ke kommt, son­dern aus der Furcht des Herrn und der Bereit­schaft, sei­nem Wort zu fol­gen.

Letzt­lich geht es dar­um, dass Chris­ten wie­der ler­nen müs­sen, ihre Iden­ti­tät nicht in poli­ti­schen Bewe­gun­gen oder cha­ris­ma­ti­schen Füh­rern zu fin­den, son­dern in Chris­tus allein. Die Ver­su­chung, das Reich Got­tes mit poli­ti­scher Macht zu ver­wech­seln, ist alt und gefähr­lich. Jesus selbst wider­stand die­ser Ver­su­chung, als Satan ihm alle Rei­che der Welt anbot. Er wähl­te statt­des­sen den Weg des Kreu­zes, den Weg der Selbst­hin­ga­be und der Lie­be. Die­ser Weg ist nicht popu­lär, er bringt kei­ne sofor­ti­gen Sie­ge und kei­ne irdi­sche Macht, aber er ist der Weg, der Leben bringt. Chris­ten, die die­sem Weg fol­gen, wer­den nicht nach Macht grei­fen, son­dern nach Gerech­tig­keit stre­ben, nicht nach Sieg, son­dern nach Ver­söh­nung, nicht nach Domi­nanz, son­dern nach Demut. Sie wer­den erken­nen, dass die wah­re Bedro­hung für ihren Glau­ben nicht von außen kommt, son­dern von innen, wenn sie zulas­sen, dass poli­ti­sche Ideo­lo­gien ihre Her­zen ver­här­ten und ihre Augen für die Not der Men­schen ver­schlie­ßen.

Dar­um müs­sen Chris­ten neu ler­nen zu unter­schei­den, wer wirk­lich zu Chris­tus gehört und wer nicht. Nicht jeder, der vor­gibt, ein Christ zu sein, ist auch ein Nach­fol­ger Jesu. Nicht jede from­me Spra­che, nicht jedes reli­giö­se Sym­bol und nicht jede öffent­li­che Bekennt­nis­form ent­spricht einem erneu­er­ten Her­zen. Jesus selbst warn­te davor, dass es vie­le geben wird, die sei­nen Namen nen­nen, aber sei­ne Wege nicht gehen. Wah­re Jün­ger­schaft zeigt sich nicht in Wor­ten, son­dern in Frucht – in Gehor­sam, Lie­be, Demut und Treue. Chris­ten dür­fen nicht naiv sein: Es gibt fal­sche Brü­der, es gibt Täu­schung, es gibt reli­giö­se Mas­ken. Des­halb braucht es geist­li­che Unter­schei­dung, die sich am Wort Got­tes ori­en­tiert und nicht an äuße­ren Ein­drü­cken.

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