Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Die Liebe Gottes: Zwischen Worten und Wirklichkeit!

Beckblogger (4)

In unser­er heuti­gen Zeit hören wir über­all von der Liebe Gottes. Sie wird gepredigt, besun­gen und in unzäh­li­gen Gesprächen erwäh­nt. Men­schen sprechen davon, wie groß und bedin­gungs­los diese Liebe sei, wie sie alles umfasst und jeden Men­schen erre­ichen möchte. Doch wenn wir genauer hin­se­hen, stellt sich eine ernüchternde Frage: Wie viele von denen, die mit so großen Worten von der Liebe Gottes reden, tra­gen diese Liebe wirk­lich im Herzen und leben sie im All­t­ag aus? Es scheint, als ob zwis­chen dem, was mit dem Mund bekan­nt wird, und dem, was im Leben sicht­bar wird, oft eine tiefe Kluft beste­ht.

Die Heilige Schrift macht deut­lich, dass die Liebe Gottes nicht nur ein the­ol­o­gis­ches Konzept oder eine schöne Idee ist, son­dern eine lebendi­ge Kraft, die das Herz des Men­schen ver­wan­delt. In 1. Johannes 4,8 lesen wir, dass Gott Liebe ist: “Wer nicht liebt, der ken­nt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.” Diese ein­fache und doch so gewaltige Aus­sage zeigt uns, dass Liebe nicht nur eine Eigen­schaft Gottes ist, son­dern sein Wesen selb­st. Wer Gott wirk­lich begeg­net ist, wer seine Liebe erfahren hat, kann nicht unverän­dert bleiben. Die Liebe Gottes dringt in die tief­sten Schicht­en unseres Seins ein und begin­nt dort ein Werk der Erneuerung, das unser ganzes Leben erfasst.

Wenn jemand behauptet, die Liebe Gottes zu ken­nen, sie aber nicht in sich trägt, offen­bart sich darin ein grundle­gen­des Prob­lem. Das zeigt sich in vie­len alltäglichen Hal­tun­gen: wenn Men­schen Fein­desliebe predi­gen, aber selb­st Groll hegen; wenn sie von Verge­bung sprechen, aber alte Ver­let­zun­gen fes­thal­ten; wenn sie die Liebe Gottes verkün­den, aber über andere reden, sie verurteilen oder schlecht­machen. Wo Bit­terkeit statt Barmherzigkeit herrscht, wo Stolz statt Demut regiert, wo Mis­strauen statt Ver­trauen wächst, wird sicht­bar, dass die Liebe Gottes nicht wirk­lich Raum im Herzen gefun­den hat.

Wahre Gottes­liebe verän­dert unser Wesen – sie macht uns san­ft, geduldig, wahrhaftig und bere­it, den anderen höher zu acht­en als uns selb­st.

Es ist möglich, religiöse Sprache zu beherrschen, bib­lis­che Wahrheit­en zu zitieren und sich in from­men Kreisen zu bewe­gen, ohne dass das Herz wirk­lich von Gottes Liebe durch­drun­gen ist. Jesus selb­st sprach die Phar­isäer sein­er Zeit auf genau diesen Wider­spruch an. Sie kan­nten die Schriften, sie lehrten das Gesetz, sie hiel­ten äußer­lich viele Vorschriften ein, doch ihre Herzen waren kalt und hart. In Matthäus 23,23 tadelt Jesus sie, weil sie das Wichtig­ste im Gesetz ver­nach­läs­sigt haben, näm­lich Recht, Barmherzigkeit und Treue: “Wehe euch, ihr Geset­zeslehrer und Phar­isäer, ihr Heuch­ler! Ihr gebt noch von Garten­minze, Dill und Küm­mel den zehn­ten Teil, lasst aber die wichtigeren Forderun­gen des Geset­zes außer Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben­streue! Das eine hät­tet ihr tun und das andere nicht lassen sollen!”

Äußere Reli­giosität ohne innere Ver­wand­lung ist wie ein prachtvoller Baum ohne Frucht, wie ein klin­gen­des Erz oder eine lär­mende Zim­bel, wie Paulus es in 1. Korinther 13 beschreibt: “Wenn ich die Sprachen von Men­schen und Engeln sprechen kön­nte, aber keine Liebe hätte, wäre ich ein schep­pern­des Blech, eine lär­mende Klin­gel.”

Die wahre Liebe Gottes zeigt sich nicht in vie­len Worten, son­dern in konkreten Tat­en. Johannes schreibt in seinem ersten Brief im drit­ten Kapi­tel, Vers 18: “Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur in schö­nen Worten beste­hen; unser Tun muss ein echter Beweis dafür sein.” Diese Auf­forderung ist ein­deutig und lässt keinen Raum für Aus­flüchte. Wer die Liebe Gottes in sich trägt, wird sie unweiger­lich durch sein Han­deln zum Aus­druck brin­gen. Er wird barmherzig sein mit denen, die gefall­en sind, geduldig mit denen, die langsam vorankom­men, und großzügig mit denen, die in Not sind. Die Liebe Gottes macht uns nicht zu per­fek­ten Men­schen, aber sie macht uns zu Men­schen, die sich nach Gerechtigkeit, Güte und Demut ausstreck­en.

Das Prob­lem beste­ht darin, dass viele Men­schen eine intellek­tuelle Zus­tim­mung zur Liebe Gottes mit ein­er echt­en Herzenser­fahrung ver­wech­seln. Sie haben von der Liebe Gottes gehört, sie haben sie the­ol­o­gisch ver­standen, vielle­icht haben sie auch emo­tion­al berührende Momente in Gottes­di­en­sten erlebt. Doch all dies erset­zt nicht die tiefe, per­sön­liche Begeg­nung mit Gott, in der sein Geist unser Herz berührt und ver­wan­delt. Paulus betet in Eph­eser 3,17–19: “Ich bitte ihn, dass Chris­tus durch den Glauben in euch lebt und ihr fest in sein­er Liebe wurzelt und auf sie gegrün­det seid. Ich bitte ihn, dass ihr zusam­men mit der ganzen Gemein­schaft der Glauben­den begreifen lernt, wie uner­messlich reich euch Gott beschenkt. Ihr sollt die Liebe erken­nen, die Chris­tus zu uns hat und die alle Erken­nt­nis über­steigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekom­men an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.”

Dieses Begreifen ist nicht nur ein gedanklich­es Ver­ste­hen, son­dern ein exis­ten­zielles Erfassen, das unser ganzes Sein erfasst.

Wenn die Liebe Gottes wirk­lich in einem Men­schen wohnt, wird dies sicht­bar in der Art, wie er mit anderen umge­ht. Er wird nicht schnell richt­en und verurteilen, son­dern ver­suchen zu ver­ste­hen und zu vergeben. Er wird nicht nur an sein eigenes Wohl denken, son­dern auch die Nöte und Bedürfnisse ander­er wahrnehmen. Er wird nicht nach­tra­gend sein, son­dern bere­it zur Ver­söh­nung. All diese Eigen­schaften sind keine natür­lichen men­schlichen Tugen­den, die wir aus eigen­er Kraft her­vor­brin­gen kön­nen. Sie sind vielmehr Früchte des Heili­gen Geistes, der in uns wirkt und uns nach dem Bild Christi formt. In Galater 5,22 wer­den diese Früchte aufgezählt: “Liebe, Freude, Friede, Geduld, Fre­undlichkeit, Güte, Treue, San­ft­mut und Selb­st­be­herrschung.” Wo diese Dinge fehlen, muss die Frage erlaubt sein, ob die Liebe Gottes wirk­lich im Herzen regiert.

Es gibt viele Gründe, warum Men­schen über die Liebe Gottes sprechen, ohne sie in sich zu tra­gen. Manch­mal liegt es daran, dass sie nie eine echte Bekehrung erlebt haben, son­dern nur eine religiöse Tra­di­tion über­nom­men haben. Manch­mal haben sie sich von der lebendi­gen Beziehung zu Gott ent­fer­nt und leben aus der Erin­nerung ver­gan­gener Erfahrun­gen. Manch­mal sind sie ver­let­zt wor­den und haben ihr Herz ver­schlossen, sodass die Liebe Gottes keinen Raum mehr find­et. Und manch­mal haben sie ein­fach die Pri­or­itäten falsch geset­zt und ihr Leben so sehr mit anderen Din­gen gefüllt, dass für die Liebe Gottes kein Platz mehr bleibt. In jedem Fall ist die Lösung dieselbe: eine Rück­kehr zu Gott, eine Erneuerung der Beziehung, ein Öff­nen des Herzens für sein Wirken.

Jesus selb­st ist das vol­lkommene Vor­bild dafür, wie die Liebe Gottes gelebt wer­den soll. Er sprach nicht nur von Liebe, er verkör­perte sie in jed­er Begeg­nung, in jedem Wort, in jed­er Hand­lung. Er heilte die Kranken, speiste die Hun­gri­gen, tröstete die Trau­ri­gen und suchte die Ver­lore­nen. Er ging auf die zu, die von der Gesellschaft aus­gestoßen waren, und schenk­te ihnen Würde und Hoff­nung. Seine Liebe war nicht wäh­lerisch oder berech­nend, son­dern bedin­gungs­los und opfer­bere­it. Am Kreuz von Gol­gatha zeigte sich die Liebe Gottes in ihrer rein­sten und vol­lkom­men­sten Form. Römer 5,8 sagt uns: “Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Chris­tus für uns gestor­ben ist, als wir noch Sün­der waren.” Diese Liebe fordert uns nicht auf, erst würdig zu wer­den, son­dern nimmt uns an, wie wir sind, und ver­wan­delt uns dann von innen her­aus.

Wer die Liebe Gottes in sich tra­gen möchte, muss bere­it sein, sich von Gott verän­dern zu lassen. Das bedeutet, dass wir unser Herz vor ihm öff­nen und ihm erlauben, die Bere­iche zu berühren, die wir bish­er ver­schlossen gehal­ten haben. Es bedeutet, dass wir ehrlich zu uns selb­st und zu Gott sind über unsere Schwächen, unsere Äng­ste und unsere Sün­den. Es bedeutet auch, dass wir uns Zeit nehmen, in sein­er Gegen­wart zu sein, sein Wort zu lesen, zu beten und auf seine Stimme zu hören. Die Liebe Gottes wächst in uns nicht automa­tisch, son­dern durch die beständi­ge Pflege unser­er Beziehung zu ihm.

Das bedeutet auch, von sich selb­st wegzuse­hen und nicht ständig um das eigene Ich zu kreisen, son­dern den Blick bewusst auf Chris­tus zu richt­en. Solange wir nur unsere Gefüh­le, unsere Sor­gen, unsere Ver­let­zun­gen oder unsere Wün­sche betra­cht­en, bleibt unser Herz eng und unfrei. Doch wenn wir auf Chris­tus schauen – auf seine Liebe, seine Treue, seine Gegen­wart –, begin­nt unser Inneres sich zu weit­en.

Die Liebe Gottes wächst dort, wo wir uns selb­st weniger wichtig nehmen und Chris­tus den ersten Platz geben.

Wer auf ihn schaut, wird verän­dert: weg vom Ego, hin zur Hingabe; weg von der Selb­st­be­zo­gen­heit, hin zur Liebe, die von Gott kommt.

Ein weit­er­er wichtiger Aspekt ist, dass wir ler­nen müssen, die Liebe Gottes anzunehmen, bevor wir sie weit­ergeben kön­nen. Viele Chris­ten kämpfen damit, sich selb­st als geliebt zu erfahren. Sie glauben zwar the­o­retisch an die Liebe Gottes, aber in ihrem Herzen fühlen sie sich unwürdig, abgelehnt oder nicht gut genug. Solange diese innere Block­ade beste­ht, wird es schwierig sein, die Liebe Gottes an andere weit­erzugeben. Wir kön­nen nur das geben, was wir selb­st emp­fan­gen haben. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns immer wieder neu der Liebe Gottes aus­set­zen, dass wir sie in unser Herz aufnehmen und uns von ihr erfüllen lassen.

Doch um geliebt zu wer­den, suchen viele Chris­ten ihren Platz in seel­sorg­er­lichen Dien­sten – nicht, um die Liebe Gottes weit­erzugeben, son­dern um Bestä­ti­gung zu erhal­ten. Sie hof­fen, durch ihr Engage­ment Anerken­nung zu find­en, gese­hen zu wer­den, gebraucht zu sein. Doch wer dient, um geliebt zu wer­den, trägt eine Last, die Gott nie auf unsere Schul­tern gelegt hat. Solch­er Dienst erschöpft, macht abhängig von Men­schen und führt oft zu Ent­täuschung.

Wahre Seel­sorge fließt nicht aus einem Man­gel, son­dern aus der Fülle der Liebe Gottes.

Erst wenn wir uns von ihm geliebt wis­sen, kön­nen wir anderen dienen, ohne etwas zurück­zuer­warten – frei, ehrlich und getra­gen von sein­er Gnade.

Die Welt braucht drin­gend Men­schen, die nicht nur von der Liebe Gottes reden, son­dern sie auch ausstrahlen. In ein­er Zeit, die von Ego­is­mus, Hass, Spal­tung und Gle­ichgültigkeit geprägt ist, ist die Liebe Gottes wie ein Licht in der Dunkel­heit. Sie hat die Kraft, Mauern einzureißen, Wun­den zu heilen und Leben zu verän­dern. Doch diese Kraft kann sich nur dann ent­fal­ten, wenn sie durch Men­schen fließt, die sich von Gott haben erneuern lassen. Jesus sagte in Johannes 13,35: “Daran wird jed­er­mann erken­nen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untere­inan­der habt.”

Die Liebe ist also das Erken­nungsze­ichen echter Nach­folge, das Siegel, das bestätigt, dass wir wirk­lich zu Chris­tus gehören.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir alle immer wieder in die Falle tap­pen, mehr zu reden als zu leben, mehr zu wis­sen als zu tun. Doch Gott ist geduldig mit uns und gibt uns immer wieder neue Chan­cen, zu wach­sen und uns zu verän­dern. Wichtig ist, dass wir nicht bei der bloßen Erken­nt­nis ste­hen bleiben, son­dern konkrete Schritte unternehmen, um die Liebe Gottes in unserem Leben Wirk­lichkeit wer­den zu lassen. Das kann bedeuten, dass wir jeman­dem vergeben müssen, mit dem wir zer­strit­ten sind. Das kann bedeuten, dass wir uns Zeit nehmen für einen ein­samen Men­schen. Das kann bedeuten, dass wir großzügig sind mit unserem Besitz oder unseren Fähigkeit­en. Jede Tat der Liebe, mag sie noch so klein erscheinen, ist ein Zeug­nis dafür, dass die Liebe Gottes in uns lebendig ist.

Abschließend bleibt festzuhal­ten, dass die Liebe Gottes keine optionale Zugabe zum christlichen Glauben ist, son­dern sein Kern und seine Essenz. Ohne diese Liebe ist alles andere hohl und leer. Mit dieser Liebe aber wird unser Leben zu einem Zeug­nis der Her­rlichkeit Gottes und zu einem Segen für die Men­schen um uns herum. Möge Gott uns helfen, nicht nur Hör­er und Red­ner zu sein, son­dern Täter der Liebe, die er uns vorgelebt und geschenkt hat.

Ähnliche Beiträge