Die Faulheit vieler Christen ist ein ernstes Problem, das die Kirche unserer Zeit in vielerlei Hinsicht schwächt und daran hindert, ihre wahre Berufung in der Welt zu erfüllen. Es ist eine erschütternde Realität, dass viele Gläubige zwar den Namen Jesu bekennen, doch in ihrem Leben eine Trägheit an den Tag legen, die sowohl ihr persönliches geistliches Wachstum als auch das Zeugnis der Gemeinde beeinträchtigt. Diese Faulheit zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen und hat tiefgreifende Auswirkungen, die weit über den Einzelnen hinausgehen. Sie betrifft sowohl die biblische Lehre, die persönliche Nachfolge, den Dienst in der Gemeinde als auch die Bereitschaft, für die Wahrheit des Evangeliums einzutreten und zu kämpfen. Dabei ist die Heilige Schrift eindeutig: Unser Glaube ist nicht passiv, sondern fordert uns auf, aktiv zu handeln, zu wachsen und uns treu in den Dienst Gottes zu stellen.
Ein grundlegendes Problem ist die Faulheit vieler Christen, dass sie sich nicht tiefgehend mit der biblischen Lehre auseinandersetzen. Es ist eine traurige Tatsache, dass viele Gläubige lediglich an der Oberfläche der Schrift verweilen, ohne in die Tiefen der Wahrheiten Gottes einzudringen. Sie begnügen sich mit oberflächlichen Kenntnissen, die häufig aus einer losen Aneinanderreihung von Bibelversen bestehen, die sie in Predigten gehört oder in Andachtsbüchern gelesen haben. Doch die Bibel fordert uns auf, in der Erkenntnis Gottes zu wachsen. In 2. Timotheus 2,15 heißt es: „Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt.“ Dies erfordert Fleiß, Hingabe und eine tiefe Liebe zur Heiligen Schrift. Es genügt nicht, die Bibel gelegentlich zu lesen oder sich auf die Auslegung anderer zu verlassen. Gott ruft uns dazu auf, sein Wort selbst zu erforschen, es zu studieren und darüber nachzusinnen, damit es unser Herz und unseren Verstand durchdringt. Doch viele ziehen es vor, geistlich träge zu bleiben und sich mit einem oberflächlichen Glauben zufriedenzugeben, der sie letztlich nicht in die Tiefe führt.
Ebenso zeigt sich Faulheit in der mangelnden Bereitschaft, die wahre Nachfolge Jesu zu leben. Jesus sagte in Lukas 9,23: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ Doch diese radikale Hingabe, die Verleugnung des eigenen Ichs und das tägliche Tragen des Kreuzes, ist für viele Christen eine enorme Herausforderung, der sie lieber ausweichen. Stattdessen verfolgen sie einen bequemen Glauben, der keine Opfer verlangt und keine tiefgreifenden Veränderungen in ihrem Leben bewirkt.
Viele Christen bleiben auf einem geistlichen Niveau stehen, das sie längst hätten hinter sich lassen können. Sie schleppen dieselben inneren Konflikte, dieselben ungeordneten Wünsche, dieselben Verletzungen und dieselben Ausweichmechanismen mit sich herum wie vor Jahren. Manchmal wirkt es, als hätten sie sich mit einem Zustand arrangiert, der weder wirklich gesund noch wirklich heilig ist – aber bequem. Sie hören Predigten, sie besuchen Gottesdienste, sie kennen die richtigen Worte – und doch bleibt ihr Leben erstaunlich unverändert. Nicht, weil Gott ihnen die Kraft zur Erneuerung verweigern würde, sondern weil sie selbst die entscheidenden Schritte meiden. Wachstum kostet Mut. Veränderung kostet Hingabe. Heiligung kostet das Loslassen alter Sicherheiten. Und genau das scheuen viele.
So entsteht ein Christsein, das äußerlich stabil wirkt, innerlich aber kaum Tiefe besitzt. Ein Glaube, der tröstet, aber nicht durchdringt. Ein Bekenntnis, das gesprochen wird, aber nicht geformt hat. Ein Leben, das sich christlich nennt, aber kaum Spuren des Kreuzes trägt.
Es ist einfacher, sich an die Werte und Gewohnheiten dieser Welt anzupassen, als den schmalen Weg der Nachfolge zu gehen. Doch Jesus warnt uns: „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!“ (Matthäus 7, 13–14). Die wahre Nachfolge erfordert Mut, Entschlossenheit und die Bereitschaft, unser eigenes Leben zurückzustellen, um Christus zu dienen. Doch viele Christen halten an einem Leben fest, das bequem und sicher ist, und vernachlässigen die Nachfolge, die sie zu einem Zeugnis für die Welt macht.
Viele Christen sagen: Nachfolge – ja, aber bitte ohne Konsequenzen.
Jesus – ja, aber nur der Jesus, der mich bestätigt, nicht der, der mich verändert. Glaube – ja, aber bitte ohne Kreuz.
So entsteht ein Christsein, das äußerlich fromm wirkt, innerlich aber kaum Berührung mit dem wahren Christus hat. Wir formen uns einen Jesus nach Maß: einen Jesus, der uns nicht widerspricht, der uns nicht herausfordert, der uns nicht zur Umkehr ruft. Einen Jesus, der unsere Wünsche segnet, aber nicht unsere Sünde ans Licht bringt. Einen Jesus, der uns Frieden gibt, aber nicht Heiligung fordert.
Doch dieser selbstgebastelte Jesus ist nicht der Jesus der Schrift. Er ist ein Spiegelbild unserer Wünsche, nicht der Herr, der zur Nachfolge ruft. Er ist ein Produkt unserer Bequemlichkeit, nicht der Sohn Gottes, der uns zur Umkehr ruft. Er ist ein Götze – freundlich, harmlos, gefällig –, aber kein Retter.
So selektieren wir Bibelverse wie in einem Selbstbedienungsladen:
Die Verse über Liebe, Trost und Gnade – gern.
Die Verse über Buße, Heiligung und Selbstverleugnung – lieber nicht.
Die Worte Jesu über das Kreuz – unbequem.
Seine Worte über Gehorsam – herausfordernd.
Seine Warnungen – zu scharf.
Doch wer so mit der Heiligen Schrift umgeht, verliert den Christus der Schrift. Denn Jesus lässt sich nicht teilen. Er ist nicht nur der Tröster, sondern auch der Herr. Nicht nur der Freund, sondern auch der König. Nicht nur der, der vergibt, sondern auch der, der verwandelt. Nicht nur der, der annimmt, sondern auch der, der sendet.
Die Nachfolge Jesu beginnt dort, wo wir aufhören, uns unseren eigenen Jesus zu basteln – und anfangen, dem Jesus der Bibel zu begegnen. Dem Jesus, der ruft: „Folge mir nach.“ Dem Jesus, der fordert: „Nimm dein Kreuz auf dich.“ Dem Jesus, der verheißt: „Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ Nur dieser Jesus führt zum Leben. Nur dieser Jesus führt durch die enge Pforte. Nur dieser Jesus ist würdig, dass wir ihm unser ganzes Leben geben.
Ein weiteres Zeichen der Faulheit ist der mangelnde Einsatz für die Gemeinde. Die Kirche ist der Leib Christi, wie es in 1. Korinther 12,27 heißt: „Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder Einzelne von euch ist ein Glied daran.“ Jeder Christ hat eine spezifische Aufgabe und Berufung innerhalb der Gemeinde, und es ist unsere Verantwortung, diese Berufung zu erkennen und treu auszuführen. Doch viele ziehen es vor, Zuschauer zu bleiben, anstatt aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen. Sie erwarten, dass andere die Arbeit übernehmen, sei es in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Musik, in der Mission oder in der Seelsorge. Diese Haltung ist nicht nur unbiblisch, sondern auch schädlich für die Gemeinschaft der Gläubigen. In Galater 6, 9–10 lesen wir: „Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum lasst uns, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.“ Es ist unsere Pflicht, die Gemeinde zu unterstützen, für sie zu arbeiten und für sie einzutreten. Doch viele Christen scheuen die Mühe und ziehen sich zurück, anstatt ihre Gaben und Talente in den Dienst der Gemeinde zu stellen.
Wir sind erstaunlich geübt darin, die Kirche zu kritisieren. Wir reden sie klein, wir spotten über ihre Schwächen, wir beklagen ihre Fehler – und nicht selten verlassen wir sie frustriert, enttäuscht oder gelangweilt. Und ja: Es gibt viele berechtigte Gründe, die Kirche zu kritisieren. Sie ist nicht vollkommen. Sie hat blinde Flecken, Versäumnisse, menschliche Abgründe und strukturelle Schwächen. Sie trägt Wunden, die sie selbst verursacht hat, und Wunden, die ihr von außen zugefügt wurden.
Doch all das ändert nichts an einer grundlegenden Wahrheit: Es gibt keine andere Kirche als diese. Keine zweite Gemeinde, die Christus erkauft hätte. Kein Ersatzmodell, das wir uns nach unseren Vorlieben zusammenstellen könnten. Kein perfektes geistliches System, das wir anstelle des Leibes Christi wählen dürften. Die Kirche ist nicht unser Projekt – sie ist Gottes Werk. Und wer sie verlässt, weil sie unvollkommen ist, hat vergessen, dass Christus sie trotz ihrer Unvollkommenheit liebt.
Statt also am Rand zu stehen und zuzusehen, wie sie schwächer wird, wäre es geistlich reif, für sie einzutreten. Statt sie zu kommentieren, sollten wir sie tragen. Statt sie zu zerreden, sollten wir sie aufbauen. Statt uns über ihre Fehler zu empören, sollten wir bereit sein, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Denn die Kirche wird nicht durch Kritik erneuert, sondern durch Hingabe. Nicht durch Zuschauer, sondern durch Diener. Nicht durch Distanz, sondern durch Liebe.
Wer die Kirche liebt, liebt sie nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil Christus sie liebt. Und wer Christus nachfolgt, kann sich nicht dauerhaft von dem lösen, was ihm gehört. Die Gemeinde ist sein Leib – und ein Glied, das sich vom Leib trennt, verliert nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch die Lebenskraft.
Darum ist es ein Akt geistlicher Treue, sich nicht zurückzuziehen, sondern sich einzubringen. Nicht zu fliehen, sondern zu bleiben. Nicht zu klagen, sondern zu dienen. Nicht zu resignieren, sondern zu hoffen. Denn Gott hat seine Kirche nicht aufgegeben – und wir sollten es auch nicht tun.
Noch gravierender ist die Faulheit, für die Wahrheit des Evangeliums einzutreten und für die Kirche zu kämpfen, wenn sie angegriffen wird. In einer Zeit, in der christliche Werte und Überzeugungen zunehmend infrage gestellt und angegriffen werden, ist es umso wichtiger, dass wir als Gläubige standhaft bleiben und das Evangelium verteidigen. Doch viele ziehen sich zurück, aus Angst vor Konflikten oder Ablehnung. Sie schweigen, wenn das Wort Gottes verdreht wird, und nehmen es hin, wenn die Kirche und ihre Botschaft verspottet werden. Doch die Schrift fordert uns auf, mutig zu sein und die Wahrheit zu verkünden. In Judas 1,3 heißt es: „Ihr Lieben, da es mich drängt, euch zu schreiben von unser aller Heil, halte ich’s für nötig, euch in meinem Brief zu ermahnen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen anvertraut ist.“ Dieser Kampf erfordert nicht nur Mut, sondern auch die Bereitschaft, Unannehmlichkeiten und Widerstände in Kauf zu nehmen. Es ist ein geistlicher Kampf, den wir nicht aus eigener Kraft führen können, sondern in der Abhängigkeit von Gott und seiner Gnade. Doch viele Christen bevorzugen es, sich zurückzulehnen und anderen die Verteidigung des Glaubens zu überlassen.
Viele Christen vermeiden den geistlichen Kampf, indem sie sich hinter einer frommen Ausrede verstecken: „Es steht doch in der Bibel, dass all das kommen muss.“ Damit erklären sie die eigene Passivität zur Frömmigkeit. Sie legen die Hände in den Schoß und nennen es Vertrauen. Sie ziehen sich aus der Verantwortung zurück und nennen es Demut. Doch in Wahrheit ist es geistliche Trägheit, getarnt als Spiritualität.
Wer so denkt, hat das Wesen der Nachfolge missverstanden. Prophetische Voraussagen sind keine Einladung zur Resignation. Sie sind ein Ruf zur Wachsamkeit, zur Treue, zum Durchhalten. Jesus hat niemals gesagt: „Da die Welt böse wird, könnt ihr euch zurücklehnen.“ Er sagte: „Wachet und betet.“ Er sagte: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Er sagte: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Licht, das sich versteckt, ist kein Licht. Salz, das nicht wirkt, ist wertlos.
Doch viele Christen fürchten den Konflikt mehr als die Untreue. Sie wollen Frieden um jeden Preis – selbst wenn dieser Frieden auf Kosten der Wahrheit geht. Sie nennen es Liebe, wenn sie schweigen. Sie nennen es Toleranz, wenn sie Kompromisse eingehen. Doch das ist keine Liebe, sondern Gleichgültigkeit. Keine Toleranz, sondern Kapitulation. Die Schrift kennt keine Liebe ohne Wahrheit. Sie kennt keine Toleranz, die das Evangelium verwässert. Sie kennt keinen Frieden, der durch Schweigen erkauft wird. Wahre Liebe konfrontiert, wenn es nötig ist. Wahre Liebe warnt, wenn Gefahr droht. Wahre Liebe schweigt nicht, wenn die Wahrheit verdreht wird.
Falsche Toleranz ist bequem, aber zerstörerisch. Falsche Liebe ist freundlich, aber kraftlos. Falscher Frieden ist angenehm, aber untreu.
Christus ruft uns nicht zu einem Glauben, der Konflikte vermeidet, sondern zu einem Glauben, der standhält. Nicht zu einem Christsein, das sich anpasst, sondern zu einem, das widersteht. Nicht zu einer Nachfolge, die sich zurückzieht, sondern zu einer, die kämpft – nicht mit menschlichen Waffen, sondern mit Wahrheit, Liebe und geistlicher Klarheit. Denn wer den Kampf vermeidet, verliert nicht nur die Wahrheit – er verliert die Nachfolge selbst.
Diese verschiedenen Formen der Faulheit sind nicht nur ein persönliches Problem, sondern stellen eine Gefahr für die gesamte Kirche dar. Sie schwächen das Zeugnis der Gemeinde, behindern ihre Mission und führen dazu, dass die Wahrheit des Evangeliums nicht mehr klar verkündigt wird. Doch es gibt Hoffnung, denn Gott ist barmherzig und ruft uns immer wieder zur Umkehr. In Offenbarung 3, 15–16 spricht der Herr zu der Gemeinde in Laodizea: „Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! So aber, weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“ Diese ernste Warnung ist zugleich ein Aufruf, unsere Trägheit zu überwinden und uns mit ganzer Hingabe dem Herrn und seinem Werk zu widmen.
