Bbblogger (8)

Matthäus 4,12–23

Der Beginn des Wir­kens Jesu in Gali­läa

“Als nun Jesus hör­te, dass Johan­nes gefan­gen gesetzt wor­den war, zog er sich nach Gali­läa zurück. Und er ver­ließ Naza­reth, kam und wohn­te in Kaper­na­um, das am See liegt im Gebiet von Sebu­lon und Naf­ta­li, damit erfüllt wür­de, was gesagt ist durch den Pro­phe­ten Jesa­ja, der da spricht Jes 8,23: »Das Land Sebu­lon und das Land Naf­ta­li, das Land am Meer, das Land jen­seits des Jor­dans, das heid­ni­sche Gali­läa, das Volk, das in Fins­ter­nis saß, hat ein gro­ßes Licht gese­hen; und denen, die saßen am Ort und im Schat­ten des Todes, ist ein Licht auf­ge­gan­gen.« Seit der Zeit fing Jesus an zu pre­di­gen: Tut Buße, denn das Him­mel­reich ist nahe her­bei­ge­kom­men!

Die Beru­fung der ers­ten Jün­ger

“Als nun Jesus am Gali­läi­schen Meer ent­lang­ging, sah er zwei Brü­der, Simon, der Petrus genannt wird, und Andre­as, sei­nen Bru­der; die war­fen ihre Net­ze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Men­schen­fi­schern machen! Sogleich ver­lie­ßen sie ihre Net­ze und folg­ten ihm nach. Und als er von dort wei­ter­ging, sah er zwei ande­re Brü­der, Jako­bus, den Sohn des Zebedä­us, und Johan­nes, sei­nen Bru­der, im Boot mit ihrem Vater Zebedä­us, wie sie ihre Net­ze flick­ten. Und er rief sie. Sogleich ver­lie­ßen sie das Boot und ihren Vater und folg­ten ihm nach.”

Der Beginn des öffent­li­chen Wir­kens Jesu in Gali­läa mar­kiert einen ent­schei­den­den Wen­de­punkt in der Heils­ge­schich­te. Mat­thä­us berich­tet in Kapi­tel 4, Ver­se 12 bis 25 von einem Moment, der die Welt für immer ver­än­dern soll­te. Es ist die Geschich­te vom Beginn einer Bewe­gung, die nicht mit Macht und Gewalt, son­dern mit einer ein­fa­chen Bot­schaft und dem Ruf zur Nach­fol­ge begann. Die­ser Bibel­ab­schnitt zeigt uns nicht nur, wie Jesus sei­nen Dienst star­te­te, son­dern auch, was ech­te Nach­fol­ge bedeu­tet und wie radi­kal die Ent­schei­dung ist, ihm zu fol­gen. Für jeden, der sich Christ nennt, sind die Wahr­hei­ten die­ses Abschnitts von größ­ter Bedeu­tung, denn sie stel­len die grund­le­gen­den Fra­gen: Was bedeu­tet es, Jesus nach­zu­fol­gen? Was ver­langt er von uns? Und wie soll­ten wir auf sei­nen Ruf reagie­ren?

Die Geschich­te beginnt mit einer dunk­len Nach­richt. Mat­thä­us schreibt: “Als nun Jesus hör­te, dass Johan­nes gefan­gen gesetzt wor­den war, zog er sich nach Gali­läa zurück.” Johan­nes der Täu­fer, der muti­ge Pre­di­ger der Buße, der furcht­lo­se Ver­kün­der der Wahr­heit, war ins Gefäng­nis gewor­fen wor­den. Sei­ne Stim­me, die in der Wüs­te geru­fen hat­te, war zum Schwei­gen gebracht wor­den, zumin­dest äußer­lich. Hero­des Anti­pas hat­te ihn ver­haf­ten las­sen, weil Johan­nes es gewagt hat­te, sei­ne sün­di­ge Bezie­hung mit Hero­di­as, der Frau sei­nes Bru­ders, öffent­lich zu ver­ur­tei­len. Die­se Gefan­gen­nah­me war ein Zei­chen des­sen, was kom­men wür­de. Wenn der Weg­be­rei­ter des Mes­si­as ins Gefäng­nis gewor­fen wur­de, was wür­de dann mit dem Mes­si­as selbst gesche­hen? Doch Jesus ließ sich nicht ein­schüch­tern. Er zog sich nach Gali­läa zurück, nicht aus Angst, son­dern weil Got­tes Zeit gekom­men war, sei­nen Dienst an einem ande­ren Ort zu begin­nen. Dies lehrt uns eine wich­ti­ge Wahr­heit über Got­tes Sou­ve­rä­ni­tät. Selbst wenn die Umstän­de dun­kel erschei­nen, selbst wenn Got­tes Die­ner lei­den und ver­folgt wer­den, arbei­tet Gott sei­nen per­fek­ten Plan aus. Die Gefan­gen­nah­me des Johan­nes war nicht das Ende der Bewe­gung, son­dern der Beginn einer neu­en Pha­se.

Jesus ver­ließ Naza­reth, die Stadt, in der er auf­ge­wach­sen war, und ließ sich in Kaper­na­um nie­der, einer Stadt am Nord­ufer des Sees Gene­za­reth. Dies war kei­ne zufäl­li­ge Ent­schei­dung, son­dern die Erfül­lung bibli­scher Pro­phe­tie. Mat­thä­us, der immer dar­auf bedacht ist zu zei­gen, dass Jesus der ver­hei­ße­ne Mes­si­as ist, zitiert aus Jesa­ja 8, Vers 23 und Kapi­tel 9, Vers 1: “Das Land Sebu­lon und das Land Naf­ta­li, das Land am Meer, das Land jen­seits des Jor­dans, das heid­ni­sche Gali­läa, das Volk, das in Fins­ter­nis saß, hat ein gro­ßes Licht gese­hen; und denen, die saßen am Ort und im Schat­ten des Todes, ist ein Licht auf­ge­gan­gen.” Die­se Pro­phe­zei­ung, die Jesa­ja etwa sie­ben­hun­dert Jah­re zuvor aus­ge­spro­chen hat­te, sprach von einem Licht, das in einer Regi­on der Dun­kel­heit auf­leuch­ten wür­de. Gali­läa galt in der jüdi­schen Welt als zweit­klas­sig, als geist­lich ver­däch­tig, als zu sehr von heid­ni­schen Ein­flüs­sen durch­drun­gen. Es war ein Ort, auf den die reli­giö­sen Füh­rer in Jeru­sa­lem her­ab­sa­hen. Doch genau dort begann Jesus sei­nen Dienst. Gott wählt oft die ver­ach­te­ten Orte und die über­se­he­nen Men­schen, um sein Licht leuch­ten zu las­sen. Dies soll­te uns Hoff­nung geben, egal wo wir sind, egal wie unbe­deu­tend wir uns füh­len, egal wie dun­kel unse­re Umge­bung erscheint. Got­tes Licht kann über­all durch­bre­chen, und er kann jeden gebrau­chen, der bereit ist, ihm zu die­nen.

Die Beschrei­bung des Vol­kes, das in Fins­ter­nis saß, ist von tie­fer geist­li­cher Bedeu­tung. Fins­ter­nis in der Bibel steht für Sün­de, Unwis­sen­heit, Hoff­nungs­lo­sig­keit und Tren­nung von Gott. Der Schat­ten des Todes spricht von der Herr­schaft des Todes und der Macht­lo­sig­keit des Men­schen, sich selbst zu ret­ten. Dies ist die Beschrei­bung der mensch­li­chen Situa­ti­on ohne Gott. Wir alle waren einst in die­ser Fins­ter­nis, gefan­gen in Sün­de, ohne Hoff­nung, auf dem Weg zum ewi­gen Tod. Doch dann kam das Licht. Jesus selbst sag­te spä­ter in Johan­nes 8, Vers 12: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nach­folgt, der wird nicht wan­deln in der Fins­ter­nis, son­dern wird das Licht des Lebens haben.” Das Auf­ge­hen die­ses Lich­tes war nicht ein all­mäh­li­cher Pro­zess, son­dern ein plötz­li­ches, hel­les Auf­leuch­ten. Wenn Jesus in ein Leben kommt, bringt er nicht einen klei­nen Fun­ken Hoff­nung, son­dern ein gro­ßes, strah­len­des Licht, das die Dun­kel­heit ver­treibt.

Von die­sem Zeit­punkt an begann Jesus zu pre­di­gen, und sei­ne Bot­schaft war klar und direkt: “Tut Buße, denn das Him­mel­reich ist nahe her­bei­ge­kom­men!” Die­se Bot­schaft war nicht neu. Johan­nes der Täu­fer hat­te genau die­sel­be Bot­schaft ver­kün­det (Mat­thä­us 3,2). Doch nun über­nahm Jesus selbst die­se Ver­kün­di­gung. Die Auf­for­de­rung zur Buße steht am Anfang der christ­li­chen Bot­schaft. Buße bedeu­tet nicht nur, dass es uns leid­tut, was wir getan haben, son­dern eine radi­ka­le Umkehr, eine voll­stän­di­ge Ände­rung der Denk­wei­se und der Lebens­rich­tung. Es ist ein Abwen­den von der Sün­de und ein Hin­wen­den zu Gott. In der grie­chi­schen Spra­che, in der das Neue Tes­ta­ment geschrie­ben wur­de, ist das Wort für Buße “met­a­noia”, was wört­lich eine Ver­än­de­rung des Den­kens bedeu­tet. Es geht um eine fun­da­men­ta­le Neu­aus­rich­tung unse­res gan­zen Wesens. Wah­re Buße ist nicht ober­fläch­lich, nicht emo­tio­nal vor­über­ge­hend, son­dern tief und lebens­ver­än­dernd. Sie führt zu neu­en Wer­ten, neu­en Prio­ri­tä­ten, neu­en Ent­schei­dun­gen. Ohne Buße gibt es kei­ne Ret­tung, ohne Umkehr gibt es kei­nen Ein­gang ins Him­mel­reich. Dies ist eine unbe­que­me Wahr­heit in einer Zeit, in der vie­le eine Ver­si­on des Chris­ten­tums bevor­zu­gen, die kei­ne For­de­run­gen stellt und kei­ne Ver­än­de­rung ver­langt. Doch Jesus begann sei­nen Dienst mit die­sem Ruf zur Buße, und die­se Bot­schaft hat sich nicht geän­dert.

Der Grund für die Dring­lich­keit der Buße war die Nähe des Him­mel­reichs. “Das Him­mel­reich ist nahe her­bei­ge­kom­men”, ver­kün­de­te Jesus. Mit sei­nem Kom­men war das Reich Got­tes nicht mehr eine fer­ne Hoff­nung, son­dern eine gegen­wär­ti­ge Rea­li­tät. Das Reich war “nahe” in dem Sin­ne, dass es in der Per­son Jesu bereits anwe­send war. Wo Jesus ist, da ist das Reich Got­tes. Das bedeu­tet nicht, dass das Reich in sei­ner Fül­le bereits da war, denn Jesus lehr­te uns zu beten: “Dein Reich kom­me” (Mat­thä­us 6,10). Das Reich ist sowohl schon da als auch noch nicht voll­stän­dig ver­wirk­licht. Es ist eine gegen­wär­ti­ge Rea­li­tät für die, die Jesus als König aner­ken­nen, und es wird eine zukünf­ti­ge Voll­endung geben, wenn er wie­der­kommt. Doch die Tat­sa­che, dass das Reich nahe ist, ver­leiht dem Ruf zur Buße Dring­lich­keit. Wir haben kei­ne end­lo­se Zeit, uns zu ent­schei­den. Die Gele­gen­heit, ins Reich ein­zu­tre­ten, ist jetzt. Mor­gen ist nicht garan­tiert. Der Hebrä­er­brief sagt in Kapi­tel 3, Vers 15: “Heu­te, wenn ihr sei­ne Stim­me hört, so ver­stockt eure Her­zen nicht.” Die Zeit ist immer jetzt, die Stun­de ist immer gegen­wär­tig. Auf­schub ist gefähr­lich und töricht.

Nach­dem Mat­thä­us den Beginn von Jesu Pre­digt beschrie­ben hat, berich­tet er von der Beru­fung der ers­ten Jün­ger, und die­se Geschich­te ist von bemer­kens­wer­ter Kraft und Klar­heit. Jesus ging am Ufer des Gali­läi­schen Mee­res ent­lang und sah zwei Brü­der, Simon, der Petrus genannt wird, und Andre­as. Sie waren Fischer, die ihre Net­ze ins Meer war­fen, beschäf­tigt mit ihrer täg­li­chen Arbeit, mit ihrem Lebens­un­ter­halt. Jesus sprach zu ihnen: “Folgt mir nach; ich will euch zu Men­schen­fi­schern machen!” Die­ser Ruf war ein­fach, direkt und for­dernd. Es gab kei­ne lan­ge Ein­füh­rung, kei­ne theo­lo­gi­sche Erklä­rung, kei­ne Über­zeu­gungs­ar­beit. Nur ein Ruf: Folgt mir nach. Die Ant­wort der bei­den Brü­der war eben­so bemer­kens­wert: “Sogleich ver­lie­ßen sie ihre Net­ze und folg­ten ihm nach.” Kei­ne Zöge­rung, kei­ne Bedin­gun­gen, kei­ne Ver­hand­lun­gen. Kei­ne Dis­kus­sio­nen. Sie hör­ten den Ruf, und sie folg­ten. Dann, etwas wei­ter, sah Jesus zwei ande­re Brü­der, Jako­bus und Johan­nes, die mit ihrem Vater Zebedä­us im Boot saßen und ihre Net­ze flick­ten. Jesus rief sie, und auch sie folg­ten sofort, ver­lie­ßen das Boot und sogar ihren Vater, um Jesus nach­zu­fol­gen.

Doch wie anders ist es heu­te, wenn Chris­tus ruft. “Fol­ge mir nach”, sagt Jesus, und die meis­ten Chris­ten wür­den die­sem Ruf nur bedingt nach­ge­hen. Sie möch­ten erst Fra­gen stel­len, Sicher­hei­ten ein­for­dern, theo­lo­gisch dis­ku­tie­ren, ob es sich über­haupt lohnt. Sie wägen ab, prü­fen, zögern und suchen nach Grün­den, den Ruf zu ent­schär­fen. Merk­wür­dig ist, dass gera­de dort, wo der Herr selbst spricht, so vie­le Ein­schrän­kun­gen gemacht wer­den. Wenn aber selbst­er­nann­te Pre­di­ger auf­tre­ten, mit geschlif­fe­nen Wor­ten, kräf­ti­ger Stim­me und anzie­hen­dem Auf­tre­ten, dann lau­fen ihnen die Men­schen nach, ohne zu fra­gen, ob ihre Bot­schaft dem Evan­ge­li­um ent­spricht.

Die­se Berich­te sind kurz, aber sie ent­hal­ten tief­grei­fen­de Wahr­hei­ten über die Natur der Nach­fol­ge. Ers­tens ist Nach­fol­ge eine per­sön­li­che Ein­la­dung. Jesus rief die­se Män­ner indi­vi­du­ell. Er spricht zu jedem von uns per­sön­lich, er kennt uns beim Namen, er sieht uns in unse­ren all­täg­li­chen Beschäf­ti­gun­gen. Der Ruf zur Nach­fol­ge ist nicht eine all­ge­mei­ne Ein­la­dung an die Mas­sen, son­dern eine spe­zi­fi­sche Beru­fung an jede ein­zel­ne See­le. Zwei­tens ist Nach­fol­ge kost­spie­lig. Die­se Män­ner ver­lie­ßen ihre Net­ze, ihr Boot, ihren Vater, ihren Beruf, ihr ver­trau­tes Leben. Sie gaben etwas auf, um Jesus nach­zu­fol­gen. Jesus sag­te spä­ter in Lukas 14, Vers 33: “So auch jeder unter euch: Wer sich nicht los­sagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jün­ger sein.” Wah­re Nach­fol­ge erfor­dert, dass wir Jesus über alles ande­re stel­len, über Fami­lie, über Kar­rie­re, über Kom­fort, über unse­re eige­nen Plä­ne. Bist du dafür bereit? Diet­rich Bon­hoef­fer, der deut­sche Theo­lo­ge, der sein Leben für sei­nen Glau­ben gab, schrieb in sei­nem Buch “Nach­fol­ge”: “Wenn Chris­tus einen Men­schen ruft, dann ruft er ihn, ihm nach­zu­kom­men und zu ster­ben.” Dies sind har­te Wor­te, aber sie sind wahr. Nach­fol­ge bedeu­tet, unser Leben auf­zu­ge­ben, um sein Leben zu gewin­nen.

Sind wir dazu bereit? Vie­le wür­den sagen, Jesus ja, aber für ihn ster­ben, das geht zu weit. Sie reden gern von Nach­fol­ge, solan­ge sie bequem bleibt, solan­ge sie nicht an das eige­ne Leben rührt. Sie pre­di­gen von Jesus, sie sin­gen von sei­ner Lie­be, sie spre­chen von Hin­ga­be, doch wenn es um das Kreuz geht, wei­chen sie zurück. Der Gedan­ke, für Chris­tus zu ster­ben, erscheint ihnen fremd, über­trie­ben, ja fast fana­tisch. Aber das Evan­ge­li­um kennt kei­nen weich­ge­spül­ten Weg.

Drit­tens ist Nach­fol­ge eine Ant­wort, die im Augen­blick des Rufes geschieht. Die Jün­ger folg­ten “sogleich”, ohne Ver­zö­ge­rung. Sie sag­ten nicht: Lass mich erst dies oder jenes erle­di­gen. Sie hör­ten den Ruf, und sie reagier­ten. Dies erin­nert an eine ande­re Geschich­te, die Lukas in Kapi­tel 9, Ver­se 59 bis 62 erzählt. Ein Mann sag­te zu Jesus: “Herr, ich will dir nach­fol­gen; aber erlau­be mir zuvor, dass ich hin­ge­he und mei­nen Vater begra­be.” Jesus ant­wor­te­te: “Lass die Toten ihre Toten begra­ben; du aber geh hin und ver­kün­di­ge das Reich Got­tes!” Ein ande­rer sag­te: “Herr, ich will dir nach­fol­gen; aber erlau­be mir zuvor, dass ich Abschied neh­me von denen, die in mei­nem Hau­se sind.” Jesus sprach zu ihm: “Wer sei­ne Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Got­tes.” Die­se Wor­te schei­nen hart, sogar gefühl­los zu sein. Doch sie zei­gen die abso­lu­te Prio­ri­tät der Nach­fol­ge. Nichts, wie wich­tig es auch erschei­nen mag, soll­te uns davon abhal­ten, Jesus sofort zu fol­gen, wenn er ruft. Die Aus­re­den und Ver­zö­ge­run­gen, die wir vor­brin­gen, mögen legi­tim erschei­nen, aber sie offen­ba­ren oft, dass wir noch nicht bereit sind, Jesus den ers­ten Platz in unse­rem Leben zu geben.

Vier­tens bleibt Nach­fol­ge nicht ohne Wir­kung, son­dern formt den Men­schen um. Jesus sag­te zu Petrus und Andre­as: “Ich will euch zu Men­schen­fi­schern machen.” Er rief sie nicht nur, um ihm nach­zu­fol­gen, son­dern um sie zu ver­än­dern, um ihnen eine neue Iden­ti­tät, einen neu­en Zweck, eine neue Auf­ga­be zu geben. Sie waren Fischer von Beruf, und Jesus ver­sprach, sie zu etwas Neu­em zu machen. Er wür­de ihre Fähig­kei­ten neh­men, ihre Erfah­run­gen, ihre Lei­den­schaf­ten und sie für sein Reich ein­set­zen. Gott ruft uns nicht, um uns zu ver­nich­ten, son­dern um uns zu ver­wan­deln, um uns zu dem zu machen, wozu er uns geschaf­fen hat. Pau­lus schreibt in 2. Korin­ther 5, Vers 17: “Dar­um: Ist jemand in Chris­tus, so ist er eine neue Krea­tur; das Alte ist ver­gan­gen, sie­he, Neu­es ist gewor­den.” Nach­fol­ge führt immer zu Ver­än­de­rung. Wenn wir Jesus nach­fol­gen und unver­än­dert blei­ben, dann fol­gen wir ihm nicht wirk­lich nach.

Fünf­tens ist Nach­fol­ge gemein­schaft­lich. Jesus rief nicht einen ein­zel­nen Jün­ger, son­dern eine Grup­pe. Petrus und Andre­as folg­ten zusam­men, Jako­bus und Johan­nes eben­so. Von Anfang an war die christ­li­che Gemein­schaft zen­tral. Wir sind nicht dazu beru­fen, allein zu gehen, son­dern gemein­sam mit ande­ren Nach­fol­gern. Die Gemein­de ist nicht eine optio­na­le Ergän­zung zum christ­li­chen Leben, son­dern ein wesent­li­cher Bestand­teil. Wir brau­chen ein­an­der für Ermu­ti­gung, Kor­rek­tur, Unter­stüt­zung und Rechen­schaft. Der Schrift­stel­ler C.S. Lewis sag­te ein­mal: “Ich glau­be an das Chris­ten­tum, wie ich an die Son­ne glau­be, die auf­ge­gan­gen ist, nicht nur weil ich sie sehe, son­dern weil ich durch sie alles ande­re sehe.” Die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen ist das Umfeld, in dem unser Glau­be wächst und gedeiht.

Doch genau hier liegt eines der größ­ten Pro­ble­me vie­ler Chris­ten unse­rer Zeit. Immer mehr Gläu­bi­ge leben ihren Glau­ben als Ein­zel­gän­ger. Die moder­nen Medi­en machen es mög­lich, sich Pre­dig­ten anzu­hö­ren, Got­tes­diens­te zu strea­men und geist­li­che Inhal­te zu kon­su­mie­ren, ohne jemals Teil einer rea­len Gemein­schaft zu wer­den. Vie­le Kir­chen för­dern die­se Ent­wick­lung sogar, indem sie sagen, die Zeit habe sich geän­dert und man brau­che kei­ne Gemein­de mehr, weil alles auch im vir­tu­el­len Raum statt­fin­den kön­ne. Doch die­se Hal­tung wider­spricht dem Wesen der christ­li­chen Gemein­schaft. Es ist kein Wun­der, dass Gemein­den aus­ster­ben und Men­schen ver­ein­sa­men, wenn der per­sön­li­che Kon­takt, das gemein­sa­me Gebet, das gegen­sei­ti­ge Tra­gen und Ermah­nen ver­lo­ren gehen. Vir­tu­el­le Chris­ten kön­nen viel reden, aber sie besu­chen kei­ne Kran­ken, sie beglei­ten kei­ne Trau­ern­den, sie trös­ten kei­ne Ein­sa­men.

Es ist auch bemer­kens­wert, wen Jesus berief. Die­se Män­ner waren kei­ne reli­giö­sen Gelehr­ten, kei­ne Pries­ter, kei­ne Schrift­kun­di­gen. Sie waren ein­fa­che Fischer, Arbei­ter, gewöhn­li­che Men­schen. Dies ent­sprach nicht den Erwar­tun­gen der dama­li­gen Gesell­schaft. Man hät­te erwar­tet, dass ein Rab­bi sei­ne Schü­ler aus den bes­ten und klügs­ten aus­wäh­len wür­de, aus denen, die in den Schu­len aus­ge­bil­det wor­den waren. Doch Jesus wähl­te anders. Er sah nicht auf die äuße­ren Qua­li­fi­ka­tio­nen, son­dern auf das Herz. Gott hat immer einen Blick für die Gerin­gen, die Über­se­he­nen, die Unwahr­schein­li­chen. Pau­lus schreibt in 1. Korin­ther 1, Ver­se 26 bis 29: “Seht doch, Brü­der und Schwes­tern, auf eure Beru­fung. Nicht vie­le Wei­se nach dem Fleisch, nicht vie­le Mäch­ti­ge, nicht vie­le Ange­se­he­ne sind beru­fen. Son­dern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Wei­sen zuschan­den mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschan­den mache, was stark ist; und das Uned­le vor der Welt und das Ver­ach­te­te hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunich­te­ma­che, was etwas ist, auf dass sich kein Mensch vor Gott rüh­me.” Wenn du denkst, dass du nicht qua­li­fi­ziert bist, um Jesus nach­zu­fol­gen, dann bist du in guter Gesell­schaft. Die ers­ten Jün­ger waren es auch nicht. Aber Jesus qua­li­fi­ziert die Beru­fe­nen.

Jesus braucht kei­ne Theo­lo­gen, kei­ne Titel­trä­ger, kei­ne Pro­fes­so­ren, die mit aka­de­mi­schem Wis­sen glän­zen. Er sucht Men­schen, die bereit sind, sich rufen zu las­sen, die hören, gehor­chen und gehen. Er beruft Män­ner und Frau­en, die sich ihm zur Ver­fü­gung stel­len, die bereit sind, anzu­pa­cken, zu die­nen und Schrit­te des Glau­bens zu wagen. Gott wirkt nicht durch mensch­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, son­dern durch Hin­ga­be. Er gebraucht die­je­ni­gen, die sagen: Herr, hier bin ich, sen­de mich. Die Geschich­te der Kir­che zeigt, dass Gott immer wie­der ein­fa­che Men­schen gebraucht hat, um Gro­ßes zu tun. Nicht weil sie stark waren, son­dern weil sie ihm ver­trau­ten.

Die Geschich­te endet nicht mit der Beru­fung der vier Fischer. Mat­thä­us berich­tet wei­ter in den Ver­sen 23 bis 25: “Und Jesus zog umher in ganz Gali­läa, lehr­te in ihren Syn­ago­gen und pre­dig­te das Evan­ge­li­um von dem Reich und heil­te alle Krank­hei­ten und alle Gebre­chen im Volk. Und die Kun­de von ihm erscholl durch ganz Syri­en. Und sie brach­ten zu ihm alle Kran­ken, mit man­cher­lei Lei­den und Pla­gen behaf­tet, Beses­se­ne, Mond­süch­ti­ge und Gelähm­te; und er mach­te sie gesund. Und es folg­te ihm eine gro­ße Men­ge aus Gali­läa, aus den Zehn Städ­ten, aus Jeru­sa­lem, aus Judäa und von jen­seits des Jor­dans.” Jesus lehr­te, pre­dig­te und heil­te. Sein Dienst war ganz­heit­lich, er sprach den gan­zen Men­schen an, Geist, See­le und Kör­per. Die Leh­re gab den Men­schen Wahr­heit, die Pre­digt rief sie zur Umkehr und zum Glau­ben, die Hei­lun­gen demons­trier­ten die Macht und Barm­her­zig­keit des Rei­ches Got­tes. Die Wun­der Jesu waren nicht nur Akte der Barm­her­zig­keit, son­dern auch Zei­chen sei­ner mes­sia­ni­schen Iden­ti­tät. Der Pro­phet Jesa­ja hat­te vor­aus­ge­sagt, dass der Mes­si­as die Blin­den sehend machen wür­de, die Lah­men gehen las­sen wür­de, den Aus­sät­zi­gen Hei­lung brin­gen wür­de (Jesa­ja 35,5 bis 6). Jesus erfüll­te die­se Pro­phe­zei­un­gen und zeig­te damit, dass er tat­säch­lich der ver­hei­ße­ne Erlö­ser war.

Die Reak­ti­on der Men­schen war über­wäl­ti­gend. Aus allen Rich­tun­gen kamen sie zu Jesus, nicht nur aus Gali­läa, son­dern aus Syri­en, aus den Zehn Städ­ten (der Deka­po­lis), aus Jeru­sa­lem, aus Judäa und von jen­seits des Jor­dans. Gro­ße Men­schen­men­gen folg­ten ihm. Dies zeigt uns etwas über die uni­ver­sa­le Anzie­hungs­kraft Jesu. Er war nicht nur für eine bestimm­te Grup­pe gekom­men, nicht nur für die Juden, nicht nur für die From­men, son­dern für alle, die in Not waren, für alle, die Hei­lung brauch­ten, für alle, die nach Wahr­heit such­ten. Doch hier müs­sen wir vor­sich­tig sein. Nicht alle, die Jesus folg­ten, waren wah­re Jün­ger. Vie­le kamen wegen der Wun­der, wegen der Hei­lun­gen, wegen der Bro­te und Fische, wie Jesus spä­ter in Johan­nes 6, Vers 26 sag­te: “Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zei­chen gese­hen habt, son­dern weil ihr von dem Brot geges­sen habt und satt gewor­den seid.”

Der Bibel­text wirft wich­ti­ge Fra­gen an uns auf. Haben wir den Ruf Jesu gehört? Wenn ja, wie haben wir dar­auf reagiert? Fol­gen wir ihm wirk­lich nach, oder spie­len wir nur Reli­gi­on? Haben wir etwas für ihn auf­ge­ge­ben, oder ver­su­chen wir, sowohl der Welt als auch Chris­tus zu die­nen? Die­se Fra­gen sind unbe­quem, aber not­wen­dig. Jesus selbst stell­te in Lukas 6, Vers 46 die Fra­ge: “Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?” Es ist mög­lich, die rich­ti­gen Wor­te zu sagen, die rich­ti­gen Lie­der zu sin­gen, die rich­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen zu besu­chen und den­noch nicht wirk­lich nach­zu­fol­gen. Wah­re Nach­fol­ge zeigt sich im Gehor­sam, in der Bereit­schaft, unse­re Net­ze zu ver­las­sen, in der Ent­schei­dung, Jesus über alles ande­re zu stel­len.

Die Geschich­te der Beru­fung der ers­ten Jün­ger ist auch eine Ermu­ti­gung für uns. Wenn Jesus die­se gewöhn­li­chen Män­ner rufen und gebrau­chen konn­te, dann kann er auch uns rufen und gebrau­chen. Petrus, der impul­si­ve Fischer, wur­de zum Fels, auf dem Jesus sei­ne Gemein­de bau­te (Mat­thä­us 16,18). Johan­nes, der Don­ner­sohn, wur­de zum Apos­tel der Lie­be. Andre­as brach­te Men­schen zu Jesus, ein­schließ­lich sei­nes Bru­ders Petrus. Jako­bus wur­de der ers­te Mär­ty­rer unter den Apos­teln. Die­se Män­ner waren nicht per­fekt, sie mach­ten Feh­ler, sie ver­sag­ten manch­mal, aber Jesus gab sie nicht auf. Er form­te sie, lehr­te sie, hat­te Geduld mit ihnen, und letzt­end­lich gebrauch­te er sie, um die Welt zu ver­än­dern. Er kann das­sel­be mit uns tun, wenn wir bereit sind, sei­nem Ruf zu fol­gen.

Der Ruf Jesu “Folgt mir nach” hallt durch die Jahr­hun­der­te bis zu uns heu­te. Er ruft uns aus unse­rer Fins­ter­nis ins Licht, von unse­rem alten Leben in ein neu­es Leben, von unse­rem eige­nen Weg auf sei­nen Weg. Die Fra­ge ist nicht, ob er ruft, son­dern ob wir bereit sind zu hören und zu fol­gen. Die Kos­ten sind hoch, aber die Beloh­nung ist unver­gleich­lich. Jesus sag­te in Mar­kus 10, Ver­se 29 und 30: “Wahr­lich, ich sage euch: Es ist nie­mand, der Haus oder Brü­der oder Schwes­tern oder Mut­ter oder Vater oder Kin­der oder Äcker ver­lässt um mei­net­wil­len und um des Evan­ge­li­ums wil­len, der nicht hun­dert­fach emp­fängt: jetzt in die­ser Zeit Häu­ser und Brü­der und Schwes­tern und Müt­ter und Kin­der und Äcker mit­ten unter Ver­fol­gun­gen und in der kom­men­den Welt das ewi­ge Leben.”

Der Weg der Nach­fol­ge ist nicht leicht, aber er ist der ein­zi­ge Weg zum Leben. Lasst uns die Net­ze unse­res alten Lebens able­gen und Jesus nach­fol­gen, wohin auch immer er uns führt. Lasst uns sei­ne Stim­me über alle ande­ren Stim­men stel­len und sein Reich über alle ande­ren Rei­che. Lasst uns nicht zögern, nicht ver­han­deln, nicht zurück­bli­cken, son­dern sofort und voll­stän­dig ant­wor­ten auf sei­nen Ruf. Denn in sei­ner Nach­fol­ge fin­den wir nicht Ver­lust, son­dern Gewinn, nicht Tod, son­dern Leben, nicht Dun­kel­heit, son­dern Licht.

Hier folgen weitere interessante Artikel

Avatar von BBECK

Published by

Categories:

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung