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Matthäus 4, 1–11: Die Versuchung Jesu

“Da wur­de Jesus vom Geist in die Wüs­te geführt, damit er von dem Teu­fel  ver­sucht wür­de. Und da er vier­zig Tage und vier­zig Näch­te gefas­tet hat­te, hun­ger­te ihn. Und der Ver­su­cher trat zu ihm und sprach: Bist du Got­tes Sohn, so sprich, dass die­se Stei­ne Brot wer­den. Er aber ant­wor­te­te und sprach: Es steht geschrie­ben 5. Mose 8,3: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, son­dern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Got­tes geht.« Da führ­te ihn der Teu­fel mit sich in die hei­li­ge Stadt und stell­te ihn auf die Zin­ne des Tem­pels und sprach zu ihm: Bist du Got­tes Sohn, so wirf dich hin­ab; denn es steht geschrie­ben Ps 91,11–12: »Er wird sei­nen Engeln dei­net­we­gen Befehl geben; und sie wer­den dich auf den Hän­den tra­gen, damit du dei­nen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wie­der­um steht auch geschrie­ben 5. Mose 6,16: »Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, nicht ver­su­chen.« Dar­auf führ­te ihn der Teu­fel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeig­te ihm alle Rei­che der Welt und ihre Herr­lich­keit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du nie­der­fällst und mich anbe­test. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrie­ben 5. Mose 6,13: »Du sollst anbe­ten den Herrn, dei­nen Gott, und ihm allein die­nen.« Da ver­ließ ihn der Teu­fel. Und sie­he, da  tra­ten Engel zu ihm und dien­ten ihm.”

Die Ver­su­chung Jesu in der Wüs­te gehört zu den bedeut­sams­ten Berich­ten des Neu­en Tes­ta­ments, denn sie offen­bart nicht nur die Mensch­lich­keit unse­res Herrn, son­dern auch die Stra­te­gien des Fein­des und die Waf­fen, mit denen wir ihm wider­ste­hen kön­nen. Mat­thä­us berich­tet in Kapi­tel 4, Ver­se 1 bis 11 von die­ser ent­schei­den­den Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Sohn Got­tes und dem Ver­su­cher, und die­ser Bericht ist weit mehr als eine his­to­ri­sche Erzäh­lung. Er ist eine Anlei­tung für jeden Gläu­bi­gen, der in die­ser Welt lebt und täg­lich mit Ver­su­chun­gen kon­fron­tiert wird. Wenn wir die­sen Bibel­ab­schnitt sorg­fäl­tig stu­die­ren, ent­de­cken wir zeit­lo­se Wahr­hei­ten über die Natur der Ver­su­chung, die Tak­ti­ken des Teu­fels und die Art und Wei­se, wie wir als Nach­fol­ger Chris­ti sieg­reich sein kön­nen.

Der Bericht beginnt mit einer bemer­kens­wer­ten Aus­sa­ge, die oft über­se­hen wird. Es heißt: “Da wur­de Jesus vom Geist in die Wüs­te geführt, damit er von dem Teu­fel ver­sucht wür­de.” Dies war kei­ne zufäl­li­ge Begeg­nung, kei­ne uner­war­te­te Prü­fung, son­dern eine von Gott geführ­te Situa­ti­on. Der Hei­li­ge Geist selbst führ­te Jesus in die Wüs­te, an einen Ort der Ein­sam­keit, der Ent­beh­rung und der Kon­fron­ta­ti­on. Die­se Tat­sa­che lehrt uns eine wich­ti­ge Wahr­heit über Ver­su­chun­gen in unse­rem eige­nen Leben. Gott erlaubt Ver­su­chun­gen, nicht weil er will, dass wir fal­len, son­dern weil er will, dass wir wach­sen, rei­fen und unse­ren Glau­ben bewäh­ren. Jako­bus schreibt in sei­nem Brief in Kapi­tel 1, Ver­se 2 und 3: “Mei­ne Brü­der und Schwes­tern, erach­tet es für lau­ter Freu­de, wenn ihr in man­cher­lei Anfech­tun­gen fallt, und wisst, dass euer Glau­be, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.” Die Wüs­te ist der Ort, an dem unser Glau­be geprüft und gestärkt wird, und wir soll­ten nicht über­rascht sein, wenn Gott uns in sol­che Situa­tio­nen führt.

Doch genau das wol­len vie­le Chris­ten unse­rer Zeit nicht wahr­ha­ben. Sie wün­schen sich ein beque­mes, stö­rungs­frei­es Glau­bens­le­ben und scheu­en jede Form von Ver­su­chung oder inne­rem Kampf. Sie wun­dern sich, dass sie geist­lich nicht vor­an­kom­men, dass ihr Glau­be schwach bleibt und ihre Bezie­hung zu Gott ober­fläch­lich bleibt. Wer jede Prü­fung mei­det, wird nie ler­nen, Gott zu ver­trau­en. Wer jeder Ver­su­chung aus­weicht, wird nie erfah­ren, wie treu Gott in der Not ist. Vie­le Chris­ten beten um geist­li­ches Wachs­tum, leh­nen aber gleich­zei­tig die Wege ab, durch die Gott die­ses Wachs­tum schenkt. Sie ver­ges­sen, dass selbst Jesus durch die Wüs­te muss­te, bevor er öffent­lich wirk­te, und dass auch wir durch Zei­ten der Prü­fung gehen müs­sen, wenn unser Glau­be stark und trag­fä­hig wer­den soll.

Jesus fas­te­te vier­zig Tage und vier­zig Näch­te, eine Zeit, die an wich­ti­ge Peri­oden in der Geschich­te Isra­els erin­nert. Mose ver­brach­te vier­zig Tage auf dem Berg Sinai, das Volk Isra­el wan­der­te vier­zig Jah­re durch die Wüs­te, und Elia wan­der­te vier­zig Tage zum Berg Horeb. Die­se Par­al­le­len sind nicht zufäl­lig, denn sie zei­gen, dass Jesus gekom­men war, um dort erfolg­reich zu sein, wo Isra­el ver­sagt hat­te. Wäh­rend das Volk Isra­el in der Wüs­te murr­te, rebel­lier­te und Göt­zen anbe­te­te, wür­de Jesus in der Wüs­te gehor­sam blei­ben und dem Vater treu sein. Nach die­ser lan­gen Fas­ten­zeit, als Jesus kör­per­lich am schwächs­ten war, trat der Ver­su­cher zu ihm. Dies ist eine wich­ti­ge Beob­ach­tung für unser eige­nes Leben. Der Teu­fel greift oft an, wenn wir am ver­wund­bars­ten sind, wenn wir erschöpft, ein­sam, hung­rig oder emo­tio­nal belas­tet sind. Er war­tet nicht auf unse­re star­ken Momen­te, son­dern sucht unse­re schwa­chen Momen­te aus, um uns zu Fall zu brin­gen.

Die ers­te Ver­su­chung ziel­te auf die kör­per­li­chen Bedürf­nis­se Jesu ab. Der Teu­fel sag­te: “Bist du Got­tes Sohn, so sprich, dass die­se Stei­ne Brot wer­den.” Auf den ers­ten Blick scheint dies kei­ne beson­ders böse Ver­su­chung zu sein. Jesus war hung­rig, er hat­te die Macht, Stei­ne in Brot zu ver­wan­deln, und es gab kei­nen offen­sicht­li­chen Grund, war­um er dies nicht tun soll­te. Doch die Ver­su­chung lag tie­fer. Der Teu­fel for­der­te Jesus her­aus, sei­ne gött­li­che Macht für sei­ne eige­nen Bedürf­nis­se ein­zu­set­zen, unab­hän­gig vom Wil­len des Vaters zu han­deln und sei­ner kör­per­li­chen Begier­de nach­zu­ge­ben, anstatt auf Got­tes Ver­sor­gung zu war­ten. Es war eine Ver­su­chung zur Selbst­be­stim­mung, zur Unab­hän­gig­keit von Gott, zum Ver­trau­en auf die eige­ne Kraft statt auf die Füh­rung des Vaters. Die­se Art der Ver­su­chung ist auch heu­te noch aktu­ell. Wie oft wer­den wir ver­sucht, unse­re legi­ti­men Bedürf­nis­se auf ille­gi­ti­me Wei­se zu befrie­di­gen, Got­tes Timing zu umge­hen, unse­re eige­nen Wege zu gehen, anstatt auf sei­ne Füh­rung zu war­ten?

Die­se Ver­su­chung begeg­net uns in vie­len Berei­chen des täg­li­chen Lebens. Ein jun­ger Mensch, der sich nach Aner­ken­nung sehnt, greift viel­leicht zu Lügen oder Über­trei­bun­gen, um Ein­druck zu machen, statt dar­auf zu ver­trau­en, dass Gott ihm Iden­ti­tät schenkt. Ein Christ, der finan­zi­ell unter Druck steht, ist ver­sucht, unred­lich zu han­deln, statt auf Got­tes Ver­sor­gung zu war­ten. Man­che grei­fen zu sexu­el­len Ersatz­be­frie­di­gun­gen, weil sie nicht glau­ben kön­nen, dass Gott ihre Sehn­sucht nach Nähe auf gute Wei­se stil­len wird. Ande­re betäu­ben ihre inne­re Lee­re mit Alko­hol oder Dro­gen, weil sie den Schmerz nicht vor Gott brin­gen wol­len. Wie­der ande­re ver­su­chen, durch über­mä­ßi­ge Arbeit, Erfolg oder Kon­trol­le ihre Unsi­cher­heit zu kom­pen­sie­ren, statt sich in Got­tes Hän­de zu legen. All die­se Bei­spie­le zei­gen, wie leicht wir dazu nei­gen, unse­re Bedürf­nis­se selbst in die Hand zu neh­men, statt auf den zu war­ten, der weiß, was wir brau­chen, und der uns zur rech­ten Zeit ver­sorgt.

Die Ant­wort Jesu ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Er sag­te: “Es steht geschrie­ben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, son­dern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Got­tes geht.” Jesus zitier­te hier aus 5. Mose 8, Vers 3, eine Pas­sa­ge, die an Isra­els Erfah­rung in der Wüs­te erin­nert, als Gott sein Volk mit Man­na ver­sorg­te. Die Bot­schaft war klar: Kör­per­li­che Nah­rung ist wich­tig, aber geist­li­che Nah­rung ist wich­ti­ger. Gehor­sam gegen­über Got­tes Wort ist essen­ti­el­ler als die Befrie­di­gung kör­per­li­cher Bedürf­nis­se. Jesus wei­ger­te sich, außer­halb des Wil­lens sei­nes Vaters zu han­deln, selbst um sein drin­gends­tes kör­per­li­ches Bedürf­nis zu stil­len. Die­se Hal­tung soll­te auch unse­re sein. Mar­tin Luther, der gro­ße Refor­ma­tor, sag­te ein­mal: “Das Wort Got­tes soll unser Leben, unse­re Spei­se, unse­re Freu­de und unser Trost sein.” Wenn wir in Ver­su­chung gera­ten, unse­re Bedürf­nis­se auf Wege zu befrie­di­gen, die Got­tes Wil­len wider­spre­chen, müs­sen wir uns dar­an erin­nern, dass das Leben mehr ist als das Mate­ri­el­le und dass Gehor­sam gegen­über Gott wich­ti­ger ist als jede zeit­li­che Befrie­di­gung.

Die zwei­te Ver­su­chung war sub­ti­ler und theo­lo­gisch gefähr­li­cher. Der Teu­fel führ­te Jesus nach Jeru­sa­lem, stell­te ihn auf die Zin­ne des Tem­pels und for­der­te ihn her­aus: “Bist du Got­tes Sohn, so wirf dich hin­ab; denn es steht geschrie­ben: Er wird sei­nen Engeln dei­net­we­gen Befehl geben; und sie wer­den dich auf den Hän­den tra­gen, damit du dei­nen Fuß nicht an einen Stein stößt.” Hier tat der Teu­fel etwas Bemer­kens­wer­tes: Er zitier­te die Schrift. Er nahm Psalm 91, Ver­se 11 und 12 und ver­wen­de­te Got­tes eige­nes Wort, um Jesus zur Sün­de zu ver­lei­ten. Dies zeigt uns, dass der Teu­fel die Bibel kennt und sie für sei­ne Zwe­cke miss­brau­chen kann. Er ist ein Meis­ter dar­in, Schrift­stel­len aus dem Zusam­men­hang zu rei­ßen, sie falsch anzu­wen­den und sie zu ver­dre­hen, um sei­ne Lügen zu unter­stüt­zen. Die­se Ver­su­chung war eine Auf­for­de­rung zur Ver­mes­sen­heit, zum Tes­ten Got­tes, zum For­dern eines Zei­chens, zur Zur­schau­stel­lung gött­li­cher Macht. Der Teu­fel sag­te im Grun­de: Wenn du wirk­lich Got­tes Sohn bist, dann bewei­se es, dann tes­te Got­tes Ver­hei­ßun­gen, dann sprin­ge und zwin­ge Gott, ein­zu­grei­fen.

Jesus durch­schau­te die­se Täu­schung sofort und ant­wor­te­te: “Wie­der­um steht auch geschrie­ben: Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, nicht ver­su­chen.” Wie­der zitier­te Jesus aus dem 5. Buch Mose, die­ses Mal aus Kapi­tel 6, Vers 16. Jesus erkann­te, dass es einen Unter­schied gibt zwi­schen dem Ver­trau­en auf Got­tes Ver­hei­ßun­gen im Kon­text des Gehor­sams und dem Tes­ten Got­tes durch ver­mes­se­nes Han­deln. Gott zu ver­trau­en bedeu­tet nicht, ihn zu ver­su­chen. Gott zu ver­trau­en bedeu­tet, sei­nem Wort zu gehor­chen und dar­auf zu ver­trau­en, dass er sei­ne Ver­hei­ßun­gen in sei­ner Zeit und auf sei­ne Wei­se erfül­len wird. Gott zu ver­su­chen bedeu­tet, ihn durch unser eigen­mäch­ti­ges Han­deln zu zwin­gen, ein­zu­grei­fen, ihn zu tes­ten, ob er wirk­lich tun wird, was er ver­spro­chen hat. Die­se Ver­su­chung ist in unse­rer Zeit beson­ders rele­vant. Wie oft hören wir Men­schen, die sagen: Ich wer­de dies oder jenes tun und Gott wird mich schon beschüt­zen, auch wenn ihr Han­deln töricht oder unge­hor­sam ist? Wie oft wird Got­tes Ver­hei­ßung des Schut­zes als Recht­fer­ti­gung für leicht­sin­ni­ges, unver­ant­wort­li­ches oder gar sün­di­ges Ver­hal­ten miss­braucht?

Gera­de des­halb ist es so ent­schei­dend, dass Chris­ten die Bibel ken­nen. Wenn der Teu­fel die Schrift benutzt, um zu ver­füh­ren, dann kön­nen wir ihm nur wider­ste­hen, indem wir die Schrift rich­tig ver­ste­hen und anwen­den. Jesus dis­ku­tier­te nicht mit dem Teu­fel, er argu­men­tier­te nicht mit mensch­li­cher Logik, son­dern ant­wor­te­te mit Got­tes Wort. Doch vie­le Chris­ten ken­nen die Bibel nur ober­fläch­lich, weil sie zu bequem sind, sie regel­mä­ßig zu lesen, zu stu­die­ren und zu ver­in­ner­li­chen. Wo ist der Teu­fel heu­te zu fin­den? Er wirkt nicht nur in offen­sicht­li­cher Bos­heit, son­dern oft auch in from­men Wor­ten, in halb­wah­ren Pre­dig­ten, in ver­dreh­ten Bibel­aus­le­gun­gen. Des­halb brau­chen wir eine geist­li­che Unter­schei­dungs­ga­be, und die­se wächst nur dort, wo das Wort Got­tes tief in uns ver­wur­zelt ist.

Die drit­te Ver­su­chung war die direk­tes­te und offens­te. Der Teu­fel führ­te Jesus auf einen sehr hohen Berg, zeig­te ihm alle Rei­che der Welt und ihre Herr­lich­keit und bot ihm einen Deal an: “Das alles will ich dir geben, wenn du nie­der­fällst und mich anbe­test.” Hier wur­de die Mas­ke voll­stän­dig fal­len gelas­sen. Der Teu­fel bot Jesus alles an, was er zu erlan­gen gekom­men war, näm­lich die Herr­schaft über die König­rei­che die­ser Welt, aber er bot es auf einem ande­ren Weg an. Jesus war gekom­men, um die Welt durch sein Lei­den, sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­ste­hung zu erlö­sen. Der Teu­fel bot einen Weg ohne das Kreuz, ohne den Schmerz, ohne den Gehor­sam bis zum Tod. Alles was es kos­ten wür­de, war ein Akt der Anbe­tung, ein kur­zes Nie­der­knien vor dem Feind. Die­se Ver­su­chung offen­bart das ulti­ma­ti­ve Ziel Satans: Anbe­tung. Er will nicht unser Die­ner sein, er will nicht ein­mal unser Freund sein, er will unser Gott sein. Hin­ter jeder Ver­su­chung steht letzt­end­lich die­se Fra­ge: Wen wirst du anbe­ten, wem wirst du die­nen, wem wirst du dein Leben hin­ge­ben?

Die Ant­wort Jesu war unmit­tel­bar und kraft­voll: “Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrie­ben: Du sollst anbe­ten den Herrn, dei­nen Gott, und ihm allein die­nen.” Zum drit­ten Mal zitier­te Jesus aus dem 5. Buch Mose, die­ses Mal aus Kapi­tel 6, Vers 13. Jesus mach­te unmiss­ver­ständ­lich klar, dass Anbe­tung Gott allein gebührt, dass kei­ne Macht, kein Ver­spre­chen, kei­ne Abkür­zung es recht­fer­ti­gen kann, dem Teu­fel auch nur einen Moment der Ver­eh­rung zu schen­ken. Die­se kom­pro­miss­lo­se Hal­tung ist heu­te genau­so not­wen­dig wie damals. Wir leben in einer Welt, die uns täg­lich Kom­pro­mis­se anbie­tet, die uns ver­spricht, dass wir Erfolg, Wohl­stand, Aner­ken­nung und Macht haben kön­nen, wenn wir nur ein wenig von unse­ren Prin­zi­pi­en abwei­chen, ein wenig von Got­tes Gebo­ten nach­ge­ben, ein wenig der Welt die­nen. Doch die Bot­schaft Jesu ist klar:

Nach die­ser drit­ten Zurück­wei­sung heißt es: “Da ver­ließ ihn der Teu­fel. Und sie­he, da tra­ten Engel zu ihm und dien­ten ihm.” Der Sieg war errun­gen, und die Beloh­nung für Treue kam. Dies lehrt uns eine wich­ti­ge Wahr­heit über geist­li­chen Kampf. Wenn wir dem Teu­fel wider­ste­hen, wenn wir fest im Glau­ben ste­hen, wenn wir Got­tes Wort als unse­re Waf­fe ein­set­zen, dann wird der Feind flie­hen. Jako­bus schreibt in Kapi­tel 4, Vers 7: “So seid nun Gott unter­tan. Wider­steht dem Teu­fel, so flieht er von euch.” Der Teu­fel hat kei­ne Macht über den, der in Chris­tus steht und sich sei­nem Wort unter­stellt. Nach dem Kampf kam die Ver­sor­gung. Die Engel, die wäh­rend der Ver­su­chung nicht ein­ge­grif­fen hat­ten, kamen nun und dien­ten Jesus. Gott hat­te Jesus nicht allein gelas­sen, auch wenn es so schien. Er hat­te ihn beob­ach­tet, und nach dem Sieg kam die Stär­kung. So ist es auch in unse­rem Leben. Gott lässt uns in der Ver­su­chung nicht allein, auch wenn wir sei­ne Gegen­wart viel­leicht nicht spü­ren, und nach dem Sieg wird er uns stär­ken und erfri­schen.

Es ist wich­tig zu beach­ten, dass Jesus in allen drei Ver­su­chun­gen die­sel­be Waf­fe ein­setz­te: Das Wort Got­tes. Er zitier­te nicht sei­ne eige­ne Weis­heit, er berief sich nicht auf sei­ne gött­li­che Auto­ri­tät, er ver­wen­de­te nicht sei­ne über­na­tür­li­che Macht, son­dern er griff auf die geschrie­be­ne Schrift zurück, die jedem Gläu­bi­gen zur Ver­fü­gung steht. Dies zeigt uns, dass das Wort Got­tes unse­re wich­tigs­te Waf­fe im geist­li­chen Kampf ist. Pau­lus schreibt in Ephe­ser 6, Vers 17, dass das Schwert des Geis­tes das Wort Got­tes ist. Wenn wir die Bibel nicht ken­nen, wenn wir nicht in ihr gegrün­det sind, wenn wir ihre Wahr­hei­ten nicht ver­in­ner­licht haben, dann sind wir wehr­los gegen die Angrif­fe des Fein­des. Charles Spur­ge­on sag­te ein­mal: “Ein Bibel­vers wird mehr aus­rich­ten als eine lan­ge Pre­digt, wenn der Hei­li­ge Geist ihn auf das Herz legt.”

Die Ver­su­chun­gen, denen Jesus in der Wüs­te begeg­ne­te, sind bei­spiel­haft für die Ver­su­chun­gen, die jedem Men­schen begeg­nen. Die ers­te Ver­su­chung spricht unse­re kör­per­li­chen Begier­den an, unse­re Lust nach mate­ri­el­lem Kom­fort, unse­ren Wunsch, unse­re phy­si­schen Bedürf­nis­se sofort zu befrie­di­gen. Die zwei­te Ver­su­chung spricht unse­ren Stolz an, unse­ren Wunsch nach Bestä­ti­gung, unser Bedürf­nis, uns selbst zu bewei­sen, unse­re Nei­gung zur Ver­mes­sen­heit. Die drit­te Ver­su­chung spricht unse­re Ambi­tio­nen an, unse­ren Hun­ger nach Macht, unse­ren Wunsch nach Aner­ken­nung, unse­re Bereit­schaft, Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen, um unse­re Zie­le zu errei­chen.

Johan­nes beschreibt in sei­nem ers­ten Brief in Kapi­tel 2, Vers 16 die­se drei Kate­go­rien: “Denn alles, was in der Welt ist, des Flei­sches Lust und der Augen Lust und hof­fär­ti­ges Leben, ist nicht vom Vater, son­dern von der Welt.” Die Lust des Flei­sches ent­spricht der ers­ten Ver­su­chung, die Lust der Augen der drit­ten und das hof­fär­ti­ge Leben der zwei­ten.

Es ist auch bemer­kens­wert, dass der Teu­fel Jesus zwei­mal mit den Wor­ten ansprach: “Bist du Got­tes Sohn.” Die­se For­mu­lie­rung war ein Angriff auf Jesu Iden­ti­tät. Bei sei­ner Tau­fe hat­te die Stim­me vom Him­mel gesagt: “Dies ist mein lie­ber Sohn, an dem ich Wohl­ge­fal­len habe” (Mat­thä­us 3,17). Nun stell­te der Teu­fel die­se Iden­ti­tät in Fra­ge. Wenn du wirk­lich Got­tes Sohn bist, dann bewei­se es, schien er zu sagen. Die­se Stra­te­gie ver­wen­det der Feind auch bei uns. Er greift unse­re Iden­ti­tät in Chris­tus an, sät Zwei­fel über unse­re Erlö­sung, stellt in Fra­ge, ob wir wirk­lich Got­tes Kin­der sind, ver­sucht uns zu über­zeu­gen, dass wir uns bewei­sen müs­sen. Doch unse­re Iden­ti­tät basiert nicht auf unse­rer Leis­tung, son­dern auf Got­tes Erklä­rung.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt die­ser Geschich­te ist der Kon­text, in dem sie statt­fin­det. Unmit­tel­bar vor der Ver­su­chung in Mat­thä­us 3 wird Jesu Tau­fe beschrie­ben, bei der der Him­mel sich öff­ne­te, der Geist Got­tes wie eine Tau­be her­ab­kam und die Stim­me des Vaters sei­ne Zustim­mung ver­kün­de­te. Dies war ein Moment höchs­ter geist­li­cher Erfah­rung, ein Gip­fel­punkt der Bestä­ti­gung und Offen­ba­rung. Doch unmit­tel­bar danach kam die Wüs­te, die Ein­sam­keit, die Ver­su­chung. Dies ist ein Mus­ter, das wir oft im christ­li­chen Leben sehen. Nach Zei­ten inten­si­ver geist­li­cher Erfah­rung kom­men oft Zei­ten der Prü­fung. Nach dem Gip­fel kommt das Tal. Dies ist nicht unge­wöhn­lich oder ein Zei­chen, dass etwas falsch gelau­fen ist, son­dern ein nor­ma­ler Teil des geist­li­chen Wachs­tums. Elia erleb­te einen macht­vol­len Sieg auf dem Berg Kar­mel, nur um kurz danach in tie­fe Depres­si­on zu fal­len. Mose sah Got­tes Herr­lich­keit auf dem Berg Sinai und kam dann ins Tal, wo das Volk ein gol­de­nes Kalb anbe­te­te. Wir soll­ten nicht ent­mu­tigt sein, wenn nach geist­li­chen Höhe­punk­ten Prü­fun­gen kom­men, denn dies ist Teil von Got­tes Plan, uns zu for­men und zu stär­ken.

Die Geschich­te der Ver­su­chung Jesu zeigt uns auch etwas über das Wesen Chris­ti selbst. Der Hebrä­er­brief sagt in Kapi­tel 4, Ver­se 15 und 16: “Denn wir haben nicht einen Hohen­pries­ter, der nicht könn­te mit lei­den mit unse­rer Schwach­heit, son­dern der ver­sucht wor­den ist in allem wie wir, doch ohne Sün­de. Dar­um lasst uns hin­zu­tre­ten mit Zuver­sicht zu dem Thron der Gna­de, auf dass wir Barm­her­zig­keit emp­fan­gen und Gna­de fin­den zu der Zeit, wenn wir Hil­fe nötig haben.” Jesus ver­steht unse­re Kämp­fe, weil er selbst ver­sucht wur­de. Er weiß, wie es sich anfühlt, hung­rig zu sein, in Fra­ge gestellt zu wer­den, Abkür­zun­gen ange­bo­ten zu bekom­men. Doch er blieb ohne Sün­de, und genau des­halb kann er uns in unse­ren Ver­su­chun­gen hel­fen. Er ist nicht ein fer­ner Gott, der unse­re Kämp­fe nicht ver­steht, son­dern ein mit­füh­len­der Hohe­pries­ter, der alles durch­ge­macht hat, was wir durch­ma­chen, und den­noch sieg­reich geblie­ben ist.

Die Tat­sa­che, dass die­ser Bericht in den Evan­ge­li­en auf­ge­zeich­net ist, ist selbst von Bedeu­tung. Jesus war allein in der Wüs­te wäh­rend die­ser Ver­su­chun­gen. Nie­mand war Zeu­ge die­ser Begeg­nung außer ihm selbst. Das bedeu­tet, dass Jesus die­se Geschich­te spä­ter sei­nen Jün­gern erzählt haben muss. War­um tat er das? Nicht um mit sei­nem Sieg zu prah­len, son­dern um uns zu leh­ren, wie wir mit Ver­su­chun­gen umge­hen sol­len. Er gab uns ein Modell, ein Bei­spiel, eine Stra­te­gie für unse­ren eige­nen Kampf. Dies zeigt sei­ne Lie­be und Für­sor­ge für uns. Er wuss­te, dass wir den­sel­ben Feind kon­fron­tie­ren wür­den, und er woll­te uns für den Kampf aus­rüs­ten.

Es ist auch wich­tig zu ver­ste­hen, dass die Ver­su­chung Jesu in der Wüs­te nicht das Ende sei­ner Ver­su­chun­gen war. Lukas berich­tet in sei­nem Evan­ge­li­um in Kapi­tel 4, Vers 13: “Und als der Teu­fel alle Ver­su­chun­gen voll­endet hat­te, wich er von ihm eine Zeit lang.” Der Teu­fel wich nur für eine Zeit. Er wür­de wie­der­kom­men. Tat­säch­lich ver­such­te Satan, Jesus wäh­rend sei­nes gan­zen Diens­tes anzu­grei­fen, manch­mal direkt, manch­mal durch ande­re Men­schen. In Mat­thä­us 16 benutz­te er Petrus, um Jesus von sei­nem Weg zum Kreuz abzu­brin­gen, und Jesus muss­te ihn mit den­sel­ben Wor­ten zurück­wei­sen: “Wei­che von mir, Satan!” (Mat­thä­us 16,23). Dies lehrt uns, dass der geist­li­che Kampf kein ein­ma­li­ges Ereig­nis ist, son­dern ein fort­lau­fen­der Pro­zess. Ein Sieg über Ver­su­chung bedeu­tet nicht, dass wir nie wie­der ver­sucht wer­den. Wir müs­sen wach­sam blei­ben, im Gebet ver­har­ren und uns täg­lich mit Got­tes Wort wapp­nen.

Die prak­ti­schen Anwen­dun­gen die­ser Geschich­te für unser Leben heu­te sind zahl­reich und wich­tig. Ers­tens müs­sen wir aner­ken­nen, dass Ver­su­chung real ist und dass wir alle ihr aus­ge­setzt sind. Niemand ist immun, nie­mand ist zu geist­lich, nie­mand ist zu stark, um nicht ange­grif­fen zu wer­den. Pau­lus warnt in 1. Korin­ther 10, Vers 12: “Dar­um, wer meint, er ste­he, mag zuse­hen, dass er nicht fal­le.” Selbst­über­schät­zung ist gefähr­lich. Wir brau­chen eine gesun­de Wach­sam­keit und Demut, die aner­kennt, dass wir ohne Got­tes Gna­de und Kraft hilf­los sind. Zwei­tens müs­sen wir das Wort Got­tes zu unse­rer pri­mä­ren Ver­tei­di­gung machen. Wir kön­nen nicht effek­tiv gegen Ver­su­chung kämp­fen mit guten Absich­ten, star­kem Wil­len oder posi­ti­ven Gedan­ken allein. Wir brau­chen die objek­ti­ve Wahr­heit des Wor­tes Got­tes, das schär­fer ist als ein zwei­schnei­di­ges Schwert (Hebrä­er 4,12). Dies bedeu­tet, dass wir Zeit inves­tie­ren müs­sen in das Stu­di­um der Bibel, im Aus­wen­dig­ler­nen von Ver­sen und in der Medi­ta­ti­on über Got­tes Wahr­hei­ten.

Drit­tens müs­sen wir ler­nen, die Tak­ti­ken des Fein­des zu erken­nen. Er kommt sel­ten offen und sagt: Tue etwas Böses. Statt­des­sen ver­klei­det er die Sün­de, macht sie attrak­tiv, bie­tet schein­bar gute Grün­de dafür und ver­wen­det sogar reli­giö­se Spra­che oder Bibel­ver­se, um uns zu täu­schen. Pau­lus warnt in 2. Korin­ther 11, Vers 14: “Und das ist auch kein Wun­der; denn er selbst, der Satan, ver­stellt sich als Engel des Lichts.” Wir brau­chen Unter­schei­dungs­ver­mö­gen, das nur durch eine enge Bezie­hung zu Gott und durch die Füh­rung des Hei­li­gen Geis­tes kommt.

Vier­tens müs­sen wir ver­ste­hen, dass Ver­su­chung an sich kei­ne Sün­de ist. Jesus wur­de ver­sucht, aber er sün­dig­te nicht. Ver­sucht zu wer­den bedeu­tet nicht, dass wir schwach oder ungeist­lich sind, es bedeu­tet, dass wir mensch­lich sind und in einer gefal­le­nen Welt leben. Die Sün­de beginnt, wenn wir der Ver­su­chung nach­ge­ben, wenn wir auf sie reagie­ren, wenn wir sie in unse­rem Her­zen will­kom­men hei­ßen. Jako­bus beschreibt den Pro­zess in Kapi­tel 1, Ver­se 14 und 15: “Son­dern ein jeder, der ver­sucht wird, wird von sei­ner eige­nen Begier­de gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begier­de emp­fan­gen hat, gebiert sie die Sün­de; die Sün­de aber, wenn sie voll­endet ist, gebiert den Tod.”

Fünf­tens müs­sen wir die Bedeu­tung der Gemein­schaft mit ande­ren Gläu­bi­gen erken­nen. Wäh­rend Jesus allein in der Wüs­te war, sind wir nicht dazu beru­fen, unse­re Kämp­fe allein zu füh­ren. Wir brau­chen die Unter­stüt­zung, die Ermu­ti­gung, die Rechen­schafts­pflicht und das Gebet ande­rer Chris­ten. Der Pre­di­ger sagt in Kapi­tel 4, Ver­se 9 und 10: “So ist’s ja bes­ser zu zwei­en als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf.” Iso­la­ti­on macht uns ver­wund­bar, Gemein­schaft macht uns stark. Sechs­tens müs­sen wir ler­nen, in Zei­ten der Ver­su­chung zu beten. Jesus lehr­te sei­ne Jün­ger zu beten: “Und füh­re uns nicht in Ver­su­chung, son­dern erlö­se uns von dem Bösen” (Mat­thä­us 6,13). Gebet ist nicht eine pas­si­ve Akti­vi­tät, son­dern eine mäch­ti­ge Waf­fe im geist­li­chen Kampf. Wenn wir ver­sucht wer­den, soll­te unser ers­ter Impuls sein, zu Gott zu schrei­en, sei­ne Hil­fe zu suchen, sei­ne Kraft zu erbit­ten.

Die Geschich­te der Ver­su­chung Jesu endet mit einem Sieg, und das ist die Hoff­nung, die sie uns gibt. Wir sind nicht dazu bestimmt, in Ver­su­chung zu fal­len, son­dern zu über­win­den. Durch die Kraft Chris­ti, der den Teu­fel bereits besiegt hat, kön­nen auch wir sieg­reich sein. Johan­nes schreibt in sei­nem ers­ten Brief in Kapi­tel 4, Vers 4: “Kin­der, ihr seid von Gott und habt jene über­wun­den; denn der in euch ist, ist grö­ßer als der, der in der Welt ist.” Wir kämp­fen nicht aus eige­ner Kraft, son­dern in der Kraft des­sen, der bereits den Sieg errun­gen hat. Jede Ver­su­chung, der wir wider­ste­hen, ist ein Zeug­nis von Chris­ti Macht in uns. Jeder Sieg über die Sün­de ver­herr­licht Gott und stärkt unse­ren Glau­ben. Und wenn wir fal­len, was manch­mal gesche­hen wird, haben wir einen Für­spre­cher beim Vater, Jesus Chris­tus, der gerecht ist (1. Johan­nes 2,1), der uns ver­gibt und wie­der­her­stellt, wenn wir zu ihm kom­men.

Lasst uns also von der Ver­su­chung Jesu in der Wüs­te ler­nen. Lasst uns das Wort Got­tes zu unse­rer Waf­fe machen, die Tak­ti­ken des Fein­des erken­nen, in Gemein­schaft mit ande­ren Gläu­bi­gen leben, wach­sam im Gebet sein und fest in unse­rer Iden­ti­tät als Got­tes Kin­der ste­hen. Der Kampf ist real, aber der Sieg ist sicher für die, die in Chris­tus sind und auf sei­ne Kraft ver­trau­en.

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