Bbblogger (11)

Lie­be Lese­rin­nen und Leser, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich eine bemer­kens­wer­te Ent­wick­lung in der Art und Wei­se voll­zo­gen, wie jun­ge Chris­ten die Fas­ten­zeit ver­ste­hen und prak­ti­zie­ren. Was einst eine stil­le und per­sön­li­che Zeit der Buße, des Gebets und der Selbst­prü­fung war, ist für vie­le heu­te zu einer öffent­li­chen Zur­schau­stel­lung gewor­den, die mehr mit welt­li­chen Wett­kämp­fen und dem Stre­ben nach Aner­ken­nung zu tun hat als mit ech­ter geist­li­cher Dis­zi­plin. Beson­ders in den sozia­len Medi­en beob­ach­ten wir, wie jun­ge Chris­ten die Fas­ten­zeit als eine Art sport­li­chen Wett­be­werb ver­ste­hen, bei dem sie mit Mus­li­men und ande­ren reli­giö­sen Grup­pen kon­kur­rie­ren, wer die frömms­te und beein­dru­ckends­te Fas­ten­pra­xis vor­wei­sen kann. Sie fil­men sich dabei, wie sie fas­ten und beten, tei­len ihre Fort­schrit­te online und sam­meln Kom­men­ta­re und Likes, als wäre die Fas­ten­zeit eine unter­halt­sa­me Auf­ga­be, die es zu meis­tern gilt. Doch die­se Her­an­ge­hens­wei­se hat nichts mit dem zu tun, wor­über die Bibel spricht, wenn sie von Fas­ten und Buße redet.

Die Fas­ten­zeit, wie sie in der christ­li­chen Tra­di­ti­on ver­stan­den wird, ist eine Zeit der inne­ren Ein­kehr, der Besin­nung auf die eige­ne Bezie­hung zu Gott und der Vor­be­rei­tung auf das Oster­fest, das die Auf­er­ste­hung unse­res Herrn Jesus Chris­tus fei­ert. Es ist eine Zeit, in der wir uns bewusst von welt­li­chen Ablen­kun­gen und Genüs­sen zurück­zie­hen, um Raum für Gott zu schaf­fen und unse­re Abhän­gig­keit von ihm zu ver­tie­fen. Das bibli­sche Fas­ten ist nie­mals ein Mit­tel zur Selbst­dar­stel­lung oder ein Werk­zeug, um vor ande­ren gut dazu­ste­hen. Im Gegen­teil, Jesus selbst warnt uns ein­dring­lich davor, unse­re geist­li­chen Übun­gen öffent­lich zur Schau zu stel­len. In der Berg­pre­digt sagt er klar und deut­lich: “Wenn ihr fas­tet, sollt ihr nicht sau­er drein­se­hen wie die Heuch­ler, denn sie ver­stel­len ihr Gesicht, damit die Leu­te mer­ken, dass sie fas­ten. Wahr­lich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber fas­test, so sal­be dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leu­ten zeigst mit dei­nem Fas­ten, son­dern vor dei­nem Vater, der im Ver­bor­ge­nen ist, und dein Vater, der in das Ver­bor­ge­ne sieht, wird dir es ver­gel­ten” (Mat­thä­us 6,16–18).

Die­se Wor­te Jesu könn­ten nicht deut­li­cher sein. Das Fas­ten ist eine Sache zwi­schen uns und Gott, nicht zwi­schen uns und der Öffent­lich­keit. Es ist kei­ne Gele­gen­heit, um unse­re Fröm­mig­keit zu bewei­sen oder um Bewun­de­rung von ande­ren zu erhal­ten. Wenn wir fas­ten, um gese­hen zu wer­den, wenn wir unse­re geist­li­chen Übun­gen auf­neh­men und online tei­len, um Aner­ken­nung zu bekom­men, dann ver­feh­len wir den eigent­li­chen Zweck des Fas­tens voll­stän­dig. Wir machen aus einer hei­li­gen Hand­lung eine Show, aus einer geist­li­chen Dis­zi­plin einen Wett­be­werb. Und genau das ist es, was wir heu­te so häu­fig sehen. Jun­ge Chris­ten ver­wan­deln die Fas­ten­zeit in eine Art sport­li­che Her­aus­for­de­rung, bei der es dar­um geht, wer am längs­ten fas­ten kann, wer am häu­figs­ten betet, wer die strengs­te Dis­zi­plin an den Tag legt. Sie doku­men­tie­ren jeden Schritt ihres Fas­tens, tei­len ihre Erfah­run­gen in den sozia­len Medi­en und ver­glei­chen ihre Leis­tun­gen mit denen ande­rer, ins­be­son­de­re mit Mus­li­men, die wäh­rend des Rama­dan fas­ten.

Nun ist es nicht falsch, von ande­ren Reli­gio­nen zu ler­nen oder von ihrer Hin­ga­be inspi­riert zu wer­den. Es ist auch nicht ver­kehrt, sich gegen­sei­tig zu ermu­ti­gen und Gemein­schaft in geist­li­chen Dis­zi­pli­nen zu fin­den. Doch wenn das Fas­ten zu einem Wett­kampf wird, wenn es dar­um geht, bes­ser zu sein als ande­re oder um vor der Welt zu bewei­sen, wie fromm man ist, dann haben wir den Kern des­sen ver­lo­ren, was Fas­ten eigent­lich bedeu­tet. Das bibli­sche Fas­ten ist eine Übung der Demut, nicht des Stol­zes. Es ist ein Aus­druck unse­rer Abhän­gig­keit von Gott, nicht unse­rer eige­nen Stär­ke. Es ist ein Weg, um unse­re Her­zen zu rei­ni­gen und unse­ren Geist zu schär­fen, nicht um unse­re Leis­tun­gen zur Schau zu stel­len.

Die Bibel gibt uns vie­le Bei­spie­le von Men­schen, die gefas­tet haben, und in jedem Fall war das Fas­ten eine per­sön­li­che und ernst­haf­te Ange­le­gen­heit. Als Mose auf dem Berg Sinai war, fas­te­te er vier­zig Tage und vier­zig Näch­te, wäh­rend er in der Gegen­wart Got­tes war und das Gesetz emp­fing. Es wird uns nicht berich­tet, dass er dies öffent­lich zur Schau stell­te oder dass er damit prahl­te. Als Dani­el in Baby­lon leb­te und für sein Volk bete­te, fas­te­te er und demü­tig­te sich vor Gott. Auch hier sehen wir kei­ne öffent­li­che Zur­schau­stel­lung, son­dern eine stil­le und auf­rich­ti­ge Hin­ga­be. Als Jesus selbst in der Wüs­te war und vom Teu­fel ver­sucht wur­de, fas­te­te er vier­zig Tage lang. Dies war kei­ne öffent­li­che Ver­an­stal­tung, son­dern eine Zeit der inten­si­ven geist­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung und Vor­be­rei­tung auf sei­nen Dienst.

In all die­sen Bei­spie­len sehen wir, dass das Fas­ten eine inti­me und per­sön­li­che Hand­lung ist, die zwi­schen dem Gläu­bi­gen und Gott statt­fin­det. Es ist kei­ne Per­for­mance für ande­re, kei­ne Gele­gen­heit, um zu zei­gen, wie geist­lich man ist. Wenn wir die Fas­ten­zeit zu einer öffent­li­chen Show machen, dann ver­keh­ren wir ihren Sinn ins Gegen­teil. Wir machen aus einer Übung der Demut eine Übung des Stol­zes, aus einer Zeit der Selbst­ver­leug­nung eine Zeit der Selbst­er­hö­hung. Und genau davor warnt uns Jesus in sei­nen Wor­ten über das Fas­ten. Er sagt uns, dass die­je­ni­gen, die fas­ten, um von ande­ren gese­hen zu wer­den, bereits ihren Lohn erhal­ten haben. Mit ande­ren Wor­ten, wenn unse­re Beloh­nung die Aner­ken­nung und Bewun­de­rung der Men­schen ist, dann haben wir nichts mehr von Gott zu erwar­ten.

Die sozia­len Medi­en haben die Art und Wei­se, wie wir unser Leben tei­len und prä­sen­tie­ren, grund­le­gend ver­än­dert. Sie bie­ten uns eine Platt­form, um mit ande­ren in Kon­takt zu tre­ten, unse­re Gedan­ken und Erfah­run­gen zu tei­len und Gemein­schaft zu fin­den. Doch sie haben auch eine Schat­ten­sei­te. Sie för­dern eine Kul­tur der Selbst­dar­stel­lung, in der es dar­um geht, das per­fek­te Bild von uns selbst zu zei­gen, in der wir stän­dig nach Bestä­ti­gung und Aner­ken­nung suchen. Die­se Kul­tur der Selbst­dar­stel­lung steht im direk­ten Wider­spruch zu den Wer­ten des Evan­ge­li­ums, das uns zur Demut, zur Selbst­ver­leug­nung und zur Hin­wen­dung zu Gott auf­ruft. Wenn wir unse­re geist­li­chen Übun­gen in den sozia­len Medi­en doku­men­tie­ren und tei­len, dann lau­fen wir Gefahr, dass wir mehr um unse­re eige­ne Ehre besorgt sind als um die Ehre Got­tes.

Dabei ent­steht ein wei­te­res Pro­blem, das oft über­se­hen wird: Wenn ande­re Men­schen die­se öffent­li­che “Show des Fas­tens” sehen, gera­ten sie leicht in Zwei­fel und inne­ren Druck. Vie­le kön­nen aus gesund­heit­li­chen, kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Grün­den nicht so fas­ten, wie es man­che online prä­sen­tie­ren. Sie füh­len sich min­der­wer­tig, unge­nü­gend oder geist­lich schwach, weil sie nicht mit­hal­ten kön­nen. Statt Ermu­ti­gung ent­steht Ver­gleich; statt Frei­heit ent­steht Leis­tungs­druck. Doch Fas­ten ist kein Wett­be­werb und kei­ne Büh­ne. Gott sieht das Ver­bor­ge­ne, nicht das, was im Inter­net glänzt. Und er ver­langt von nie­man­dem etwas, was sei­ne Kräf­te über­steigt.

Es ist wich­tig zu ver­ste­hen, dass die Fas­ten­zeit kei­ne Her­aus­for­de­rung ist, die wir meis­tern müs­sen, kein Wett­be­werb, den wir gewin­nen kön­nen. Sie ist eine Gele­gen­heit, um unse­re Her­zen vor Gott zu demü­ti­gen, um unse­re Sün­den zu beken­nen und um unse­re Abhän­gig­keit von sei­ner Gna­de zu erken­nen. Der Pro­phet Joel ruft das Volk Isra­el zur Buße auf und sagt: “Zer­reißt eure Her­zen und nicht eure Klei­der und kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnä­dig, barm­her­zig, gedul­dig und von gro­ßer Güte, und es reut ihn bald die Stra­fe” (Joel 2,13). Die­se Wor­te machen deut­lich, dass es Gott nicht um äuße­re For­men geht, son­dern um die Hal­tung unse­res Her­zens.

Wenn wir die Fas­ten­zeit als eine sport­li­che Her­aus­for­de­rung ver­ste­hen, dann ver­pas­sen wir die eigent­li­che Bot­schaft. Wir kon­zen­trie­ren uns auf das Äuße­re, auf das, was ande­re sehen kön­nen, anstatt auf das Inne­re, auf das, was nur Gott sieht. Wir mes­sen unse­ren Erfolg an der Län­ge unse­res Fas­tens, an der Zahl unse­rer Gebe­te, an der Här­te unse­rer Dis­zi­plin. Doch Gott misst unse­ren Erfolg an der Auf­rich­tig­keit unse­res Her­zens, an der Echt­heit unse­rer Buße, an der Tie­fe unse­rer Hin­ga­be. Der Psal­mist betet: “Die Opfer, die Gott gefal­len, sind ein geängs­te­ter Geist, ein geängs­te­tes, zer­schla­ge­nes Herz wirst du, Gott, nicht ver­ach­ten.” (Psalm 51,19). Gott sucht nicht nach per­fek­ten Leis­tun­gen, son­dern nach zer­bro­che­nen und demü­ti­gen Her­zen.

Die Kon­kur­renz mit Mus­li­men oder ande­ren reli­giö­sen Grup­pen, die in den sozia­len Medi­en oft zu beob­ach­ten ist, zeugt von einem grund­le­gen­den Miss­ver­ständ­nis des­sen, was Glau­ben und geist­li­che Pra­xis bedeu­ten. Der christ­li­che Glau­be ist kein Wett­be­werb, bei dem es dar­um geht, bes­ser zu sein als ande­re. Es geht nicht dar­um, zu bewei­sen, dass wir fröm­mer, dis­zi­pli­nier­ter oder hin­ge­bungs­vol­ler sind als Men­schen ande­rer Reli­gio­nen. Es geht dar­um, Chris­tus nach­zu­fol­gen, ihm zu gehor­chen und ihn zu ehren. Der Apos­tel Pau­lus schreibt: “Denn wir wagen es nicht, uns denen zuzu­rech­nen oder uns zu ver­glei­chen, die sich selbst emp­feh­len; aber sie sind unver­stän­dig, die sich an sich selbst mes­sen und sich mit sich selbst ver­glei­chen” (2. Korin­ther 10,12). Wir sol­len uns nicht mit ande­ren ver­glei­chen, son­dern uns an Chris­tus ori­en­tie­ren.

Die wah­re Fas­ten­zeit ist eine Zeit der Stil­le, der Besin­nung und des Gebets. Es ist eine Zeit, in der wir bewusst auf Din­ge ver­zich­ten, die uns von Gott ablen­ken, sei es Essen, Unter­hal­tung oder ande­re Annehm­lich­kei­ten. Die­ser Ver­zicht ist kein Selbst­zweck, son­dern ein Mit­tel, um unse­re Her­zen für Gott zu öff­nen und um ihm Raum in unse­rem Leben zu geben. Wenn wir fas­ten, dann sol­len wir dies in der Ver­bor­gen­heit tun, nicht um gese­hen zu wer­den, son­dern um Gott zu begeg­nen.

Tho­mas von Kem­pen, der Autor des geist­li­chen Klas­si­kers “Die Nach­fol­ge Chris­ti”, schrieb: “Was nützt es dir, über die Drei­ei­nig­keit gelehrt zu dis­pu­tie­ren, wenn du die Demut ent­behrst, durch die du der Drei­ei­nig­keit miss­fällst? Wahr­lich, hohe Wor­te machen nicht hei­lig und gerecht, son­dern ein tugend­haf­tes Leben macht Gott lieb.” Die­se Wor­te erin­nern uns dar­an, dass es nicht um äuße­re Zur­schau­stellung geht, nicht um beein­dru­cken­de Leis­tun­gen oder um gelehr­te Reden, son­dern um ein Leben in Demut und Hin­ga­be an Gott.

Lasst uns die Fas­ten­zeit wie­der zu dem machen, was sie sein soll: eine Zeit der stil­len Buße, der inne­ren Ein­kehr und der Erneue­rung unse­rer Bezie­hung zu Gott. Lasst uns auf­hö­ren, sie als Wett­be­werb oder sport­li­che Her­aus­for­de­rung zu ver­ste­hen, und lasst uns statt­des­sen unse­re Her­zen vor Gott demü­ti­gen. Lasst uns fas­ten, nicht um gese­hen zu wer­den, son­dern um Gott zu suchen. Lasst uns beten, nicht um unse­re Fröm­mig­keit zu bewei­sen, sondern um mit unse­rem himm­li­schen Vater zu spre­chen. Und lasst uns die sozia­len Medi­en nicht als Büh­ne für unse­re geist­li­chen Übun­gen nut­zen, son­dern als ein Werk­zeug, um das Evan­ge­li­um zu ver­kün­den und ande­re zu ermu­ti­gen.

Die Nach­fol­ge Chris­ti erfor­dert von uns, dass wir gegen den Strom schwim­men, dass wir uns nicht den Wer­ten und Prak­ti­ken die­ser Welt anpas­sen, son­dern dass wir uns von Got­tes Wort lei­ten las­sen. Pau­lus ermahnt uns: “Stellt euch nicht die­ser Welt gleich, son­dern ändert euch durch Erneue­rung eures Sin­nes, damit ihr prü­fen könnt, was Got­tes Wil­le ist, näm­lich das Gute und Wohl­ge­fäl­li­ge und Voll­kom­me­ne” (Römer 12,2). Wenn wir die Fas­ten­zeit wirk­lich ernst neh­men wol­len, dann müs­sen wir bereit sein, uns von den Trends und Erwar­tun­gen der Welt zu lösen und uns statt­des­sen auf das zu kon­zen­trie­ren, was Gott von uns erwar­tet.

Möge die­se Fas­ten­zeit eine Zeit der ech­ten Begeg­nung mit Gott sein, eine Zeit, in der wir uns nicht von äuße­ren Ein­flüs­sen ablen­ken las­sen, son­dern in der wir uns ganz auf ihn aus­rich­ten. Möge sie uns hel­fen, demü­ti­ger, gehor­sa­mer und lie­be­vol­ler zu wer­den, nicht um vor ande­ren gut dazu­ste­hen, son­dern um Chris­tus ähn­li­cher zu wer­den.

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