Bbblogger (10)

Lie­be Lese­rin­nen und Leser, es ist mir eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit, heu­te über ein The­ma zu spre­chen, das in unse­rer Zeit von gro­ßer Bedeu­tung ist und das vie­le Gemein­den und Gläu­bi­ge beschäf­tigt. Es geht um die Fra­ge, wel­chen Platz die Poli­tik in der Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums haben darf und wo die Gren­ze zwi­schen dem Reich Got­tes und den Rei­chen die­ser Welt ver­läuft. Zu oft erle­ben wir, dass die Kan­zel, die eigent­lich ein hei­li­ger Ort der Ver­kün­di­gung sein soll­te, zu einer Büh­ne für per­sön­li­che poli­ti­sche Mei­nun­gen und welt­li­che Pro­jek­te wird. Dies geschieht beson­ders häu­fig in evan­ge­li­ka­len Krei­sen, wo die Ver­su­chung groß ist, den christ­li­chen Glau­ben mit bestimm­ten poli­ti­schen Bewe­gun­gen oder Ideo­lo­gien zu ver­mi­schen.

Die Kan­zel ist kein Ort für poli­ti­sche Pro­jek­te. Sie ist ein Ort, an dem das rei­ne und unver­fälsch­te Evan­ge­li­um Jesu Chris­ti ver­kün­digt wer­den soll. Wenn wir die Wor­te unse­res Herrn ernst neh­men, dann müs­sen wir uns dar­an erin­nern, was er selbst gesagt hat. Jesus sprach zu Pila­tus und sag­te deut­lich: “Mein Reich ist nicht von die­ser Welt. Wäre mein Reich von die­ser Welt, mei­ne Die­ner wür­den kämp­fen, dass ich den Juden nicht über­ant­wor­tet wür­de; nun aber ist mein Reich nicht von hier” (Johan­nes 18,36). Die­se Wor­te sind von grund­le­gen­der Bedeu­tung für unser Ver­ständ­nis des­sen, was die Auf­ga­be der Kir­che ist und was sie nicht sein darf.

Vie­le Chris­ten, ins­be­son­de­re sol­che, die sich als evan­ge­li­kal ver­ste­hen, haben in den letz­ten Jah­ren begon­nen, ihre per­sön­li­chen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen mit dem Glau­ben zu ver­mi­schen. Sie nut­zen die Kan­zel, um für bestimm­te Par­tei­en zu wer­ben, um poli­ti­sche Füh­rer zu ver­herr­li­chen oder um welt­li­che Pro­gram­me zu för­dern, die sie für gott­ge­wollt hal­ten. Doch dies ist nicht die bibli­sche Leh­re. Die Bibel ruft uns nicht dazu auf, eine poli­ti­sche Agen­da zu ver­fol­gen oder uns an irdi­sche Mäch­te zu bin­den. Statt­des­sen for­dert sie uns auf, Gott zu die­nen und ihm allein die Ehre zu geben. Als die Pha­ri­sä­er Jesus eine Fal­le stel­len woll­ten und ihn frag­ten, ob es recht sei, dem Kai­ser Steu­ern zu zah­len, ant­wor­te­te er mit gro­ßer Weis­heit: “So gebt dem Kai­ser, was des Kai­sers ist, und Gott, was Got­tes ist” (Mat­thä­us 22,21). Die­se kla­re Unter­schei­dung zeigt uns, dass es einen Bereich gibt, der dem welt­li­chen Staat gehört, und einen Bereich, der allein Gott gehört. Die Kir­che ist dazu beru­fen, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was Gott gehört, näm­lich die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums und die För­de­rung des geist­li­chen Lebens der Gläu­bi­gen.

Es ist ein schwer­wie­gen­der Irr­tum zu glau­ben, dass wir das Reich Got­tes durch poli­ti­sche Mit­tel errich­ten kön­nen. Die Geschich­te zeigt uns immer wie­der, dass sol­che Ver­su­che schei­tern und oft zu gro­ßem Scha­den füh­ren. Wenn Chris­ten ihre Hoff­nung auf poli­ti­sche Füh­rer set­zen, dann machen sie die­se zu einer Art Mes­si­as, zu einem Ret­ter, der die Welt ver­än­dern soll. Doch es gibt nur einen Mes­si­as, und das ist Jesus Chris­tus. Kein Mensch, egal wie cha­ris­ma­tisch oder ein­fluss­reich er sein mag, kann die Stel­le Jesu ein­neh­men. Jeder Ver­such, einen Men­schen in die­se Posi­ti­on zu erhe­ben, ist nicht nur falsch, son­dern auch gefähr­lich. Es führt dazu, dass wir unse­ren Blick von Chris­tus abwen­den und ihn auf Men­schen rich­ten, die fehl­bar sind und die, genau wie wir, Sün­der sind.

In jüngs­ter Zeit haben wir gese­hen, wie bestimm­te Per­so­nen in der christ­li­chen Gemein­schaft zu Hel­den oder sogar zu Heils­brin­gern sti­li­siert wur­den. Namen wie Char­lie Kirk, Donald Trump und ande­re wer­den von man­chen Chris­ten so ver­ehrt, als hät­ten sie eine beson­de­re gött­li­che Sen­dung. Doch die Wahr­heit ist, dass die­se Men­schen, so gut ihre Absich­ten auch sein mögen, kei­ne beson­de­re Stel­lung vor Gott haben. Sie sind Men­schen und Sün­der, genau wie wir alle. Die Kir­che ist nicht die Kir­che von Char­lie Kirk oder irgend­ei­nem ande­ren Men­schen. Es gibt nur eine Kir­che, und das ist die Kir­che Jesu Chris­ti. Die­se Kir­che ist nicht an eine bestimm­te poli­ti­sche Bewe­gung gebun­den, sie ist nicht Eigen­tum einer bestimm­ten Kul­tur oder Nati­on, und sie lässt sich nicht für welt­li­che Zwe­cke instru­men­ta­li­sie­ren.

Wer Poli­tik betrei­ben will, hat nichts auf der Kan­zel zu suchen. Dies mag hart klin­gen, aber es ist eine not­wen­di­ge Mah­nung. Die Kan­zel ist ein hei­li­ger Ort, an dem das Wort Got­tes ver­kün­digt wer­den soll. Sie ist nicht dazu da, um per­sön­li­che Mei­nun­gen zu ver­brei­ten, um für poli­ti­sche Kan­di­da­ten zu wer­ben oder um welt­li­che Pro­gram­me zu för­dern. Von der Kan­zel aus pre­di­gen wir aus­schließ­lich das hei­li­ge Evan­ge­li­um Jesu Chris­ti. Wir ver­kün­den die Bot­schaft von der Sün­de des Men­schen, von der Gna­de Got­tes, von der Erlö­sung durch das Kreuz und von der Auf­er­ste­hung unse­res Herrn. Wir rufen Men­schen zur Buße auf und laden sie ein, Jesus Chris­tus als ihren Herrn und Ret­ter anzu­neh­men. Das ist unse­re Auf­ga­be, und die­se Auf­ga­be ist so groß und so wich­tig, dass sie unse­re gan­ze Kraft und Auf­merk­sam­keit erfor­dert.

Die Ver­mi­schung von Glau­be und Poli­tik führt zu Ver­füh­rung und Täu­schung. Wenn wir anfan­gen zu glau­ben, dass bestimm­te poli­ti­sche Par­tei­en oder Bewe­gun­gen das Werk Got­tes tun, dann öff­nen wir die Tür für fal­sche Leh­ren und für Irr­tü­mer. Die Bibel warnt uns ein­dring­lich vor sol­chen Ver­füh­run­gen. Der Apos­tel Pau­lus schreibt: “Denn es wird eine Zeit kom­men, da sie die heil­sa­me Leh­re nicht ertra­gen wer­den, son­dern nach ihren eige­nen Gelüs­ten wer­den sie sich selbst Leh­rer auf­la­den, nach denen ihnen die Ohren jucken, und wer­den die Ohren von der Wahr­heit abwen­den und sich den Fabeln zukeh­ren” (2. Timo­theus 4,3–4). Die­se War­nung ist heu­te aktu­el­ler denn je. Zu vie­le Chris­ten wen­den sich von der kla­ren Leh­re der Schrift ab und fol­gen statt­des­sen Leh­rern, die ihnen sagen, was sie hören wol­len, die ihre poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen bestä­ti­gen und die ihre welt­li­chen Hoff­nun­gen näh­ren.

Es gibt heu­te vie­le poli­ti­sche Bewe­gun­gen, die behaup­ten, christ­li­che Wer­te zu ver­tre­ten, aber bei genaue­rer Betrach­tung zeigt sich oft, dass sie das Evan­ge­li­um für ihre eige­nen Zwe­cke miss­brau­chen. Sie ver­wen­den christ­li­che Spra­che und christ­li­che Sym­bo­le, aber ihr Ziel ist nicht die Ehre Got­tes, son­dern die Erlan­gung von Macht und Ein­fluss. Als Chris­ten sind wir auf­ge­ru­fen, klug und unter­schei­dungs­fä­hig zu sein. Wir sol­len nicht jedem fol­gen, der sich christ­lich nennt, son­dern wir sol­len prü­fen, ob das, was ver­kün­det wird, mit der Hei­li­gen Schrift über­ein­stimmt. Johan­nes ermahnt uns: “Ihr Lie­ben, glaubt nicht einem jeden Geist, son­dern prüft die Geis­ter, ob sie von Gott sind; denn vie­le fal­sche Pro­phe­ten sind in die Welt aus­ge­gan­gen” (1. Johan­nes 4,1).

Vie­le Men­schen las­sen sich heu­te täu­schen und ver­füh­ren, weil bestimm­te poli­ti­sche Grup­pen The­men anspre­chen, die Chris­ten wich­tig sind; etwa Fra­gen rund um Geschlecht, Schutz des unge­bo­re­nen Lebens oder gesell­schaft­li­che Ord­nung. Doch oft ist das nichts ande­res als Stim­men­fang. Par­tei­en sind immer an irdi­sche Zie­le gebun­den, an Macht, Ein­fluss und Gesetz­ge­bung. Selbst wenn etwas christ­lich klingt, bedeu­tet das nicht auto­ma­tisch, dass es dem Geist des Evan­ge­li­ums ent­spricht. Des­halb brau­chen wir geist­li­che Unter­schei­dung: Wir müs­sen prü­fen, ob das, was gesagt und gefor­dert wird, wirk­lich mit Got­tes Wort über­ein­stimmt. Nicht jede poli­ti­sche Posi­ti­on, die sich ‚christ­lich‘ prä­sen­tiert, ist es auch.

Das Christ­sein und die Nach­fol­ge Jesu bedeu­ten nicht, dass wir uns aus der Gesell­schaft zurück­zie­hen oder dass wir uns nicht für Gerech­tig­keit und das Wohl unse­rer Mit­men­schen ein­set­zen sol­len. Im Gegen­teil, die Bibel ruft uns dazu auf, Salz und Licht in die­ser Welt zu sein. Doch es gibt einen wich­ti­gen Unter­schied zwi­schen dem Enga­ge­ment für Gerech­tig­keit aus einer christ­li­chen Hal­tung her­aus und der Ver­mi­schung des Evan­ge­li­ums mit poli­ti­schen Ideo­lo­gien. Unser Enga­ge­ment in der Welt soll­te immer von der Lie­be Chris­ti moti­viert sein und nicht von dem Wunsch nach poli­ti­scher Macht oder gesell­schaft­li­chem Ein­fluss. Wenn wir han­deln, dann soll­ten wir dies aus Gehor­sam gegen­über Got­tes Wort tun und nicht aus Loya­li­tät zu einer poli­ti­schen Par­tei oder Bewe­gung.

Die Nach­fol­ge Jesu ist anspruchs­voll und radi­kal. Sie ver­langt von uns, dass wir unser Kreuz auf uns neh­men und ihm fol­gen. Sie for­dert uns auf, unser Leben nicht nach den Maß­stä­ben die­ser Welt aus­zu­rich­ten, son­dern nach den Maß­stä­ben des Rei­ches Got­tes. Jesus selbst hat gesagt: “Wer mir nach­fol­gen will, der ver­leug­ne sich selbst und neh­me sein Kreuz auf sich täg­lich und fol­ge mir nach” (Lukas 9,23). Die­se Wor­te machen deut­lich, dass die Nach­fol­ge eine täg­li­che Ent­schei­dung ist, eine Ent­schei­dung, die uns immer wie­der vor die Fra­ge stellt, wem wir die­nen wol­len: Gott oder der Welt.

Diet­rich Bon­hoef­fer, der deut­sche Theo­lo­ge und Mär­ty­rer, der sich mutig gegen das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Regime stell­te, schrieb in sei­nem Werk “Nach­fol­ge” über die Kos­ten der Gna­de: “Bil­li­ge Gna­de ist der Tod­feind unse­rer Kir­che. Teu­re Gna­de ist unser ein­zi­ger Schatz.” Bon­hoef­fer ver­stand, dass wah­re Nach­fol­ge nicht bedeu­tet, den beque­men Weg zu gehen oder sich mit den Mäch­ten die­ser Welt zu arran­gie­ren. Wah­re Nach­fol­ge bedeu­tet, bereit zu sein, alles für Chris­tus auf­zu­ge­ben, auch wenn dies bedeu­tet, dass wir in Kon­flikt mit den herr­schen­den Ver­hält­nis­sen gera­ten. Bon­hoef­fers Leben und Tod sind ein mäch­ti­ges Zeug­nis dafür, was es bedeu­tet, Jesus in einer Welt nach­zu­fol­gen, die ihn ablehnt.

Gera­de des­halb dür­fen wir nicht den Feh­ler machen, irgend­ei­nem poli­ti­schen Sys­tem hin­ter­her­zu­lau­fen und es mit dem Reich Got­tes zu ver­wech­seln. Bon­hoef­fer warn­te ein­dring­lich davor, mensch­li­che Ideo­lo­gien mit gött­li­cher Wahr­heit zu ver­mi­schen. Chris­ten brau­chen eine kla­re geist­li­che Unter­schei­dung: Nicht jede Bewe­gung, die mora­li­sche oder reli­giö­se Begrif­fe benutzt, dient Chris­tus. Nicht jede poli­ti­sche For­de­rung, die christ­lich klingt, ist vom Geist Got­tes inspi­riert. Unser Maß­stab ist nicht die Rhe­to­rik der Par­tei­en, son­dern das Wort Got­tes. Wer Jesus nach­folgt, lässt sich nicht von poli­ti­schen Strö­mun­gen ver­ein­nah­men, son­dern prüft alles im Licht der Schrift. Nach­fol­ge bedeu­tet, Chris­tus zu erken­nen und gera­de dadurch zu erken­nen, was nicht Chris­tus ist.

Wir leben in einer Zeit gro­ßer Her­aus­for­de­run­gen und Unsi­cher­hei­ten. Vie­le Men­schen suchen nach Ori­en­tie­rung und Halt, und es ist ver­ständ­lich, dass sie sich an die­je­ni­gen wen­den, die ihnen kla­re Ant­wor­ten und ein­fa­che Lösun­gen ver­spre­chen. Doch als Chris­ten sind wir auf­ge­ru­fen, nicht den ein­fa­chen Weg zu wäh­len, son­dern den Weg der Wahr­heit. Wir sind auf­ge­ru­fen, das Evan­ge­li­um zu ver­kün­den, auch wenn es unpo­pu­lär ist, auch wenn es uns in Schwie­rig­kei­ten bringt, und auch wenn es bedeu­tet, dass wir gegen den Strom schwim­men müs­sen. Der Apos­tel Pau­lus ermahnt uns: “Pre­di­ge das Wort, ste­he dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; wei­se zurecht, dro­he, ermah­ne mit aller Geduld und Leh­re” (2. Timo­theus 4,2).

Unse­re Auf­ga­be ist es nicht, eine poli­ti­sche Agen­da zu ver­fol­gen oder eine bestimm­te gesell­schaft­li­che Ord­nung zu errich­ten. Unse­re Auf­ga­be ist es, Men­schen zu Jesus zu füh­ren, ihnen die Bot­schaft von der Erlö­sung zu ver­kün­den und sie zu einem Leben in der Nach­fol­ge zu ermu­ti­gen. Wenn wir dies tun, dann wird Gott wir­ken und sein Reich wird wach­sen, nicht durch unse­re poli­ti­schen Anstren­gun­gen, son­dern durch die Kraft sei­nes Geis­tes. Jesus selbst hat uns ver­si­chert: “Mir ist gege­ben alle Gewalt im Him­mel und auf Erden. Dar­um gehet hin und machet zu Jün­gern alle Völ­ker: Tau­fet sie auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes und leh­ret sie hal­ten alles, was ich euch befoh­len habe. Und sie­he, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Mat­thä­us 28,18–20).

Lasst uns also wach­sam sein und uns nicht ver­füh­ren las­sen. Lasst uns die Kan­zel für das reser­vie­ren, wofür sie bestimmt ist: die Ver­kün­di­gung des hei­li­gen Evan­ge­li­ums. Lasst uns unse­re Hoff­nung nicht auf Men­schen set­zen, son­dern allein auf Jesus Chris­tus, den Anfän­ger und Voll­ender unse­res Glau­bens. Und lasst uns treu in der Nach­fol­ge blei­ben, kos­te es, was es wol­le.

Hier folgen weitere interessante Artikel

Avatar von BBECK

Published by

Categories: ,

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung