Liebe Leserinnen und Leser, es ist mir eine Herzensangelegenheit, heute über ein Thema zu sprechen, das in unserer Zeit von großer Bedeutung ist und das viele Gemeinden und Gläubige beschäftigt. Es geht um die Frage, welchen Platz die Politik in der Verkündigung des Evangeliums haben darf und wo die Grenze zwischen dem Reich Gottes und den Reichen dieser Welt verläuft. Zu oft erleben wir, dass die Kanzel, die eigentlich ein heiliger Ort der Verkündigung sein sollte, zu einer Bühne für persönliche politische Meinungen und weltliche Projekte wird. Dies geschieht besonders häufig in evangelikalen Kreisen, wo die Versuchung groß ist, den christlichen Glauben mit bestimmten politischen Bewegungen oder Ideologien zu vermischen.
Die Kanzel ist kein Ort für politische Projekte. Sie ist ein Ort, an dem das reine und unverfälschte Evangelium Jesu Christi verkündigt werden soll. Wenn wir die Worte unseres Herrn ernst nehmen, dann müssen wir uns daran erinnern, was er selbst gesagt hat. Jesus sprach zu Pilatus und sagte deutlich: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier” (Johannes 18,36). Diese Worte sind von grundlegender Bedeutung für unser Verständnis dessen, was die Aufgabe der Kirche ist und was sie nicht sein darf.
Das Reich Gottes steht nicht in Konkurrenz zu irdischen Königreichen, es ist nicht eine politische Bewegung unter vielen, und es lässt sich nicht durch weltliche Machtstrukturen oder Programme verwirklichen.
Viele Christen, insbesondere solche, die sich als evangelikal verstehen, haben in den letzten Jahren begonnen, ihre persönlichen politischen Überzeugungen mit dem Glauben zu vermischen. Sie nutzen die Kanzel, um für bestimmte Parteien zu werben, um politische Führer zu verherrlichen oder um weltliche Programme zu fördern, die sie für gottgewollt halten. Doch dies ist nicht die biblische Lehre. Die Bibel ruft uns nicht dazu auf, eine politische Agenda zu verfolgen oder uns an irdische Mächte zu binden. Stattdessen fordert sie uns auf, Gott zu dienen und ihm allein die Ehre zu geben. Als die Pharisäer Jesus eine Falle stellen wollten und ihn fragten, ob es recht sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen, antwortete er mit großer Weisheit: “So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist” (Matthäus 22,21). Diese klare Unterscheidung zeigt uns, dass es einen Bereich gibt, der dem weltlichen Staat gehört, und einen Bereich, der allein Gott gehört. Die Kirche ist dazu berufen, sich auf das zu konzentrieren, was Gott gehört, nämlich die Verkündigung des Evangeliums und die Förderung des geistlichen Lebens der Gläubigen.
Es ist ein schwerwiegender Irrtum zu glauben, dass wir das Reich Gottes durch politische Mittel errichten können. Die Geschichte zeigt uns immer wieder, dass solche Versuche scheitern und oft zu großem Schaden führen. Wenn Christen ihre Hoffnung auf politische Führer setzen, dann machen sie diese zu einer Art Messias, zu einem Retter, der die Welt verändern soll. Doch es gibt nur einen Messias, und das ist Jesus Christus. Kein Mensch, egal wie charismatisch oder einflussreich er sein mag, kann die Stelle Jesu einnehmen. Jeder Versuch, einen Menschen in diese Position zu erheben, ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Es führt dazu, dass wir unseren Blick von Christus abwenden und ihn auf Menschen richten, die fehlbar sind und die, genau wie wir, Sünder sind.
In jüngster Zeit haben wir gesehen, wie bestimmte Personen in der christlichen Gemeinschaft zu Helden oder sogar zu Heilsbringern stilisiert wurden. Namen wie Charlie Kirk, Donald Trump und andere werden von manchen Christen so verehrt, als hätten sie eine besondere göttliche Sendung. Doch die Wahrheit ist, dass diese Menschen, so gut ihre Absichten auch sein mögen, keine besondere Stellung vor Gott haben. Sie sind Menschen und Sünder, genau wie wir alle. Die Kirche ist nicht die Kirche von Charlie Kirk oder irgendeinem anderen Menschen. Es gibt nur eine Kirche, und das ist die Kirche Jesu Christi. Diese Kirche ist nicht an eine bestimmte politische Bewegung gebunden, sie ist nicht Eigentum einer bestimmten Kultur oder Nation, und sie lässt sich nicht für weltliche Zwecke instrumentalisieren.
Wer Politik betreiben will, hat nichts auf der Kanzel zu suchen. Dies mag hart klingen, aber es ist eine notwendige Mahnung. Die Kanzel ist ein heiliger Ort, an dem das Wort Gottes verkündigt werden soll. Sie ist nicht dazu da, um persönliche Meinungen zu verbreiten, um für politische Kandidaten zu werben oder um weltliche Programme zu fördern. Von der Kanzel aus predigen wir ausschließlich das heilige Evangelium Jesu Christi. Wir verkünden die Botschaft von der Sünde des Menschen, von der Gnade Gottes, von der Erlösung durch das Kreuz und von der Auferstehung unseres Herrn. Wir rufen Menschen zur Buße auf und laden sie ein, Jesus Christus als ihren Herrn und Retter anzunehmen. Das ist unsere Aufgabe, und diese Aufgabe ist so groß und so wichtig, dass sie unsere ganze Kraft und Aufmerksamkeit erfordert.
Die Vermischung von Glaube und Politik führt zu Verführung und Täuschung. Wenn wir anfangen zu glauben, dass bestimmte politische Parteien oder Bewegungen das Werk Gottes tun, dann öffnen wir die Tür für falsche Lehren und für Irrtümer. Die Bibel warnt uns eindringlich vor solchen Verführungen. Der Apostel Paulus schreibt: “Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren” (2. Timotheus 4,3–4). Diese Warnung ist heute aktueller denn je. Zu viele Christen wenden sich von der klaren Lehre der Schrift ab und folgen stattdessen Lehrern, die ihnen sagen, was sie hören wollen, die ihre politischen Überzeugungen bestätigen und die ihre weltlichen Hoffnungen nähren.
Wir müssen uns davor hüten, uns von allen Parteien verführen zu lassen, die sich das Christliche auf die Fahne schreiben.
Es gibt heute viele politische Bewegungen, die behaupten, christliche Werte zu vertreten, aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich oft, dass sie das Evangelium für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. Sie verwenden christliche Sprache und christliche Symbole, aber ihr Ziel ist nicht die Ehre Gottes, sondern die Erlangung von Macht und Einfluss. Als Christen sind wir aufgerufen, klug und unterscheidungsfähig zu sein. Wir sollen nicht jedem folgen, der sich christlich nennt, sondern wir sollen prüfen, ob das, was verkündet wird, mit der Heiligen Schrift übereinstimmt. Johannes ermahnt uns: “Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen” (1. Johannes 4,1).
Viele Menschen lassen sich heute täuschen und verführen, weil bestimmte politische Gruppen Themen ansprechen, die Christen wichtig sind; etwa Fragen rund um Geschlecht, Schutz des ungeborenen Lebens oder gesellschaftliche Ordnung. Doch oft ist das nichts anderes als Stimmenfang. Parteien sind immer an irdische Ziele gebunden, an Macht, Einfluss und Gesetzgebung. Selbst wenn etwas christlich klingt, bedeutet das nicht automatisch, dass es dem Geist des Evangeliums entspricht. Deshalb brauchen wir geistliche Unterscheidung: Wir müssen prüfen, ob das, was gesagt und gefordert wird, wirklich mit Gottes Wort übereinstimmt. Nicht jede politische Position, die sich ‚christlich‘ präsentiert, ist es auch.
Und wer blind folgt, nur weil bestimmte Schlagworte fallen, läuft Gefahr, menschlichen Agenden zu dienen statt Christus. Unser Maßstab bleibt die Schrift; nicht politische Programme.
Das Christsein und die Nachfolge Jesu bedeuten nicht, dass wir uns aus der Gesellschaft zurückziehen oder dass wir uns nicht für Gerechtigkeit und das Wohl unserer Mitmenschen einsetzen sollen. Im Gegenteil, die Bibel ruft uns dazu auf, Salz und Licht in dieser Welt zu sein. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem Engagement für Gerechtigkeit aus einer christlichen Haltung heraus und der Vermischung des Evangeliums mit politischen Ideologien. Unser Engagement in der Welt sollte immer von der Liebe Christi motiviert sein und nicht von dem Wunsch nach politischer Macht oder gesellschaftlichem Einfluss. Wenn wir handeln, dann sollten wir dies aus Gehorsam gegenüber Gottes Wort tun und nicht aus Loyalität zu einer politischen Partei oder Bewegung.
Die Nachfolge Jesu ist anspruchsvoll und radikal. Sie verlangt von uns, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen und ihm folgen. Sie fordert uns auf, unser Leben nicht nach den Maßstäben dieser Welt auszurichten, sondern nach den Maßstäben des Reiches Gottes. Jesus selbst hat gesagt: “Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach” (Lukas 9,23). Diese Worte machen deutlich, dass die Nachfolge eine tägliche Entscheidung ist, eine Entscheidung, die uns immer wieder vor die Frage stellt, wem wir dienen wollen: Gott oder der Welt.
Dietrich Bonhoeffer, der deutsche Theologe und Märtyrer, der sich mutig gegen das nationalsozialistische Regime stellte, schrieb in seinem Werk “Nachfolge” über die Kosten der Gnade: “Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Teure Gnade ist unser einziger Schatz.” Bonhoeffer verstand, dass wahre Nachfolge nicht bedeutet, den bequemen Weg zu gehen oder sich mit den Mächten dieser Welt zu arrangieren. Wahre Nachfolge bedeutet, bereit zu sein, alles für Christus aufzugeben, auch wenn dies bedeutet, dass wir in Konflikt mit den herrschenden Verhältnissen geraten. Bonhoeffers Leben und Tod sind ein mächtiges Zeugnis dafür, was es bedeutet, Jesus in einer Welt nachzufolgen, die ihn ablehnt.
Gerade deshalb dürfen wir nicht den Fehler machen, irgendeinem politischen System hinterherzulaufen und es mit dem Reich Gottes zu verwechseln. Bonhoeffer warnte eindringlich davor, menschliche Ideologien mit göttlicher Wahrheit zu vermischen. Christen brauchen eine klare geistliche Unterscheidung: Nicht jede Bewegung, die moralische oder religiöse Begriffe benutzt, dient Christus. Nicht jede politische Forderung, die christlich klingt, ist vom Geist Gottes inspiriert. Unser Maßstab ist nicht die Rhetorik der Parteien, sondern das Wort Gottes. Wer Jesus nachfolgt, lässt sich nicht von politischen Strömungen vereinnahmen, sondern prüft alles im Licht der Schrift. Nachfolge bedeutet, Christus zu erkennen und gerade dadurch zu erkennen, was nicht Christus ist.
Wir leben in einer Zeit großer Herausforderungen und Unsicherheiten. Viele Menschen suchen nach Orientierung und Halt, und es ist verständlich, dass sie sich an diejenigen wenden, die ihnen klare Antworten und einfache Lösungen versprechen. Doch als Christen sind wir aufgerufen, nicht den einfachen Weg zu wählen, sondern den Weg der Wahrheit. Wir sind aufgerufen, das Evangelium zu verkünden, auch wenn es unpopulär ist, auch wenn es uns in Schwierigkeiten bringt, und auch wenn es bedeutet, dass wir gegen den Strom schwimmen müssen. Der Apostel Paulus ermahnt uns: “Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre” (2. Timotheus 4,2).
Unsere Aufgabe ist es nicht, eine politische Agenda zu verfolgen oder eine bestimmte gesellschaftliche Ordnung zu errichten. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu Jesus zu führen, ihnen die Botschaft von der Erlösung zu verkünden und sie zu einem Leben in der Nachfolge zu ermutigen. Wenn wir dies tun, dann wird Gott wirken und sein Reich wird wachsen, nicht durch unsere politischen Anstrengungen, sondern durch die Kraft seines Geistes. Jesus selbst hat uns versichert: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Matthäus 28,18–20).
Lasst uns also wachsam sein und uns nicht verführen lassen. Lasst uns die Kanzel für das reservieren, wofür sie bestimmt ist: die Verkündigung des heiligen Evangeliums. Lasst uns unsere Hoffnung nicht auf Menschen setzen, sondern allein auf Jesus Christus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Und lasst uns treu in der Nachfolge bleiben, koste es, was es wolle.
