Bibelblogger

"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Wenn Christen sich bekämpfen: Warum das Fleisch siegt und die Wahrheit verliert!

Beckblogger (3)

Die christliche Gemein­schaft ist dazu berufen, ein Leucht­turm der Liebe, der Ein­heit und der Wahrheit in ein­er zer­ris­se­nen Welt zu sein. Doch wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass die Real­ität oft anders aussieht. Chris­ten stre­it­en über Lehrmei­n­un­gen, über Ausle­gun­gen, über For­men des Gottes­di­en­stes und über Fra­gen der Lebens­führung. Diese Auseinan­der­set­zun­gen wer­den manch­mal mit ein­er solchen Schärfe geführt, dass Außen­ste­hende kopf­schüt­tel­nd zuse­hen und sich fra­gen, wo denn die Liebe geblieben ist, von der Jesus so ein­dringlich gesprochen hat. Paulus warnt die Gemeinde in Gala­tien mit deut­lichen Worten: “Wenn ihr euch aber untere­inan­der beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht ein­er vom andern aufge­fressen werdet” (Galater 5,15). Diese drastis­che Bild­sprache zeigt, wie zer­störerisch innerge­meindliche Kon­flik­te sein kön­nen.

Wenn Chris­ten sich gegen­seit­ig bekämpfen, geschieht etwas Tragis­ches. Die Wahrheit, die wir doch alle suchen und vertei­di­gen wollen, tritt in den Hin­ter­grund. Stattdessen gewin­nt das, was die Bibel das Fleisch nen­nt, also unsere eigen­süchtige, gefal­l­ene Natur. Es geht dann nicht mehr darum, gemein­sam der Wahrheit Gottes näherzukom­men, son­dern darum, recht zu behal­ten, die eigene Posi­tion durchzuset­zen und den anderen als Ver­lier­er daste­hen zu lassen. Der Fokus ver­schiebt sich von der Her­rlichkeit Gottes auf die eigene Ehre, von der Liebe auf den Sieg, von der Demut auf den Stolz. In solchen Momenten offen­bart sich, wie tief die sündi­ge Natur auch in wiederge­bore­nen Chris­ten noch ver­wurzelt ist.

Die Werke des Fleis­ches sind offen­bar, wie Paulus im Galater­brief schreibt. Unter ihnen nen­nt er aus­drück­lich “Feind­schaft, Had­er, Eifer­sucht, Zorn, Zank, Zwi­etra­cht, Spal­tun­gen” (Galater 5,20). All diese Dinge kön­nen in christlichen Auseinan­der­set­zun­gen zum Vorschein kom­men, und sie haben nichts mit dem Reich Gottes zu tun. Wenn wir uns in Diskus­sio­nen ver­lieren, die von diesen fleis­chlichen Motiv­en getrieben sind, dann mag es sein, dass wir am Ende des Tages ver­meintlich eine Debat­te gewon­nen haben, aber wir haben dabei etwas viel Wichtigeres ver­loren. Wir haben die Ein­heit im Geist ver­loren, die durch das Band des Friedens zusam­menge­hal­ten wird (Eph­eser 4,3). Wir haben das Zeug­nis vor der Welt beschädigt, denn Jesus selb­st betete, dass seine Jünger eins sein mögen, damit die Welt glaubt (Johannes 17,21): “Ich bete, dass sie alle eins sind, und zwar so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen sie in uns eins sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.”

Es ist wichtig zu ver­ste­hen, dass nicht jede Auseinan­der­set­zung unter Chris­ten automa­tisch fleis­chlich ist. Es gibt Sit­u­a­tio­nen, in denen wir für die Wahrheit ein­ste­hen müssen, in denen wir Irrlehren wider­sprechen und falsche Wege kor­rigieren müssen. Die Apos­tel selb­st haben dies getan, und die Kirchengeschichte zeigt, dass manch­mal Kon­flik­te notwendig waren, um die Rein­heit der Lehre zu bewahren. Der entschei­dende Unter­schied liegt in der Art und Weise, wie wir diese Auseinan­der­set­zun­gen führen, und in den Motiv­en, die uns antreiben. Paulus schreibt an Tim­o­theus: “Ein Diener des Her­rn soll aber nicht stre­it­en, son­dern allen fre­undlich begeg­nen. Er sollte lehrfähig sein und sich nicht provozieren lassen, Wider­spen­stige aber mit Güte und Geduld zurechtweisen. Vielle­icht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Änderung ihrer Ein­stel­lung. Dann erken­nen sie die Wahrheit” (2. Tim­o­theus 2,24–25). Hier sehen wir, dass auch die Zurechtweisung in San­ft­mut geschehen soll, nicht in Arro­ganz oder Selb­st­gerechtigkeit.

Wenn wir aber in unseren Auseinan­der­set­zun­gen die San­ft­mut ver­lieren, wenn wir den anderen nicht mehr als Brud­er oder Schwest­er sehen, son­dern als Feind, wenn wir nicht mehr zuhören, son­dern nur noch reden wollen, dann hat das Fleisch bere­its gesiegt. In solchen Momenten geht es nicht mehr um die Wahrheit Gottes, son­dern um unsere eigene Wahrheit, um unser eigenes Ver­ständ­nis, das wir abso­lut set­zen. Wir vergessen, dass auch wir nur Stück­w­erk erken­nen, wie Paulus schreibt (1. Korinther 13,9). Wir vergessen, dass Demut die Grund­hal­tung eines Jüngers Jesu sein sollte, denn Gott wider­ste­ht den Hochmüti­gen, aber den Demüti­gen gibt er Gnade (Jakobus 4,6).

“Die Frucht des Geistes hinge­gen ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Fre­undlichkeit, Güte, Treue, San­ft­mut und Keuschheit” (Galater 5,22–23). Wenn diese Eigen­schaften unsere Gespräche und Auseinan­der­set­zun­gen prä­gen, dann kann auch in der Mei­n­ungsver­schieden­heit die Wahrheit wach­sen. Dann kön­nen wir gemein­sam ler­nen, einan­der kor­rigieren und trotz­dem in Liebe ver­bun­den bleiben. Dann wird deut­lich, dass wir nicht gegeneinan­der, son­dern miteinan­der auf dem Weg sind, die Fülle der Wahrheit Christi zu erfassen.

Die Geschichte der Kirche ist voll von tragis­chen Beispie­len, bei denen Chris­ten sich gegen­seit­ig bekämpft haben, oft mit ver­heeren­den Fol­gen. Spal­tun­gen sind ent­standen, Gemein­den wur­den zer­ris­sen, und das Zeug­nis des Evan­geli­ums wurde beschädigt. Dabei waren oft bei­de Seit­en davon überzeugt, für die Wahrheit zu kämpfen.

Doch wenn der Kampf selb­st von Hass, Ver­leum­dung und Lieblosigkeit geprägt ist, dann kann die Wahrheit nicht siegen, denn die Wahrheit ist in Jesus, und Jesus ist die Liebe.

Eine Wahrheit, die ohne Liebe vertreten wird, ist keine bib­lis­che Wahrheit mehr, son­dern eine verz­er­rte, kalte Ortho­dox­ie, die mehr zer­stört als auf­baut.

Jesus selb­st hat uns ein Vor­bild gegeben, wie wir mit Wider­spruch und Ablehnung umge­hen sollen. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder. Als er litt, dro­hte er nicht, son­dern stellte es dem anheim, der gerecht richtet (1. Petrus 2,23). Seine Liebe zu den Men­schen, selb­st zu denen, die ihn ablehn­ten, war bedin­gungs­los. Er suchte nicht seinen eige­nen Vorteil, son­dern das Heil der anderen. Wenn wir uns als seine Nach­fol­ger ver­ste­hen, dann müssen wir auch in unseren Auseinan­der­set­zun­gen diese Hal­tung ein­nehmen. Es geht nicht darum, den anderen zu besiegen, son­dern darum, ihn zu gewin­nen, ihm zu dienen und gemein­sam zu wach­sen.

Die Frage, die wir uns in jed­er Diskus­sion und in jedem Kon­flikt stellen soll­ten, lautet: Was ist mein wahres Motiv? Geht es mir wirk­lich um die Ehre Gottes und die Wahrheit seines Wortes, oder geht es mir darum, recht zu behal­ten, meine Posi­tion zu stärken und mein Ego zu befriedi­gen? Diese Selb­st­prü­fung ist schmerzhaft, aber notwendig. Sie erfordert, dass wir ehrlich vor Gott treten und uns von seinem Geist erforschen lassen. Der Psalmist betet: “Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine” (Psalm 139,23). Diese Hal­tung der Selb­stre­flex­ion bewahrt uns davor, blind in fleis­chliche Kämpfe zu stolpern.

Wenn wir erken­nen, dass wir in der Gefahr ste­hen, aus fleis­chlichen Motiv­en zu kämpfen, dann ist Umkehr gefordert. Wir müssen innehal­ten, vor Gott treten und um Verge­bung bit­ten. Wir müssen bere­it sein, den ersten Schritt zur Ver­söh­nung zu tun, auch wenn wir uns im Recht fühlen. Jesus sagt: “Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Brud­er etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und ver­söhne dich mit deinem Brud­er” (Matthäus 5,23–24). Die Ver­söh­nung hat Vor­rang vor dem Gottes­di­enst, denn ohne Ver­söh­nung ist unser Gottes­di­enst nicht wohlge­fäl­lig.

Die Ein­heit der Gläu­bi­gen ist kein neben­säch­lich­es The­ma, son­dern ein zen­trales Anliegen des Neuen Tes­ta­ments. Paulus ermah­nt die Philip­per: “So macht meine Freude dadurch vol­lkom­men, dass ihr eines Sinnes seid, gle­iche Liebe habt, ein­mütig und ein­trächtig seid” (Philip­per 2,2). Diese Ein­heit ist nicht eine ober­fläch­liche Har­monie, bei der Kon­flik­te ver­mieden wer­den, son­dern eine tiefe Ver­bun­den­heit in Chris­tus, die auch Mei­n­ungsver­schieden­heit­en aushal­ten kann. Sie ist möglich, wenn wir bere­it sind, einan­der in Liebe zu ertra­gen und die Ver­schieden­heit als Bere­icherung zu sehen, nicht als Bedro­hung.

Let­ztlich müssen wir uns immer wieder daran erin­nern, dass wir alle unter der Gnade ste­hen. Kein­er von uns hat die vol­lkommene Erken­nt­nis, kein­er von uns ist ohne Fehler, und kein­er von uns hat das Recht, sich über den anderen zu erheben. Wenn wir dies im Herzen tra­gen, dann kön­nen wir auch in schwieri­gen Auseinan­der­set­zun­gen die Liebe bewahren. Dann kön­nen wir die Wahrheit in Liebe sagen (Eph­eser 4,15) und gle­ichzeit­ig bere­it sein, selb­st kor­rigiert zu wer­den. Dann wird nicht das Fleisch siegen, son­dern der Geist Gottes, und die Wahrheit wird in ein­er Atmo­sphäre der Liebe und der Demut aufleucht­en.

Die Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Konfessionen

Ein beson­ders schmer­zlich­es Kapi­tel im gegen­seit­i­gen Bekämpfen unter Chris­ten ist die Feind­schaft zwis­chen ver­schiede­nen Kon­fes­sio­nen. Wie oft erleben wir, dass Chris­ten nicht die gemein­same Grund­lage in Jesus Chris­tus beto­nen, son­dern dass sie sich auf die Unter­schiede in Tra­di­tion, Gottes­di­en­st­for­men und Lehrfein­heit­en konzen­tri­eren und diese Unter­schiede als Waf­fen gegeneinan­der ein­set­zen. Das ständi­ge Lästern gegen andere Kon­fes­sio­nen ist zu ein­er trau­ri­gen Gewohn­heit gewor­den, die in manchen christlichen Kreisen ger­adezu kul­tiviert wird. Da wer­den die Katho­liken von den Evan­ge­likalen als Götzen­di­ener beze­ich­net, die Evan­ge­likalen von den Katho­liken als Spal­ter, die Pfin­gstler als Schwärmer, die tra­di­tionellen Kirchen als tot und lib­er­al. Diese Liste ließe sich end­los fort­set­zen, und jede dieser Zuschrei­bun­gen trägt Gift in sich, das den Leib Christi vergiftet.

Wenn wir über andere Kon­fes­sio­nen lästern, vergessen wir eine grundle­gende Wahrheit:

In jed­er dieser Gemein­schaften gibt es Men­schen, die Jesus Chris­tus als ihren Her­rn und Erlös­er angenom­men haben, die aus Gnade erret­tet sind und die genau­so zum Leib Christi gehören wie wir selb­st.

Paulus stellt die Frage: “Wer bist du, dass du den Hausknecht eines anderen richt­est? Er ste­ht oder fällt seinem eige­nen Her­rn. Er wird aber aufrecht gehal­ten wer­den; denn Gott ver­mag ihn aufrecht zu hal­ten” (Römer 14,4). Diese Mah­nung gilt beson­ders, wenn wir über unsere Geschwis­ter in anderen kon­fes­sionellen Zusam­men­hän­gen sprechen. Wir sind nicht ihre Richter, son­dern ihre Mitknechte unter dem einen Her­rn Jesus Chris­tus. Wenn wir uns anmaßen, über sie zu urteilen und sie pauschal zu verurteilen, dann über­schre­it­en wir eine Gren­ze, die uns nicht zuste­ht.

Das ständi­ge Lästern gegen andere Kon­fes­sio­nen offen­bart oft eine gefährliche geistliche Hal­tung. Es zeigt, dass wir unsere eigene Posi­tion abso­lut set­zen und uns in ein­er Art geistlichem Hochmut über andere erheben. Wir meinen, die einzig wahre Ausle­gung der Schrift zu besitzen, die einzig richtige Form des Gottes­di­en­stes zu prak­tizieren und die einzig legit­ime Nach­folge der Apos­tel zu repräsen­tieren. Diese Hal­tung wider­spricht fun­da­men­tal dem Geist der Demut, zu dem uns die Schrift aufruft. Paulus ermah­nt die Philip­per: “Tut nichts aus Eigen­nutz oder um eitler Ehre willen, son­dern in Demut achte ein­er den andern höher als sich selb­st” (Philip­per 2,3). Wenn wir andere Kon­fes­sio­nen ständig her­ab­set­zen, dann acht­en wir sie ger­ade nicht höher als uns selb­st, son­dern demon­stri­eren unseren eige­nen Hochmut.

Dabei ist es dur­chaus legit­im und sog­ar notwendig, the­ol­o­gis­che Unter­schiede zu benen­nen und darüber in einen ehrlichen Dia­log zu treten. Es gibt tat­säch­lich Lehrfra­gen, die wichtig sind und die nicht ein­fach unter den Tep­pich gekehrt wer­den soll­ten. Die Frage nach der Recht­fer­ti­gung, nach der Autorität der Schrift, nach dem Ver­ständ­nis der Sakra­mente und nach der Rolle der Kirche sind bedeut­same The­men, über die Chris­ten unter­schiedlich­er Tra­di­tio­nen seit Jahrhun­derten rin­gen. Doch es macht einen gewalti­gen Unter­schied, ob wir diese Fra­gen in einem Geist der Wahrheitssuche und der gegen­seit­i­gen Achtung disku­tieren oder ob wir sie als Muni­tion ver­wen­den, um den anderen niederzu­machen. Es macht einen Unter­schied, ob wir ver­suchen, den anderen zu ver­ste­hen und von ihm zu ler­nen, oder ob wir von vorn­here­in fest­ste­hen in unserem Urteil und nur nach Bestä­ti­gung unser­er Vorurteile suchen.

Das Lästern über andere Kon­fes­sio­nen geschieht oft in ein­er Weise, die bib­lisch nicht zu recht­fer­ti­gen ist. Da wer­den Gerüchte weit­ergegeben, ohne sie zu prüfen. Da wer­den einzelne neg­a­tive Beispiele ver­all­ge­mein­ert und auf die gesamte Kon­fes­sion über­tra­gen. Da wer­den his­torische Fehler und Ver­fehlun­gen immer wieder her­vorgekramt, ohne die eige­nen Fehler zu bedenken. Da wird mit Halb­wahrheit­en und Verz­er­run­gen gear­beit­et, um das eigene Bild zu bestäti­gen. Diese Art des Redens entspricht nicht der Wahrhaftigkeit, zu der Chris­ten berufen sind. Paulus schreibt: “Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jed­er mit seinem Näch­sten” (Eph­eser 4,25). Wenn wir über andere Kon­fes­sio­nen sprechen, sind wir verpflichtet, dies in Wahrheit und Fair­ness zu tun, nicht in ver­leumderisch­er Weise.

Beson­ders schmerzhaft ist, wenn diese Lästerun­gen und Anfein­dun­gen zwis­chen Kon­fes­sio­nen von den Kanzeln gepredigt wer­den oder in christlichen Medi­en ver­bre­it­et wer­den. Wenn geistliche Leit­er, die eigentlich Vor­bilder sein soll­ten, ihre Plat­tform nutzen, um gegen andere christliche Tra­di­tio­nen zu wet­tern, dann tra­gen sie eine schwere Ver­ant­wor­tung. Sie prä­gen die Hal­tung ihrer Gemein­deglieder, sie säen Mis­strauen und Ablehnung, und sie ver­hin­dern, dass echte Begeg­nun­gen und Gespräche stat­tfind­en kön­nen. Jesus warnt: “Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall ver­führt, für den wäre es bess­er, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer” (Matthäus 18,6). Diese drastis­chen Worte gel­ten auch für diejeni­gen, die durch ihr Lästern und ihre Anfein­dun­gen Gläu­bige gegen ihre Geschwis­ter in anderen Kon­fes­sio­nen aufhet­zen.

Die Fol­gen dieses kon­fes­sionellen Gegeneinan­ders sind ver­heerend. In Regio­nen, wo Chris­ten eine Min­der­heit sind und unter Ver­fol­gung lei­den, ist es beson­ders tragisch, wenn sie sich untere­inan­der bekämpfen, statt gemein­sam für ihren Glauben einzuste­hen. In der west­lichen Welt, wo das Chris­ten­tum zunehmend an Ein­fluss ver­liert, ist das Zeug­nis ein­er zer­strit­te­nen Chris­ten­heit ein Hin­der­nis für das Evan­geli­um. Men­schen, die nach Wahrheit suchen, sehen die Uneinigkeit und fra­gen sich, wie eine Reli­gion, deren Anhänger sich gegen­seit­ig bekämpfen, die Wahrheit sein kann. Jesus selb­st hat gebetet: “Auf dass sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast” (Johannes 17,21). Die Ein­heit der Chris­ten ist also nicht nur eine interne Angele­gen­heit, son­dern hat direk­te Auswirkun­gen auf die Glaub­würdigkeit des Evan­geli­ums in der Welt.

Was kön­nen wir tun, um diesem destruk­tiv­en Muster zu entkom­men? Zunächst müssen wir bere­it sein, unsere eige­nen Vorurteile zu hin­ter­fra­gen. Viele von uns haben bes­timmte Bilder von anderen Kon­fes­sio­nen über­nom­men, ohne sie jemals wirk­lich ken­nen­gel­ernt zu haben. Wir haben gehört, was andere über sie sagen, aber wir haben nicht mit ihnen gesprochen, ihre Gottes­di­en­ste besucht oder ihre the­ol­o­gis­chen Werke gele­sen. Wahre Demut zeigt sich darin, dass wir bere­it sind zuzugeben, dass wir vielle­icht nicht alles wis­sen und dass unsere Sichtweise begren­zt sein kön­nte. Sie zeigt sich darin, dass wir bere­it sind, den anderen wirk­lich ken­nen­zuler­nen, bevor wir über ihn urteilen.

Darüber hin­aus soll­ten wir aktiv nach Gemein­schaft mit Chris­ten ander­er Kon­fes­sio­nen suchen. Nicht um die Unter­schiede zu ver­wis­chen oder einen faulen Kom­pro­miss einzuge­hen, son­dern um einan­der als Geschwis­ter in Chris­tus zu begeg­nen. Wenn wir gemein­sam beten, wenn wir gemein­sam in der Schrift forschen, wenn wir voneinan­der hören, wie der Herr in unserem Leben gewirkt hat, dann kön­nen wir die Ein­heit erleben, die bere­its in Chris­tus vorhan­den ist. Wir wer­den ent­deck­en, dass uns mehr verbindet als uns tren­nt, und dass die Liebe Christi stärk­er ist als alle kon­fes­sionellen Gren­zen.

Schließlich müssen wir uns darin üben, auch bei echt­en Mei­n­ungsver­schieden­heit­en in Liebe ver­bun­den zu bleiben. Es wird Punk­te geben, in denen wir nicht übere­in­stim­men, und das ist in Ord­nung. Wir müssen nicht in allen Lehrfra­gen ein­er Mei­n­ung sein, um einan­der als Geschwis­ter anzuerken­nen und zu respek­tieren. Paulus schreibt den Römern über solche Unter­schiede: “Wie kommst du denn dazu, den Diener eines anderen zur Rechen­schaft zu ziehen? Ob er mit seinem Tun beste­hen kann oder nicht, geht nur seinen Her­rn etwas an. Und er wird beste­hen, denn sein Herr ist in der Lage, dafür zu sor­gen” (Römer 14,4). Diese Hal­tung erlaubt uns, unsere eigene Überzeu­gung treu zu bleiben und gle­ichzeit­ig den anderen in sein­er Überzeu­gung zu respek­tieren, solange es um Fra­gen geht, die nicht das Fun­da­ment des Glaubens betr­e­f­fen.

Wenn wir aufhören, gegen andere Kon­fes­sio­nen zu lästern, wenn wir stattdessen begin­nen, füreinan­der zu beten und einan­der zu dienen, dann wird etwas Wun­der­bares geschehen. Die Welt wird sehen, dass die Liebe Christi real ist. Die Wahrheit des Evan­geli­ums wird in ein­er Weise sicht­bar wer­den, die keine Predigt allein erre­ichen kann. Und wir selb­st wer­den reich­er wer­den, denn wir wer­den von der Weite und Tiefe der christlichen Tra­di­tion ler­nen, die sich in all ihren ver­schiede­nen Aus­drucks­for­men man­i­festiert. Dann wird nicht das Fleisch siegen, das sich in kon­fes­sionellem Hochmut und Stre­it­sucht zeigt, son­dern der Geist der Ein­heit, der Liebe und der Wahrheit.

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