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"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

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Das Aber des Glaubens: Psalm 3 in schweren Zeiten!

Beckblogger (2)

Psalm 3

Mor­gen­lied in bös­er Zeit

“Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absa­lom floh. Ach HERR, wie zahlre­ich sind meine Feinde! Viele erheben sich gegen mich; viele sagen von mein­er Seele: »Sie hat keine Hil­fe bei Gott.« Aber du, HERR, bist ein Schild um mich, du bist meine Her­rlichkeit und der mein Haupt emporhebt. Ich rufe mit mein­er Stimme zum HERRN, und er erhört mich von seinem heili­gen Berg. Ich legte mich nieder und schlief; ich bin wieder erwacht, denn der HERR hält mich. Ich fürchte mich nicht vor den Zehn­tausenden des Volkes, die sich ring­sum gegen mich gelagert haben. Steh auf, o HERR! Hilf mir, mein Gott! Denn du schlägst alle meine Feinde auf den Kinnback­en, zer­brichst die Zähne der Got­t­losen. Bei dem HERRN ist die Ret­tung. Dein Segen sei über deinem Volk!”

Psalm 3 entste­ht in einem Moment tief­ster per­sön­lich­er Not, in dem König David vor seinem eige­nen Sohn Absa­lom fliehen muss, und diese Über­schrift allein gibt uns bere­its einen wichti­gen Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des gesamten Gebets. Wenn wir uns die Umstände verge­gen­wär­ti­gen, wird deut­lich, dass David nicht nur einem äußeren Feind gegenüber­ste­ht, son­dern dass der Ver­rat aus dem eige­nen Haus kommt, aus der eige­nen Fam­i­lie, was die Erschüt­terung und den Schmerz noch ver­tieft. Es ist eine Sit­u­a­tion, in der die ver­traut­en Struk­turen zer­brechen, in der die eigene Posi­tion als König und Vater in Frage gestellt wird, und in der David buch­stäblich um sein Leben ren­nt. In diesem Kon­text begin­nt das Gebet mit ein­er ehrlichen Bestand­sauf­nahme der bedrohlichen Lage, denn David zählt seine Feinde und stellt fest, dass sie zahlre­ich sind und dass viele sich gegen ihn erheben.

Diese Ehrlichkeit vor Gott ist bemerkenswert, weil sie zeigt, dass echter Glaube nicht bedeutet, die Real­ität zu ver­leug­nen oder die Schwere der Sit­u­a­tion schönzure­den. David ver­schweigt nicht, dass die Lage ernst ist, dass die Feinde viele sind, und dass Men­schen sog­ar behaupten, Gott werde ihm nicht helfen. Diese Stim­men der Ent­mu­ti­gung, die sagen, dass keine Hil­fe bei Gott zu find­en sei, ken­nen wir auch heute noch, wenn wir in schwieri­gen Zeit­en auf Kri­tik stoßen oder wenn innere Zweifel uns zuflüstern, dass Gott uns vielle­icht ver­lassen hat. Doch genau hier zeigt sich die Wen­dung des Psalms, denn David lässt sich von diesen Stim­men nicht bes­tim­men, son­dern set­zt ihnen ein kraftvolles Aber ent­ge­gen. Dieses Aber markiert den Über­gang von der men­schlichen Per­spek­tive zur göt­tlichen Wirk­lichkeit, von der Bedro­hung zur Gebor­gen­heit, von der Verzwei­flung zum Ver­trauen.

“Aber du, HERR, bist ein Schild um mich, du bist meine Her­rlichkeit und der mein Haupt emporhebt.” In diesen Worten liegt eine tiefe the­ol­o­gis­che Wahrheit, die uns auch heute trägt, denn David beken­nt, dass Gott nicht ein­fach eine ferne Macht ist, son­dern dass er ganz per­sön­lich und ganz konkret für ihn da ist. Der Schild ist ein Bild des Schutzes, der Her­rlichkeit ein Bild der Würde und des Wertes, und das Emporheben des Hauptes, ein Bild der Ermu­ti­gung und der Wieder­her­stel­lung. Wenn wir uns gebeugt fühlen, wenn Scham oder Schuld uns nieder­drück­en, wenn die Last der Umstände uns den Kopf hän­gen lässt, dann ist Gott der­jenige, der uns wieder aufrichtet und uns unsere Würde zurück­gibt. Diese Erfahrung macht David mit­ten in der Flucht, mit­ten in der Bedro­hung, und sie wird zu einem Fun­da­ment seines Glaubens, das ihn durch die dunkel­sten Stun­den trägt.

Aus diesem Ver­trauen her­aus ruft David zu Gott, und das Bemerkenswerte ist, dass er nicht nur sagt, er habe gerufen, son­dern dass er bezeugt, Gott habe ihn vom heili­gen Berg her erhört. Hier wird deut­lich, dass Gebet keine ein­seit­ige Angele­gen­heit ist, bei der wir ins Leere sprechen, son­dern dass Gott wirk­lich hört und antwortet. Der heilige Berg, auf dem die Bun­deslade stand und der als Ort der Gegen­wart Gottes galt, wird hier zum Sym­bol dafür, dass Gott in sein­er Heiligkeit und Majestät sich zu den Bedürfti­gen her­ab­neigt und auf ihre Gebete antwortet. Diese Gewis­sheit, dass Gott hört, verän­dert alles, denn sie gibt uns die Zuver­sicht, dass wir nicht allein sind und dass unsere Not vor Gott nicht ver­bor­gen bleibt.

Dann fol­gt eine erstaunliche Aus­sage, die zeigt, wie tief Davids Ver­trauen wirk­lich geht, denn er sagt, er habe sich niedergelegt und geschlafen und sei wieder erwacht, weil der HERR ihn hält. In ein­er Sit­u­a­tion, in der er auf der Flucht ist, in der Feinde ihn umrin­gen, in der sein Leben bedro­ht ist, kann David schlafen. Das ist keine Gle­ichgültigkeit und keine Ver­drän­gung, son­dern das ist tiefes Ver­trauen in die Für­sorge Gottes. Schlaf ist ein Zeichen des Loslassens, des Ruhens, des Sich Übergebens in die Hände eines anderen, und genau das tut David hier. Er ver­traut darauf, dass Gott über ihn wacht, während er schläft, und dass er am Mor­gen wieder aufwachen wird, weil Gott ihn hält. Dieses Hal­ten Gottes ist ein wun­der­bares Bild für die bewahrende Treue, die uns durch alle Gefahren trägt, und es erin­nert uns daran, dass wir nicht aus eigen­er Kraft beste­hen müssen, son­dern dass Gott selb­st unser Halt ist.

Aus dieser Ruhe und Gebor­gen­heit her­aus kann David dann sagen, dass er sich nicht fürchtet vor den Zehn­tausenden, die sich ring­sum gegen ihn gelagert haben. Die Zahl ist sym­bol­isch und zeigt die Über­ma­cht der Feinde, aber David lässt sich davon nicht ein­schüchtern, weil er weiß, dass Gott größer ist als jede Bedro­hung. Diese Furcht­losigkeit ist keine men­schliche Tapfer­keit, die auf eigen­er Stärke beruht, son­dern sie ist ein Geschenk des Glaubens, der auf die Macht und Treue Gottes ver­traut. In unser­er Zeit, in der wir von Äng­sten umgeben sind, sei es vor Krankheit, vor Ver­lust, vor Ver­sagen oder vor Ablehnung, brauchen wir diese Per­spek­tive, die uns lehrt, dass Gott größer ist als alle unsere Äng­ste und dass wir in ihm eine Sicher­heit find­en, die uns keine men­schliche Macht geben kann.

Dann wird das Gebet noch ein­mal inten­siv­er, denn David ruft zu Gott, aufzuste­hen und ihm zu helfen, und er begrün­det seine Bitte mit der Erin­nerung an Gottes ver­gan­ge­nes Han­deln. “Denn du schlägst alle meine Feinde auf den Kinnback­en, zer­brichst die Zähne der Got­t­losen.” Diese Sprache ist kraftvoll und konkret, und sie mag uns heute vielle­icht fremd erscheinen, aber sie drückt die Gewis­sheit aus, dass Gott gegen das Böse ein­schre­it­et und dass er die Macht hat, die Feinde seines Volkes zu besiegen. Die Zähne sind ein Bild für die Angriff­skraft, für die Fähigkeit zu zer­stören und zu ver­schlin­gen, und wenn Gott die Zähne der Got­t­losen zer­bricht, dann nimmt er ihnen die Macht, weit­er Schaden anzuricht­en. Für uns heute bedeutet das, dass wir darauf ver­trauen dür­fen, dass Gott das let­zte Wort hat, dass das Böse nicht siegen wird, und dass er zur recht­en Zeit ein­greifen wird, um sein Volk zu ret­ten und seine Gerechtigkeit aufzuricht­en.

Der Psalm endet mit ein­er großen Zusam­men­fas­sung, die gle­ichzeit­ig Beken­nt­nis und Segen ist, denn David sagt, bei dem HERRN ist die Ret­tung, und er bit­tet, dass Gottes Segen über seinem Volk sein möge. Diese Schluss­worte zeigen, dass Davids Blick nicht nur auf seine eigene Not beschränkt bleibt, son­dern dass er auch an das ganze Volk denkt und für sie den Segen Gottes erfle­ht. Die Ret­tung liegt nicht in men­schlichen Strate­gien, nicht in mil­itärisch­er Über­legen­heit, nicht in poli­tis­chen Bünd­nis­sen, son­dern allein bei dem HERRN. Das ist die zen­trale Botschaft dieses Psalms, und sie gilt bis heute, denn wir sind ver­sucht, unsere Sicher­heit in vie­len Din­gen zu suchen, aber let­ztlich ist es Gott allein, der ret­ten kann.

Was bedeutet dieser Psalm nun für uns heute und für unsere Nach­folge? Er lehrt uns zunächst, dass echter Glaube mit Ehrlichkeit begin­nt, mit der Bere­itschaft, vor Gott die Real­ität unser­er Sit­u­a­tion anzuerken­nen, ohne sie zu beschöni­gen oder zu ver­harm­losen. Wir dür­fen Gott sagen, wie schw­er es ist, wie viele Feinde wir haben, wie groß die Bedro­hung erscheint, und wir dür­fen ihm auch die Zweifel und die ent­muti­gen­den Stim­men brin­gen, die uns begeg­nen. Doch dann müssen wir ler­nen, das Aber des Glaubens auszus­prechen, das sich über die men­schliche Per­spek­tive erhebt und auf die Wirk­lichkeit Gottes schaut. Gott ist unser Schild, unsere Her­rlichkeit, der­jenige, der unser Haupt emporhebt, und diese Wahrheit muss lauter wer­den als alle anderen Stim­men.

Dieser Psalm lädt uns auch ein, eine Gebets­beziehung zu pfle­gen, in der wir nicht nur reden, son­dern auch auf Gottes Antwort hören und sie bezeu­gen. David sagt nicht nur, dass er ruft, son­dern dass Gott ihn erhört, und diese Erfahrung der Erhörung stärkt seinen Glauben und gibt ihm die Zuver­sicht, auch in der näch­sten Krise zu beten. Wenn wir ler­nen, Gottes Antworten wahrzunehmen und sie zu bezeu­gen, wird unser Glaube wach­sen und wir wer­den eine tief­ere Gewis­sheit sein­er Nähe entwick­eln.

Darüber hin­aus zeigt uns dieser Psalm, dass echter Glaube auch die Fähigkeit ein­schließt, loszu­lassen und zu ruhen, wie David es im Schlaf tat. Wir leben in ein­er Zeit, in der wir meinen, alles kon­trol­lieren und lösen zu müssen, aber David erin­nert uns daran, dass es Zeit­en gibt, in denen wir uns ein­fach in Gottes Hände leg­en und darauf ver­trauen müssen, dass er uns hält. Dieses Loslassen ist keine Pas­siv­ität, son­dern aktives Ver­trauen, das anerken­nt, dass Gott sou­verän ist und dass wir nicht alles in der Hand haben müssen.

Die Furcht­losigkeit, von der David spricht, ist ein Geschenk, das wir uns nicht selb­st geben kön­nen, son­dern das aus dem Ver­trauen auf Gottes Größe und Treue wächst. Wenn wir ler­nen, unsere Äng­ste im Gebet vor Gott zu brin­gen und uns immer wieder an seine Ver­heißun­gen zu erin­nern, wird diese Furcht­losigkeit langsam in unserem Herzen wach­sen. Sie wird vielle­icht nicht alle Äng­ste sofort ver­schwinden lassen, aber sie wird uns die Kraft geben, trotz der Äng­ste weit­erzuge­hen und uns nicht von ihnen beherrschen zu lassen.

Schließlich lehrt uns dieser Psalm, dass unsere Ret­tung allein bei Gott liegt und dass wir unsere Hoff­nung nicht auf men­schliche Mit­tel set­zen dür­fen. Das bedeutet nicht, dass wir ver­ant­wor­tungs­los leben oder keine klu­gen Entschei­dun­gen tre­f­fen sollen, aber es bedeutet, dass unser let­ztes Ver­trauen nicht in unseren eige­nen Fähigkeit­en oder in den Sys­te­men dieser Welt liegt, son­dern in dem lebendi­gen Gott, der die Macht hat zu ret­ten. Wie David dür­fen wir Gott bit­ten, aufzuste­hen und einzu­greifen, und wir dür­fen darauf ver­trauen, dass er zur recht­en Zeit han­deln wird, auch wenn seine Wege und sein Tim­ing nicht immer unseren Vorstel­lun­gen entsprechen.

Psalm 3 ist also ein Mor­gen­lied in bös­er Zeit, ein Lied, das aus der Dunkel­heit der Nacht in das Licht des neuen Tages führt, weil Gott treu ist und weil er sein Volk nicht im Stich lässt. Möge dieser Psalm uns ermuti­gen, in unseren eige­nen bösen Zeit­en zu Gott zu rufen, auf seine Erhörung zu ver­trauen, in ihm zu ruhen, furcht­los zu wer­den und unsere Hoff­nung allein auf ihn zu set­zen, denn bei dem HERRN ist die Ret­tung, und sein Segen sei über seinem Volk.

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