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"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

Ist Jesus Gott? Hat Jesus behauptet, Gott zu sein?

Beckblogger (14)

Ist Jesus Gott? Hat Jesus behauptet, Gott zu sein? Eine biblische Analyse!

Die Frage, ob Jesus Chris­tus behauptet hat, Gott zu sein, ist eine der zen­tral­sten und umstrit­ten­sten The­men in der Geschichte des Chris­ten­tums. Für Chris­ten ist die Got­theit Jesu keine neben­säch­liche Angele­gen­heit, son­dern ein fun­da­men­taler Bestandteil des Glaubens. Doch was genau hat Jesus selb­st gesagt? Was bericht­en die Augen­zeu­gen sein­er Zeit? Und wie reagierten die Men­schen damals auf seine Aus­sagen?

In diesem Blog­a­r­tikel möchte ich, basierend auf den Bericht­en der Evan­gelien, die Top sieben Punk­te unter­suchen, die klar darauf hin­weisen, dass Jesus sich selb­st als Gott beze­ich­net hat. Unter­stützt durch Bibel­stellen und eine sorgfältige Analyse wer­den wir ver­ste­hen, warum die Got­theit Jesu für uns heute von entschei­den­der Bedeu­tung ist.

1. Die Autorität seiner Worte: „Ich sage euch“

Im Alten Tes­ta­ment sprachen die Propheten stets in der Autorität Gottes. Sie ver­wen­de­ten For­mulierun­gen wie „So spricht der HERR“ (Jesa­ja 1,18) oder „Ausspruch des HERRN“ (Hosea 4,1). Damit wurde deut­lich gemacht, dass sie nicht in ihrem eige­nen Namen, son­dern im Namen Gottes rede­ten.

Jesus hinge­gen sprach nicht so. Stattdessen set­zte er sich selb­st an die Stelle Gottes, indem er wieder­holt sagte: „Ich sage euch“ (Matthäus 5,22). Dies war zur dama­li­gen Zeit äußerst ungewöhn­lich und rev­o­lu­tionär. Er beanspruchte damit eine Autorität, die für die Hör­er sein­er Zeit nur Gott selb­st haben kon­nte. Jesus sprach nicht als ein Prophet, der Gottes Botschaft weit­er­gab, son­dern als jemand, der selb­st die Quelle der göt­tlichen Wahrheit ist.

Während die Propheten des Alten Bun­des stets als Boten auf­trat­en, die eine ihnen anver­traute Botschaft weit­er­gaben, trat Jesus mit ein­er völ­lig anderen Selb­stver­ständlichkeit auf. Er sprach nicht über Gottes Willen – er offen­barte ihn. Wo die Propheten sagten: „So spricht der HERR“, sagte Jesus: „Ich aber sage euch.“

Damit stellte er sich nicht neben die Propheten, son­dern über sie. Seine Worte waren nicht Ausle­gung, son­dern Ursprung. Nicht Weit­er­gabe, son­dern Offen­barung.

Diese einzi­gar­tige Autorität wird beson­ders in der Berg­predigt sicht­bar. Immer wieder kon­trastiert Jesus das bish­er Gehörte mit sein­er eige­nen, endgülti­gen Ausle­gung: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist Ich aber sage euch …“ (vgl. Matthäus 5,21–22). Für seine jüdis­chen Zuhör­er war das ein unge­heur­er Anspruch. Denn wer durfte das Gesetz so ausle­gen – ja, so über­bi­eten –, wenn nicht Gott selb­st?

Auch an anderen Stellen spricht Jesus mit der­sel­ben göt­tlichen Selb­st­gewis­sheit. Er sagt nicht: „Gott wird euch Ruhe geben“, son­dern: „Kommt her zu mir … ich will euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28). Er ver­heißt nicht nur Gottes Licht, son­dern erk­lärt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12). Und er ruft nicht nur zur Umkehr, son­dern fordert zur Nach­folge sein­er eige­nen Per­son auf: „Wer mir nach­fol­gen will …“ (Markus 8,34).

Damit wird deut­lich: Jesus tritt nicht als ein weit­er­er Prophet in der Rei­he der Boten Gottes auf. Er ist der Sohn, der das Wort nicht empfängt, son­dern selb­st spricht. Er ist nicht der Über­bringer der Wahrheit, son­dern die Wahrheit in Per­son: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6). Diese Selb­stof­fen­barung Jesu erk­lärt auch, warum seine Worte eine solche Voll­macht hat­ten. Die Men­schen spürten, dass hier nicht ein Lehrer unter vie­len sprach, son­dern der, „der Voll­macht hat und nicht wie ihre Schrift­gelehrten“ (Matthäus 7,29). Seine Autorität war nicht abgeleit­et, son­dern ursprünglich. Nicht geliehen, son­dern göt­tlich.

2. Die „Ich bin“-Worte Jesu

Eine der stärk­sten Hin­weise darauf, dass Jesus sich als Gott ver­stand, sind die soge­nan­nten „Ich bin“-Aussagen im Johan­ne­se­van­geli­um. Im Alten Tes­ta­ment begeg­nen wir der Selb­stof­fen­barung Gottes in 2. Mose 3,14, wo Gott zu Mose sagt: „Ich bin, der ich bin.“ Dieses „Ich bin“ (im Hebräis­chen „Ehjeh Asch­er Ehjeh“) wurde als der Name Gottes ver­standen.

Jesus greift diese For­mulierung auf und ver­wen­det sie in Aus­sagen wie:

  • „Ich bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6,35),
  • „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12),
  • „Ich bin die Tür“ (Johannes 10,9),
  • „Ich bin der gute Hirte“ (Johannes 10,11),
  • „Ich bin die Aufer­ste­hung und das Leben“ (Johannes 11,25),
  • „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6),
  • „Ich bin der wahre Wein­stock“ (Johannes 15,1).

Beson­ders bedeut­sam ist die Aus­sage in Johannes 8,58: „Ehe Abra­ham wurde, bin ich.“ Hier ver­wen­det Jesus nicht nur den göt­tlichen Namen „Ich bin“, son­dern macht auch deut­lich, dass er vor Abra­ham existierte – eine klare Aus­sage über seine Präex­is­tenz und Göt­tlichkeit. Die Reak­tion der Zuhör­er darauf spricht Bände: Sie woll­ten ihn steini­gen, weil sie seine Worte als Gottes­lästerung ver­standen (Johannes 8,59): “Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu wer­fen. Aber Jesus ver­barg sich und ging zum Tem­pel hin­aus.”

3. Jesus akzeptiert Anbetung

Im Juden­tum war Anbe­tung auss­chließlich Gott vor­be­hal­ten. Das erste Gebot lautet: „Du sollst keine anderen Göt­ter neben mir haben“ (2. Mose 20,3). Den­noch sehen wir in den Evan­gelien, dass Jesus es zuließ, ange­betet zu wer­den. Beispiele dafür sind:

  • Die Anbe­tung durch den geheil­ten Blind­en (Johannes 9,38): Er aber sprach: “Herr, ich glaube. Und er betete ihn an.”
  • Die Anbe­tung durch die Frauen nach sein­er Aufer­ste­hung (Matthäus 28,9): “Und siehe, da begeg­nete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie trat­en zu ihm und umfassten seine Füße und fie­len vor ihm nieder.”
  • Die Anbe­tung durch Thomas, der zu ihm sagte: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28).

Hätte Jesus nicht Gott sein wollen, hätte er diese Anbe­tung zurück­gewiesen, so wie es Engel in der Bibel tat­en (Offen­barung 22,8–9): “Und ich, Johannes, bin es, der dies gehört und gese­hen hat. Und als ich’s gehört und gese­hen hat­te, fiel ich nieder, um anzu­beten zu den Füßen des Engels, der mir dies zeigte. Und er spricht zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein Mitknecht und der Mitknecht dein­er Brüder, der Propheten, und der­er, die bewahren die Worte dieses Buch­es. Bete Gott an!” Doch Jesus akzep­tierte die Anbe­tung, weil sie seinem Wesen entsprach, weil Er Gott ist!

4. Jesus spricht von seiner himmlischen Herkunft

Jesus machte mehrfach deut­lich, dass sein Ursprung nicht von dieser Welt ist. In Johannes 8,23 sagt er: „Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.“ Auch in Johannes 18,36 erk­lärt er: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Diese Aus­sagen zeigen, dass Jesus sich als jemand ver­stand, der von Gott, dem Vater, in die Welt gesandt wurde, um einen göt­tlichen Plan zu erfüllen.

Diese Selb­stzeug­nisse Jesu ste­hen im Zen­trum seines gesamten Auftretens. Er ver­ste­ht sich nicht als ein Men­sch, der sich zu Gott „empo­rar­beit­et“, son­dern als der vom Vater Aus­ge­sandte, der von oben her in die Welt kommt. Immer wieder betont er, dass seine Sendung nicht aus men­schlich­er Ini­tia­tive her­vorge­ht, son­dern aus dem ewigen Willen Gottes. So sagt er: „Ich bin vom Vater aus­ge­gan­gen und in die Welt gekom­men“ (Johannes 16,28). Damit beansprucht er einen Ursprung, der jen­seits aller irdis­chen Kat­e­gorien liegt.

Ger­ade im Johan­ne­se­van­geli­um wird diese himm­lis­che Herkun­ft Jesu mit sein­er einzi­gar­ti­gen Voll­macht ver­bun­den. Er spricht nicht nur von Gott, son­dern aus der unmit­tel­baren Gemein­schaft mit dem Vater her­aus. „Nie­mand hat Gott je gese­hen; der Einge­borene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt“ (Johannes 1,18). Jesus ist nicht ein Bote, der eine Botschaft über­bringt – er ist der Sohn, der den Vater offen­bart. Seine Worte über sein Reich unter­stre­ichen diese göt­tliche Herkun­ft. Wenn er sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,36), dann meint er nicht, dass sein Reich keine Auswirkun­gen in dieser Welt hätte. Vielmehr macht er deut­lich, dass Ursprung, Wesen und Voll­macht seines Reich­es nicht aus men­schlich­er Macht, poli­tis­ch­er Stärke oder irdis­ch­er Herkun­ft stam­men. Sein Reich ist himm­lisch, geistlich, ewig und deshalb kann es nicht durch men­schliche Gewalt errichtet oder ver­hin­dert wer­den.

Diese himm­lis­che Herkun­ft Jesu erk­lärt auch die Span­nung, die sein Auftreten in Israel aus­löste. Die Men­schen spürten, dass hier jemand sprach, der nicht in die gewohn­ten Kat­e­gorien passte. Seine Worte hat­ten eine Voll­macht, die nicht von dieser Welt war. Seine Tat­en – Heilun­gen, Wun­der, Voll­macht über Natur und Dämo­nen – bestätigten, dass er nicht nur von Gott redete, son­dern in Gottes eigen­er Autorität han­delte. „Der Vater hat den Sohn gesandt“ (Johannes 5,2–23): “Denn der Vater richtet nie­mand, son­dern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat” – das war der Schlüs­sel zu seinem ganzen Wirken. Wer Jesus hörte, stand damit vor ein­er Entschei­dung: Entwed­er er ist wirk­lich der vom Vater Gesandte – oder sein Anspruch wäre unerträglich. Ein Mit­teld­ing ließ Jesus nicht zu. Seine Herkun­ft „von oben“ ist der Grund, warum seine Worte nicht nur Lehre, son­dern Offen­barung sind; warum seine Gebote nicht nur Weisung, son­dern göt­tliche Wahrheit sind; und warum seine Ein­ladung zur Nach­folge nicht nur moralis­ch­er Appell, son­dern der Ruf des Sohnes Gottes ist.

5. Jesus hat Autorität über Engel

Ein weit­eres Zeichen sein­er Göt­tlichkeit ist die Autorität, die Jesus über Engel beansprucht. In Matthäus 13,41 sagt er: „Der Men­schen­sohn wird seine Engel senden, und sie wer­den sam­meln aus seinem Reich alle Ärg­ernisse und die, die da Unrecht tun.” Eben­so spricht er in Lukas 12,8–9 davon, dass er vor den Engeln Gottes beken­nt oder ver­leugnet, wer ihn vor den Men­schen beken­nt oder ver­leugnet: “Ich sage euch aber: Wer mich beken­nt vor den Men­schen, zu dem wird sich auch der Men­schen­sohn beken­nen vor den Engeln Gottes. Wer mich aber ver­leugnet vor den Men­schen, der wird ver­leugnet wer­den vor den Engeln Gottes.” Diese Aus­sagen zeigen, dass Jesus nicht nur über die Engel herrscht, son­dern auch eine zen­trale Rolle im himm­lis­chen Gericht spielt.

Die Voll­macht Jesu über die Engel ist ein weit­er­er Hin­weis darauf, dass er nicht ein geschaf­fenes Wesen ist, son­dern der Herr der himm­lis­chen Welt. Im Alten Tes­ta­ment sind es stets Gott selb­st oder seine Boten, die Engel senden. Kein Prophet, kein König, kein Priester Israels hätte je gewagt zu sagen: „meine Engel“ oder „ich werde sie senden“. Doch Jesus spricht mit genau dieser Autorität. Er ver­fügt über die himm­lis­chen Heer­scharen, als seien sie sein eigen­er Hof­s­taat.

Diese Voll­macht zeigt sich nicht nur im Gericht, son­dern auch in sein­er Für­sorge für die Seinen. Wenn er sagt, dass er sich „vor den Engeln Gottes“ zu denen beken­nen wird, die ihn beken­nen (Lukas 12,8), dann offen­bart er damit seine Stel­lung als der­jenige, der im himm­lis­chen Thron­saal das let­zte Wort spricht. Er ist nicht ein Zeuge unter vie­len – er ist der Richter, der Anwalt und der Herr der Engel zugle­ich.

Auch an anderen Stellen wird diese Autorität sicht­bar. Jesus sagt, dass er „mehr als zwölf Legio­nen Engel“ rufen kön­nte (Matthäus 26,53): “Oder meinst du, ich kön­nte meinen Vater nicht bit­ten, und er würde mir sogle­ich mehr als zwölf Legio­nen Engel schick­en?” Eine Legion umfasste mehrere Tausend Sol­dat­en – und Jesus spricht davon, dass ihm unzäh­lige Engel­heere zur Ver­fü­gung ste­hen. Er braucht sie nicht, denn er geht frei­willig den Weg des Kreuzes. Aber seine Aus­sage macht deut­lich: Er ist der Herr der himm­lis­chen Mächte.

Diese himm­lis­che Autorität Jesu ist untrennbar mit sein­er Iden­tität als Sohn Gottes ver­bun­den. Die Engel dienen ihm, weil er der ist, „dem alle Engel Gottes huldigen“ (vgl. Hebräer 1,6). Sie sind seine Diener, nicht seine Eben­bür­ti­gen. Sie ste­hen um seinen Thron, nicht er um ihren. Und sie wer­den am Ende der Zeit­en auf sein Wort hin han­deln, wenn er kommt, „in der Her­rlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln“ (Matthäus 16,27).

Damit wird deut­lich: Jesu Autorität über die Engel ist kein Nebe­naspekt sein­er Sendung, son­dern ein weit­er­er Beweis sein­er göt­tlichen Iden­tität.

Er ist der Herr des Him­mels, der Richter der Welt und der König der Engel. Wer ihm begeg­net, begeg­net dem, vor dem sich die himm­lis­chen Heer­scharen beu­gen.

6. Jesus behauptet, Gott gleich zu sein

Eine der deut­lich­sten Aus­sagen Jesu über seine Göt­tlichkeit find­en wir in Johannes 10,30: „Ich und der Vater sind eins.“ Die Reak­tion der Zuhör­er darauf ist auf­schlussre­ich: „Die Juden hoben wieder Steine auf, um ihn zu steini­gen“ (Johannes 10,31). Sie erk­lärten: „Du bist ein Men­sch und machst dich selb­st zu Gott“ (Johannes 10,33). Auch in Johannes 14,9 macht Jesus deut­lich, dass er und der Vater eins sind: „Wer mich gese­hen hat, hat den Vater gese­hen.“

Diese Aus­sagen Jesu gehören zu den stärk­sten Selb­stzeug­nis­sen sein­er Göt­tlichkeit. Er spricht nicht nur von ein­er geistlichen Ver­bun­den­heit mit dem Vater, son­dern von ein­er Wesen­sein­heit. Wenn er sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30), dann meint er nicht bloß Einigkeit im Willen oder in der Mis­sion. Die Reak­tion sein­er Zuhör­er zeigt, dass sie seine Worte als Anspruch göt­tlich­er Gle­ich­heit ver­standen. Sie woll­ten ihn steini­gen, weil sie darin Gottes­lästerung sahen – ein Verge­hen, das nach dem Gesetz mit dem Tod zu bestrafen war.

Jesus kor­rigiert sie nicht. Er rel­a­tiviert seine Aus­sage nicht. Er nimmt sie nicht zurück. Im Gegen­teil: Er bekräftigt seine einzi­gar­tige Beziehung zum Vater.

Diese Beziehung wird in Johannes 14,9 noch deut­lich­er. Als Philip­pus ihn bit­tet: „Herr, zeige uns den Vater“, antwortet Jesus nicht mit ein­er Vision, einem Gle­ich­nis oder ein­er Erk­lärung, son­dern mit sich selb­st: „Wer mich gese­hen hat, hat den Vater gese­hen.“ Damit beansprucht er, die vol­lkommene Offen­barung Gottes zu sein. Nicht ein Spiegel, nicht ein Bote, nicht ein Abbild – son­dern die sicht­bare Erschei­n­ung des unsicht­baren Gottes.

Diese Selb­stof­fen­barung Jesu ste­ht im Ein­klang mit dem gesamten Zeug­nis des Neuen Tes­ta­ments. Paulus schreibt, dass Chris­tus „das Eben­bild des unsicht­baren Gottes“ ist (Kololss­er 1,15). Der Hebräer­brief sagt, er sei „der Abglanz sein­er Her­rlichkeit und das Eben­bild seines Wesens“ (Hebräer 1,3). Und Johannes fasst es zusam­men: „Das Wort war Gott … und das Wort wurde Fleisch“ (Johannes 1,1.14).

Die Juden zur Zeit Jesu ver­standen sehr genau, was auf dem Spiel stand. Nie­mand durfte sich Gott gle­ich­stellen. Nie­mand durfte behaupten, Gottes Wesen sicht­bar zu machen. Nie­mand durfte sagen, dass in sein­er Per­son der Vater selb­st gegen­wär­tig sei. Doch genau das tat Jesus – und er tat es mit ein­er Selb­stver­ständlichkeit, die nur zwei Möglichkeit­en offen­ließ: Entwed­er er war ein Gottes­läster­er, oder er war wirk­lich der, der er zu sein behauptete.

Diese Entschei­dung zieht sich durch das ganze Evan­geli­um. Jesus zwingt seine Hör­er, Stel­lung zu beziehen. Er lässt keine neu­trale Posi­tion zu.

Wer ihn sieht, sieht den Vater. Wer ihn hört, hört Gottes Wort. Wer ihm glaubt, glaubt Gott selb­st. Und wer ihn ver­wirft, ver­wirft den, der ihn gesandt hat.

Und genau diese Entschei­dung stellt er auch uns heute vor. Jesus ist nicht nur eine his­torische Gestalt, nicht nur ein Lehrer ver­gan­gener Zeit­en, dessen Worte man bewun­dern oder ignori­eren kön­nte. Er begeg­net uns mit dem­sel­ben Anspruch wie damals: Er ist der Sohn Gottes, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist Gott! Seine Frage an die Jünger – „Ihr aber, wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ – trifft auch uns. Nie­mand kann sich ihr entziehen. Denn wer Jesus wirk­lich ist, entschei­det über alles: über unser Gottes­bild, über unser Leben, über unsere Ewigkeit. Er fordert uns her­aus, nicht Zuschauer zu bleiben, nicht in ein­er beque­men Unentsch­ieden­heit zu ver­har­ren. Seine Worte drän­gen zur Antwort. Seine Per­son ver­langt Hingabe. Seine Wahrheit ruft zur Nach­folge.

So wird deut­lich: Die Entschei­dung, die Jesus damals seinen Hör­ern abver­langte, ist dieselbe, die er heute an uns richtet. Vor ihm gibt es kein „Vielle­icht“, kein „Später“, kein „Ich bleibe neu­tral“. Wer ihm begeg­net, ste­ht vor der größten und heilig­sten Frage des Lebens – und muss Stel­lung beziehen.

7. Die Reaktion der Menschen: Gotteslästerung oder Wahrheit

Die Reak­tio­nen der Zeitgenossen Jesu auf seine Worte zeigen, wie sie seine Aus­sagen ver­standen. Sie hiel­ten sie für Gottes­lästerung, weil sie erkan­nten, dass Jesus sich selb­st als Gott beze­ich­nete. In Markus 14,61–64 wird Jesus vom Hohe­p­riester direkt gefragt, ob er der Chris­tus, der Sohn des Hochgelobten, sei. Jesus antwortet: „Ich bin es.“ Daraufhin zer­reißt der Hohe­p­riester sein Gewand und ruft: „Was brauchen wir noch Zeu­gen? Ihr habt die Gottes­lästerung gehört!“

Die Reak­tion des Hohen Rates zeigt unmissver­ständlich, wie Jesu Worte ver­standen wur­den. Er hat­te nicht nur angedeutet, der Mes­sias zu sein – er hat­te sich aus­drück­lich als der Sohn des Hochgelobten bekan­nt. Für die religiösen Führer war das ein Anspruch, der nur zwei Möglichkeit­en zuließ: Entwed­er Jesus sprach die Wahrheit, oder er beg­ing die schw­er­ste Form der Gottes­lästerung.

Doch Jesus geht in sein­er Antwort sog­ar noch weit­er. Er fügt hinzu, dass sie „Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Men­schen­sohn sitzen zur Recht­en der Kraft und kom­men mit den Wolken des Him­mels“ (Markus 14,62). Damit greift er die Vision aus Daniel 7 auf, in der der Men­schen­sohn göt­tliche Herrschaft empfängt. Kein from­mer Jude hätte es gewagt, diese Stelle auf sich selb­st zu beziehen. Jesus aber tut es – vor dem höch­sten religiösen Gericht Israels, im Wis­sen, dass diese Worte sein Todesurteil besiegeln wür­den.

Ger­ade diese Szene macht deut­lich, dass Jesus nicht missver­standen wurde. Er sprach nicht in Andeu­tun­gen. Er ließ keinen Raum für sym­bol­is­che oder metapho­rische Deu­tun­gen. Seine Geg­n­er ver­standen ihn vol­lkom­men – und ver­war­fen ihn. Sie hörten in seinen Worten den Anspruch göt­tlich­er Autorität und göt­tlich­er Iden­tität. Und sie reagierten darauf mit Entset­zen, Zorn und dem Ruf nach seinem Tod. Damit wird die zen­trale Frage des Evan­geli­ums sicht­bar: Ist Jesus ein Gottes­läster­er – oder ist er wirk­lich der, der er zu sein behauptet? Diese Frage ist nicht nur his­torisch. Sie ist exis­ten­ziell. Denn wenn Jesus die Wahrheit sagt, dann ist er der Herr, der Richter und der Ret­ter. Wenn er aber nicht die Wahrheit sagt, dann wäre sein Anspruch unerträglich.

Diese Entschei­dung bleibt nicht auf die dama­li­gen Hör­er beschränkt. Sie stellt sich jedem Men­schen, der Jesu Worte hört. Seine Selb­stof­fen­barung zwingt auch uns heute, Stel­lung zu beziehen. Neu­tral­ität ist unmöglich. Entwed­er wir fall­en mit den Führern Israels das Urteil „Gottes­lästerung“ – oder wir beu­gen uns vor ihm als dem wahren Sohn Gottes, der zur Recht­en des Vaters sitzt und wiederkom­men wird in Her­rlichkeit.

Was bedeutet das für uns heute?

Die Evan­gelien lassen keinen Zweifel daran, dass Jesus von sich selb­st behauptete, Gott zu sein. Seine Worte, seine Tat­en und die Reak­tio­nen sein­er Zeitgenossen bele­gen dies ein­deutig.

Doch diese Wahrheit fordert uns auch her­aus: Wenn Jesus wirk­lich Gott ist, was bedeutet das für unser Leben?

Wie C.S. Lewis in seinem Buch „Par­don, ich bin Christ“ schreibt: „Entwed­er war und ist dieser Mann der Sohn Gottes, oder er war ein Ver­rück­ter oder etwas noch Schlim­meres. Aber kom­men Sie uns bitte nicht mit diesem her­ablassenden Unsinn, er sei ein großer men­schlich­er Lehrer gewe­sen. Diese Option hat er uns nicht offen­ge­lassen. Das war keine Absicht.“

Die Got­theit Jesu ist keine Neben­sache. Sie ist der Kern des christlichen Glaubens. Wenn Jesus wirk­lich Gott ist, “dann ist er der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14,6), und nie­mand kommt zum Vater außer durch ihn.”

Die Entschei­dung, ihn als Her­rn und Gott anzuerken­nen, ist die wichtig­ste Entschei­dung, die ein Men­sch in seinem Leben tre­f­fen kann.