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"HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit." (2.Samuel 7,28)

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Nachfolge ohne Vergebung ist Heuchelei!

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Ausle­gung Matthäus 6, 14–15 LUTH 1984: “Denn wenn ihr den Men­schen ihre Ver­fehlun­gen vergebt, so wird euch euer himm­lis­ch­er Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Men­schen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Ver­fehlun­gen auch nicht vergeben.”

Die Worte Jesu in Matthäus 6,14–15 ste­hen in unmit­tel­bar­er Verbindung mit der fün­ften Bitte des Vaterun­sers: “Und vergibt uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.” .…. und verdeut­lichen die zen­trale Bedeu­tung der Verge­bung im Leben eines Jüngers. Vier­mal fällt in den bei­den par­al­le­len Sätzen das Schlüs­sel­wort „vergeben“, ein Hin­weis auf die Dringlichkeit und Tiefe dieses Auf­trags. Im griechis­chen Urtext trägt das Wort die Grundbe­deu­tung, jeman­den von ein­er Verpflich­tung oder Schuld freizu­machen. Im geistlichen Sinn heißt das: Schuld, die durch das Brechen von Gottes Geboten entste­ht, nicht festzuhal­ten, son­dern sie loszu­lassen. Verge­bung ist damit kein bloßes Überse­hen oder Bagatel­lisieren, son­dern ein aktives Han­deln, das den anderen aus der Bindung sein­er Schuld entlässt.

Wer vergibt, spiegelt das Han­deln Gottes wider, der selb­st Schuld vergibt und den Men­schen in die Frei­heit sein­er Gnade stellt. Umgekehrt macht Jesus deut­lich: Wer nicht bere­it ist, anderen zu vergeben, ver­schließt sich selb­st der Verge­bung des Vaters. So wird Verge­bung zur entschei­den­den Hal­tung, die das Leben eines Chris­ten prägt – nicht als Option, son­dern als notwendi­ge Kon­se­quenz des Emp­fan­genen. In ihr zeigt sich die Wahrheit des Evan­geli­ums: dass Gottes Liebe stärk­er ist als jede Übertre­tung und dass die Gemein­schaft mit ihm nur dort lebendig bleibt, wo auch wir einan­der frei machen.

Die Worte Jesu in der Berg­predigt führen uns mit großer Ein­dringlichkeit vor Augen, dass der Neuan­fang mit Gott untrennbar mit dem Neuan­fang mit den Men­schen ver­bun­den ist. Verge­bung ist keine Neben­sache, son­dern die Bedin­gung für das Leben in der Gemein­schaft mit dem Vater. In fast erschreck­ender Klarheit macht Jesus deut­lich: Gottes Verge­bung bleibt uns ver­schlossen, solange wir selb­st nicht bere­it sind, anderen zu vergeben.

Der Zugang zur Gnade ste­ht offen – doch er öffnet sich erst dann, wenn wir das loslassen, was uns an Schuld und Ver­let­zung durch andere bindet.

Damit berühren wir eine der großen Lin­ien in Jesu Verkündi­gung: Neues Leben ist für ihn nicht ein bloßes „Mehr“ oder „Bess­er“, son­dern ein radikaler Neuan­fang. Umkehr bedeutet nicht ein wenig Kor­rek­tur, son­dern völ­lige Umkehr – ein Leben, das sich ganz von Gott her bes­tim­men lässt und darum auch im Umgang mit den Men­schen neu wird. Ger­ade den inneren Bruch in unser­er Fröm­migkeit verurteilt Jesus: den Bruch zwis­chen dem Reden von Gott und dem Han­deln gegenüber den Men­schen, den Bruch zwis­chen äußer­er Reli­giosität und innerem Herzen.

Es ist eine ern­ste Mah­nung: Wer sich weigert zu vergeben – aus Prinzip, aus Selb­st­gerechtigkeit oder aus dem Wun­sch, Schuld festzuhal­ten – der stellt sich selb­st außer­halb der Verge­bung Gottes. Jesu Wort ist nicht Dro­hung, son­dern Wahrheit: Nur dort, wo wir vergeben, kann Gottes Verge­bung uns erre­ichen. Verge­bung ist daher nicht Schwäche, son­dern die Kraft, die das Herz frei macht und den Weg zu Gott öffnet. Sie ist das Siegel der echt­en Nach­folge, das Zeichen dafür, dass wir das Kreuz nicht nur ver­ste­hen, son­dern tra­gen.

Die Gefahr, die Jesus in der Berg­predigt anspricht, ist nicht nur die Selb­st­gerechtigkeit der­er, die meinen, durch eigene Werke vor Gott beste­hen zu kön­nen. Sie zeigt sich heute auch auf der anderen Seite des Kreuzes: im leicht­fer­ti­gen Ver­trauen auf eine Gnade, die von der Umkehr und der Nach­folge los­gelöst wird. Jesus lehrt vor Gol­gatha, vor seinem Tod, um die Notwendigkeit des Kreuzes zu offen­baren, dass kein Men­sch durch eigene Gerechtigkeit beste­hen kann. Doch eben­so macht er deut­lich, dass die emp­fan­gene Gnade nicht zur bil­li­gen Ausrede wer­den darf, die uns von der Verge­bung und der Umkehr ent­bindet.

Gott ist gnädig und barmherzig, er ist Liebe“ – dieser Satz ist wahr, aber er wird oft zu ober­fläch­lich gebraucht. Wenn wir ihn so ver­ste­hen, dass wir uns nicht mehr mit unser­er Schuld auseinan­der­set­zen, nicht mehr vergeben, nicht mehr umkehren, dann verkehren wir die Botschaft Jesu ins Gegen­teil. Es ist Heuchelei, von der Recht­fer­ti­gung zu reden und zugle­ich die Werke der Nach­folge zu ver­nach­läs­si­gen. Denn Jesus zeigt unmissver­ständlich: Recht­fer­ti­gung und Heili­gung gehören zusam­men. Wer sich für ihn entschei­det, muss auch den Weg der Nach­folge gehen. Ein Glaube, der sich auf Worte beschränkt, ohne im Leben Gestalt zu gewin­nen, bleibt leer.

So ruft uns dieses Wort Jesu zur Klarheit: Die Entschei­dung für ihn ist nicht nur ein Beken­nt­nis, son­dern ein Weg. Ein Weg, der durch Verge­bung, Umkehr und tätige Liebe geprägt ist. Wer diesen Weg ver­weigert, mag noch so fromm reden und predi­gen – er bleibt im Wider­spruch zu dem, was Jesus selb­st gelehrt hat. Darum ist die Berg­predigt bis heute ein Spiegel, der uns zeigt, ob unser Leben mit Gott und unser Leben mit den Men­schen wirk­lich eins gewor­den sind.

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